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Lehrte Bergmannssegen-Förderturm: Wahrzeichen droht der Abriss
Umland Lehrte

Lehrte: Föderturm von BErgmanssegen soll abgerissen werden

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19:20 21.11.2019
Das Gelände der Schachtanlage Bergmannssegen südwestlich von Lehrte: Das Unternehmen K+S will den alten Förderturm abreißen. Die Zukunft des Fördermaschinengebäudes und des Wasserturms (links) sind ungewiss. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Diese Nachricht trifft viele alteingesessene Lehrter vermutlich ins Mark: Das Unternehmen K+S will den Förderturm auf dem Gelände des Schachts Bergmannssegen am südwestlichen Rand der Stadt abreißen. Denn er steht bei der bald beginnenden Verfüllung des Schachts im Weg. Der mehr als 100 Jahre alte Förderturm samt benachbartem Fördermaschinengebäude und Wasserturm gilt als eines der Wahrzeichen Lehrtes und ist eine weithin sichtbare Landmarke. Daher ist die Empörung unter Lehrtes Politikern, die jetzt im Bauausschuss erstmals von dem Vorhaben hörten, groß. Auch der Ruf, das historische Gebäudeensemble unbedingt zu erhalten, wird laut.

Trotzdem stehen die Zeichen bei Bergmannssegen derzeit ganz klar auf Abriss. Denn das Unternehmen K+S beendet im kommenden Jahr die Flutung des Kaliwerks Bergmannssegen/Hugo. Zum Abschluss muss der Schacht von Bergmannssegen aufgefüllt werden. Und dazu ist es laut Klaus Rumphorst von K+S nötig, Rohre in den Schacht zu treiben, die dann verschlossen werden. „Und das geht nur, wenn wir freien Zugang zum Schacht haben, daher muss der Förderturm samt Förderhalle weg“, erläutert der Mann, der bei dem Unternehmen als Leiter der sogenannten inaktiven Werke tätig ist.

„Das wird den Leuten weh tun“

Rumphorst gibt zu, dass der Abriss des Förderturms „den Leuten weh tun wird“. Doch er betont auch, dass das gesamte Gebäudeensemble für K+S keinen wirtschaftlichen Nutzen mehr hat: „Wir können das auch nicht ändern.“ Vor wenigen Wochen sei zudem der Förderturm endgültig außer Betrieb gesetzt worden. Denn in den Schacht einfahren könne man jetzt nicht einmal mehr zu Kontrollzwecken, sagt Rumphorst. Die Flutung habe mittlerweile die oberste Sohle, also die oberste Ebene des früheren Kaliabbaus, erreicht. „Da ist nun alles überflutet“, stellt der Mann von K+S klar.

Die Gebäude des Schachts Bergmannssegen vom Markscheiderweg aus gesehen. Vor 25 Jahren wurde die Anlage stillgelegt. Quelle: Achim Gückel

Den Förderturm beschreibt er zudem als „stark korrodiert“. Die Schachthalle, welche große Teile des Turms umhüllt, sei ebenfalls marode, das Mauerwerk verrottet. Nach anderen technischen Möglichkeiten zur Verfüllung des Schachts zu suchen und anschließend Förderturm und Schachthalle zu sanieren, sei wirtschaftlich nicht vertretbar. Mehr noch: Auch das benachbarte Fördermaschinengebäude samt markantem Wasserturm braucht K+S nicht mehr. Dieses hat das Unternehmen bereits der Stadt Lehrte zur Übernahme angeboten. Doch bisher ist das gesamte Vorhaben, Bergmannssegen abzureißen, noch eine Hängepartie.

Alle Gebäude stehen unter Denkmalschutz

Denn sämtliche Gebäude auf dem Schachtgelände stehen unter Denkmalschutz. Dieser kann zwar aufgehoben werden, wenn wirtschaftliche Interessen erlöschen und andere Auflagen dagegen sprechen. Diese anderen Auflagen sind etwa die Anweisung des Landesamts für Bergbau, Energie und Geologie, die die Verfüllung des Schachts verfügt hat, erklärt Rumphorst.

