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Lehrte Abriss oder Erhalt: Streit um Förderturm des Kalibergwerks ist voll entbrannt
Umland Lehrte

Lehrte: Heiße Debatte um Abriss des Föderturms von Bergmannssegen-Hugo

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18:20 29.01.2020
Das Gelände des ehemaligen Kalischachts Bergmannssegen-Hugo am Sauerweg: Der markante, 46 Meter hohe Förderturm samt der mit ihm verzahnten Förderhalle soll abgerissen werden. Quelle: Horst-Günter Gnest
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Lehrte

Dieses Thema weckt Emotionen. Und es hat das Zeug zu einem echten Aufreger in Lehrte. Das Unternehmen K+S will den unter Denkmalschutz stehenden Förderturm des früheren Kalibergwerks Bergmannssegen-Hugo am südwestlichen Rand der Stadt abreißen. Denn er steht der gesetzlich geforderten Verfüllung des Kalischachts im wahrsten Sinne des Wortes im Weg. Diesen Abriss wollen viele Lehrter, die in dem Förderturm ein Wahrzeichen der Lehrter Industriegeschichte sehen, nicht einfach geschehen lassen. Jetzt ist es zu einer ersten öffentlichen Debatte um das Thema gekommen.

Im Bauausschuss stellte Gereon Jochmaring von K+S dar, warum der Turm weg müsse. Er sei „funktionslos, vergammelt und verrostet“, habe keinen Nutzen mehr, und sein Erhalt sei wirtschaftlich nicht zu verantworten, sagte er. Doch das wollten viele der Baupolitiker so nicht stehen lassen. Es gebe viele Menschen in Lehrte, die mit dem Förderturm „emotional etwas verbinden“, sagte Sozialdemokrat Burkhard Hoppe. Ronald Schütz (Grüne) warf dem K+S-Mann vor, er rede den Förderturm bewusst schlecht. Zu der Anlage einfach „tschüss und weg“ zu sagen, gehe gar nicht. K+S habe eine Verantwortung für seine Hinterlassenschaften in der Stadt, sagte Schütz. Daher werde man den Abriss des Förderturms „so lange verhindern, wie es geht“, kündigte er an.

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40.000 Tonnen Gleisschotter als Füllmasse

Jochmaring hatte vor den Politikern zuvor eingehend erläutert, warum es aus seiner Sicht keine Zukunft mehr für den fast 100 Jahre alten Förderturm gebe. Er stellte das Verfahren zur Verfüllung des unter dem Turm befindlichen, 1136 Meter tiefen Schachts vor. Dafür müsse eine aufwendige Konstruktion mit einer Art riesigem Trichter errichtet werden. Durch eine etwa 200 Meter lange, in den Schacht eingelassene Rohrkonstruktion aus 13 Meter langen Einzelelementen müssen etwa 40.000 Tonnen, also 2000 Lastwagenladungen, groben Gleisschotters in den Schacht gefüllt werden. Nur auf diese Weise bleibe er dauerhaft stabil, und das verlange das Bergrecht so, betonte Jochmaring.

Eine sinnvolle Alternative zu diesem Vorgehen gebe es nicht, sagte der Mann, der bei K+S für die sogenannten inaktiven Werke verantwortlich ist. Ein Erhalt des Förderturms mit der ihn umgebenden Förderhalle sei daher ausgeschlossen. Auch der Denkmalschutz greife in diesem Falle nicht.

Droht ein Streit in Sachen Denkmalrecht?

Doch genau dieser Aspekt ist noch nicht ausdiskutiert, scheint es. Das Denkmalrecht sei „brutal und zwingend“, sagte eine Expertin der Stadtverwaltung in der Sitzung. Um erhalten zu bleiben müsse der Förderturm auch „nichts mehr leisten“. Und wenn es eine Alternative zu dem von K+S vorgeschlagenen Vorgehen bei der Verfüllung gebe, müsse diese unabhängig von eventuellen Mehrkosten ergriffen werden. Von möglichen rechtlichen Schritten gegen das Vorhaben von K+S war jedoch noch nicht die Rede.

Gereon Jochmaring vom Unternehmen K+S erläutert im Bauausschuss, warum der Förderturm abgerissen werden soll. Quelle: Achim Gückel

Jochmaring indes rechnete vor, was der Erhalt des Förderturms, der wegen seiner baulichen Verzahnung mit der Förderhalle eine architektonische Besonderheit darstellt, kosten würde. Die Sanierung sowie das Auftragen von Rostschutz bezifferte er auf 590.000 Euro. Für das Nebengebäude samt Wasserturm würden noch einmal 250.000 Euro fällig. „Das Geld haben wir nicht und wollen wir auch nicht ausgeben“, sagte er.

