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Lehrte Aktionstag: So sollen Brötchentüten gegen Gewalt an Frauen helfen
Umland Lehrte

Lehrte: „Gewalt kommt nicht in die Tüte“: Aktionstag gegen Gewalt an Frauen

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16:07 25.11.2019
Polizist Tim Bergforth (von links), die stellvertretende Gleichstellungsbeauftragte Lehrte, Fokeline Beerbaum-Vellinga, Bürgermeister Frank Prüße und Franziska Burbulla von der AWO-Koordinationsstelle gegen häusliche Gewalt zeigen die Brötchentüten. Quelle: Sandra Köhler
Lehrte

„Häusliche Gewalt ist für Frauen das weitaus größte Gesundheitsrisiko“, sagt Franziska Burbulla, Leiterin der AWO-Koordinierungs- und Beratungsstelle gegen häusliche Gewalt in der Region Hannover. „Und damit ist das ein Thema, das in die Öffentlichkeit gehört.“ Um Öffentlichkeit herzustellen und Hilfe anzubieten, werden anlässlich des Tages gegen Gewalt an Frauen, dem 25. November, allein in Lehrte 25.000 Brötchentüten mit dem Aufdruck „Gewalt kommt nicht in die Tüte“ verteilt. Auf ihnen finden sich auch Telefonnummern, an die sich von Gewalt betroffene Frauen wenden können: das Hilfetelefon unter (08000) 116016, die AWO-Frauenberatung unter (05132) 823434 und die Polizei unter 110. Es ist eine gemeinsame Aktion der Gleichstellungsbeauftragten aus Lehrte, Sehnde, Burgdorf und Uetze.

Häusliche Gewalt macht 4 Prozent der Straftaten aus

„In Lehrte gab es im Jahr 2017 genau 152 gemeldete Fälle häuslicher Gewalt, in 2018 waren es 124, und in diesem Jahr wird die Zahl ähnlich hoch liegen wie im Vorjahr“, sagt Tim Bergforth vom Kriminalermittlungsdienst des Polizeikommissariats Lehrte. Das seien etwa 4 Prozent aller Straftaten in Lehrte – und „erfreulicherweise sind dies weniger als 20 Prozent der Gewalttaten“. Allerdings gebe es eine neue Entwicklung, betont AWO-Koordinatorin Burbulla: „Es werden uns immer mehr Fälle gemeldet“. Allein im Jahr 2018 suchten 31 Frauen die Frauenberatungsstelle in Lehrte gezielt wegen häuslicher Gewalt auf. Bei 27 Frauen, die wegen anderer Themen kamen, stellte sich aber heraus, dass sie ebenfalls von häuslicher Gewalt betroffen waren.

89 Lehrter Fälle kamen über die Vermittlung der Polizei bei der AWO-Koordinierungsstelle in Hannover an. „Es ist mehr geworden in den vergangenen Jahren“, meint auch Lehrtes Bürgermeister Frank Prüße, der bis vor wenigen Monaten noch als Rechtsanwalt tätig war. Er macht klar: „124 Fälle, wie im Jahr 2018 in Lehrte, sind 124 zuviel.“

Es geht um die Macht

Andere Zahlen schockieren noch mehr: Alle zwei bis drei Tage wird in Deutschland eine Frau von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet: 123 Opfer waren es 2018. Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs. Denn häusliche Gewalt meint nicht nur körperliche Angriffe. „Im Grunde genommen geht es dabei um die Demonstration von Macht“, sagt Fokeline Beerbaum-Vellinga, die stellvertretende Lehrter Gleichstellungsbeauftragte. Isolation, finanzielle Abhängigkeit, Demütigung und Erniedrigung: „Wenn Frauen sich an die Polizei wenden, ist das meist schon eine Eskalation in einer sich länger drehenden Spirale“, sagt AWO-Koordinatorin Burbulla. Und: häusliche Gewalt komme in allen gesellschaftlichen Schichten vor. Darauf nähmen auch die Beratungsangebote Rücksicht. „Denn eine Migrantin, die die Sprache nicht richtig versteht, benötigt viel mehr Hilfe als eine deutsche Akademikerin“, betont Polizist Bergforth.

Neu für die Region Hannover ist ein Angebot des Männerbüros Hannover, das unter der Telefonnummer (0511) 1245890 zu erreichen ist. Dieses will Tätern helfen, ihre gewaltsamen Konfliktlösungsstrategien abzulegen. „Vielfach haben Männer, die zum Täter werden, selbst Gewalt erfahren“, erläutert Burbulla. Jeder zehnte Mann, zu dem das Männerbüro über Vermittlung der Polizei Kontakt aufnimmt, nehme das Angebot wahr.

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Von Sandra Köhler

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