Trotzdem ist die Sache mit dem Abriss vorerst noch eine Hängepartie. Denn die zuständige Untere Denkmalschutzbehörde, die den Schutz für Bergmannssegen aufheben könnte, ist bei der Stadt Lehrte angesiedelt. Und die hat laut Rumphorst schon mehrere ablehnende Bescheide an K+S geschickt. Schon im Sommer habe man erstmals seine Forderung im Rathaus vorgetragen. „Eigentlich hätte der Abriss bis Ende des Jahres erledigt sein sollen, aber das funktioniert nun nicht mehr“, erläutert Rumphorst.

Landmarke und Wahrzeichen

In der jüngsten Sitzung des Lehrter Bauausschusses sagte Baudezernent Christian Bollwein dazu, man befinde sich „noch in der Diskussion mit K+S“. Noch habe das Unternehmen nicht alle notwendigen Unterlagen eingereicht. Den Förderturm von Bergmannssegen bezeichnete Bollwein unterdessen als „Landmarke und Wahrzeichen“ für Lehrte. Er räumt aber auch ein, dass der Denkmalschutz erlöschen könne, wenn das Gebäudeensemble nachweislich nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben oder sanieren sei: „Letztlich können wir das wohl nicht verhindern.“

Bergmannssegen diente sogar als Filmkulisse

Stillgelegt wurde das Werk Bergmannssegen-Hugo vor 25 Jahren, weil sich der Kaliabbau nicht mehr lohnte. Damit hatte das Werk bereits eine Sonderstellung inne, denn viele der Anfang des 20. Jahrhunderts eingerichteten Kalibergwerke waren aus wirtschaftlichen Gründen noch vor dem Zweiten Weltkrieg wieder außer Betrieb genommen worden. Die Schächte in Bergmannssegen, das 1912 in Betrieb ging, sind teilweise mehr als 900 Meter tief. Die Sohlen, auf denen Kali abgebaut wurde, erstrecken sich unter weiten Teilen Lehrtes und der Landschaft südlich der Stadt. Hunderte von Lehrtern haben in früheren Jahrzehnten dort als Bergmänner ihren Lohn verdient. Von der Bergbautradition der Stadt zeugt nicht nur die Seilscheibe an der Ecke von Iltener Straße und Westring, sondern auch die Schachtsiedlung am südwestlichen Zipfel der Kernstadt, wo früher viele der Bergleute zu Hause waren.

Seit dem Jahr 2004 wird Bergmannssegen und das auf Iltener Gebiet liegende Bergwerk Hugo kontrolliert geflutet. Und zwar hauptsächlich mit Sole, einem Gemisch aus Salz und Wasser, sowie Wasser. Dadurch soll der Gefahr von Erdabsenkungen vorgebeugt werden. Die Flüssigkeit wurde über ein System aus Rohren transportiert, das zeitweise eine Länge von mehr als 15 Kilometern hatte.

Groß raus kam Bergmannssegen im Jahr 2003, neun Jahre nach der Stilllegung des Schachts. Damals diente das Gelände mit dem markanten Förderturm als Kulisse für die Dreharbeiten des TV-Zweiteilers „Das Wunder von Lengede“ – denn in Lengede, wo es 1963 ein Grubenunglück gab, bei dem nach 14 Tagen noch elf bereits tot geglaubte Kumpel unter dramatischen Umständen gerettet wurden, waren die Förderanlagen längst beseitigt worden.

Unter Lehrtes Baupolitikern war die Bestürzung unterdessen riesig. „Die Gebäude haben Symbolkraft für Lehrte und seine industrielle Geschichte. Die Leute hängen daran“, sagte etwa Sozialdemokrat Ekkehard Bock-Wegener. Lehrtes stellvertretender Bürgermeister Burkhard Hoppe erinnerte daran, dass der markante Förderturm vor rund 15 Jahren bei einer Umfrage dieser Zeitung zum Wahrzeichen der Stadt weit vorn dabei war. Er sagte, man müsse „alles mögliche tun, um das zu erhalten“. Auch Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) sprach von einem „landschaftsprägenden Gebäudeensemble“.

Gemeinsam forderten die Baupolitiker, dass ein Vertreter von K+S möglichst bald im Ausschuss erscheint, um das Vorhaben des Unternehmens zu erläutern. Klaus Rumphorst ist für diese Forderung offen. „Wir können gerne mit der Politik reden“, sagt er.

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Von Achim Gückel

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