Zudem bleibe der Turm auch nach der Sanierung „unnutzbar und funktionslos“. Ein Verkauf des Geländes komme ebenso nicht in Betracht, denn wenigstens der Zugang zum künftigen Schachtdeckel müsse stets für K+S zugänglich bleiben. Und falls die Stadt selbst den Förderturm pflegen wolle, müsse sie allein für den Rostschutz alle zehn Jahre 150.000 Euro aufbringen, sagte der K+S-Mann.

Hoppe: „Die Lehrter wollen den Förderturm behalten“

Die Ausführungen Jochmarings riefen bei den Baupolitikern teils Empörung, teils Kampfeslust hervor. „Sie reden hier von Wirtschaftlichkeit, die gegen den Erhalt des Turms spreche, aber den Gewinn haben Sie mit dem Kaliwerk doch über Jahrzehnte hinweg gemacht“, sagte etwa Hoppe. 2000 Kumpel seien in all der Zeit über den Förderturm in das Bergwerk eingefahren. Die Lehrter lehnten den Abriss dieses Wahrzeichens ab, stellte Hoppe kategorisch fest. Das Kaliwerk Bergmannssegen-Hugo war 1912 in Betrieb gegangen und vor 25 Jahren geschlossen worden.

Ekkehard Bock-Wegener (SPD) nannte das Denkmalrecht „ein hoch zu beachtendes Gut“, das es „nicht aus Jux und Dollerei“ gebe. Er wünsche sich daher eine Verfüllung des Schachts bei Erhalt des Förderturms. Und Bodo Wiechmann (SPD) hielt Jochmaring vor, dass K+S ja sicherlich Rückstellungen für die Verfüllung des Schachts habe. Jochmaring blieb hart. Das Geld reiche nur für den Abriss des Förderturms. Mit der Verfüllung müsse man im Übrigen spätestens im Juni beginnen, wenn man die Auflagen des Bergrechts erfüllen wolle.

Lokotsch: „Mein Herz klebt nicht daran“

Der Wille zum Erhalt des Förderturms ist allerdings auch in der Lehrter Politik nicht durchgängig vorhanden. Christoph Lokotsch (Die Linke) nannte die Argumente Jochmarings nachvollziehbar. Selbstverständlich gebe es bei dem Thema eine „emotionale Komponente“, doch sein Herz klebe nicht an der alten Bergwerksanlage, sagte Lokotsch. Vielmehr solle man über Kompromisse und eine sinnvolle Nachnutzung des Geländes am Sauerweg nachdenken. Ähnlich äußerte sich Armin Hapke (CDU). Das Bergrecht gebe K+S strenge Regeln vor, betonte er. „Wir sollten uns von dem Thema verabschieden und sehen, welche Chancen uns der Abriss bietet“, sagte der Sievershäuser.

Nun wird es zunächst eine nicht öffentliche Sondersitzung des Bauausschusses zu dem Thema geben – und zwar im Februar direkt am Förderturm von Bergmannssegen-Hugo.

Bei der Wahrzeichenwahl landet der Förderturm auf Platz vier

Besonders viele historische Gebäude hat Lehrte nicht. Aber einige Bauten oder Denkmale in der Kernstadt haben durchaus das Zeug zum Wahrzeichen. Und dazu gehört sicher auch der Förderturm des alten Kaliwerks Bergmannssegen-Hugo. Doch welches Bauwerk liegt den Menschen in der Stadt am meisten am Herzen? Diese Frage hatte der Anzeiger für Burgdorf und Lehrte im Frühjahr 2004 gestellt und die Leser zu einer Mitmachaktion aufgefordert. 989 Leser beteiligten sich daran und wählten mit überwältigender Mehrheit von 526 Stimmen den Wasserturm an der Germaniastraße als das Wahrzeichen Lehrtes. Der Förderturm, dem nun der Abriss droht, landete auf Platz vier mit 57 Stimmen. Die Ränge zwei und drei nahmen übrigens die historische Dampflok an der Bahnhofstraße (205 Stimmen) und das Rathaus (68) ein. Platz fünf gab es für die Matthäuskirche (51), Rang sechs für den Bahnhof (48).

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Von Achim Gückel

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