Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Lehrte Komfort, Gemüse und Grün: So geht Kleingärtnern heute
Umland Lehrte

Lehrte: Kleingartenkolonie Gemeinschaftsruh in Ahlten feiert 100 Jahre

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:16 17.06.2019
Gabi Oppenborn ist Schriftführerin im Kleingartenverein Gemeinschaftsruh, Stefan Gödke ist Vorsitzender: Gemeinsam mit ihren Helfern haben sie ein großes Fest zum 100-jährigen Bestehen der Kolonie vorbereitet. Quelle: Achim Gückel
Ahlten

Wenn Stefan Gödke und Gabi Oppenborn über „ihre Kolonie“ reden, dann tun sie das mit einer Mischung aus Stolz und Tatendrang. 83 Gärten zwischen 200 und 500 Quadratmetern, ein schmuckes Vereinshaus, viel Grün und eine intakte Gemeinschaft: Das ist die Kolonie Gemeinschaftsruh in Ahlten, wo Gödke als Vorsitzender des Kleingartenvereins und Oppenborn als Schriftführerin tätig ist. Am Sonnabend, 22. Juni, steht für sie und die anderen Gärtner eine große Feier auf dem Programm. Dann begeht Gemeinschaftsruh als eine der ältesten Gartenkolonien im Lehrter Stadtgebiet ihr 100-jähriges Bestehen – und zwar mit einem ganztägigen Programm.

„Hier wird alles angebaut: Karotten, Kartoffeln, Obst – quer durch den Garten eben“, sagt Oppenborn schmunzelnd. Seit einiger Zeit gehe der Trend eindeutig zum Grün, fügt Gödke hinzu. Damit meint er, dass sich viele junge Familien auf ihren Parzellen ein eigenes Reich schaffen, das Kindern gefällt. Spielgeräte und Freiflächen zum Toben gehören dabei dazu. Ein Schrebergarten sei eben nicht mehr nur ein Refugium für reine Selbstversorger.

Der größte Teil der Pächter baut auch Gemüse an

Doch allein zur Erholung und zum Spaß für den Nachwuchs halte man sich heute ebenso wenig einen Kleingarten, meinten Gödke und Oppenborn. Zwar sei die Pflicht, auf einem Drittel seiner Fläche Gemüse anzubauen, längst aufgehoben worden. „Der größte Teil der Pächter hat trotzdem Obst und Gemüse“, sagt Gödke. Und das sei wohl ein Hinweis darauf, dass heute wieder mehr Menschen als vor zehn oder 20 Jahren die Produkte aus eigenem Anbau schätzten.

Gepflegte Beete mit Blumen und Dekoration. Quelle: Achim Gückel

Leerstände gibt es in Gemeinschaftsruh, das wie eine grüne Lunge zwischen den Ahltener Wohnstraßen liegt, kaum. Vier Gärten habe man zurzeit frei, sagen Oppenborn und Gödke. Stets im Frühjahr gebe es immer wieder Neuverpachtungen. Und diese seien in der Stammkolonie am Birkenweg deutlich einfacher als etwa bei der ebenfalls vom Verein verwalteten Außenstelle Mühlengärten mit ihren etwa 40 Parzellen am östlichen Ortsrand. „Dort haben wir zwar fließend Wasser, aber keinen Strom“, sagt Gödke. Denn ein wenig Komfort sei heutzutage in einer Kleingartenkolonie sehr wohl gewünscht.

Einst kamen die Pächter in Gemeinschaftsruh allesamt aus Ahlten. Doch auch in dieser Hinsicht hat sich viel verändert. Etwa ein Drittel der Ahltener Kleingärtner lebt heute in anderen Orten Lehrtes oder Sehndes. Selbst Pächter aus Hannover gebe es mittlerweile, sagt Gödke. Man schätze offenbar das Familiäre im Dorf.

Das Vereinshaus liegt mitten in der Kleingartenkolonie, die in Ahlten eine Art grüne Lunge darstellt. Quelle: Achim Gückel

Zum gesunden Vereinsleben tragen auch Veranstaltungen bei. Einmal im Jahr gibt es ein Sommerfest in der nun 100-jährigen Kolonie. Auch ein Erntedankgottesdienst und eine Aktion zum Himmelfahrtstag gehören stets zum Terminkalender. Das Fest, das am Sonnabend, 22. Juni, steigen wird, ist jedoch etwas Besonderes.

Gottesdienst, Tombola und Big Band

Am Sonnabend bauen die Verantwortlichen bei Gemeinschaftsruh ein großes Zelt am Vereinshaus auf. Und dort geht es um 11 Uhr mit einem Gottesdienst los. Es folgen offizielle Worte und gegen 15 Uhr eine Ehrung von Jubilaren. Für 16.30 Uhr ist eine Tombola vorgesehen, für 18 bis 19 Uhr der Auftritt der Band Resisters. Von 19 bis 21.30 Uhr spielt schließlich die Big Band Ahlten auf. Im Kinderprogramm gibt es nicht nur eine Hüpfburg und Torwandschießen, sondern auch die Möglichkeit, einen Nistkasten zu bauen. Glücksrad und der Verkauf von Tassen mit Vereinsemblem runden das Programm ebenso ab wie der Verkauf von Bier und alkoholfreien Getränken sowie von Steaks, Bratwurst, Salaten und Kuchen.

Einst waren die Kleingärtner der größte Verein im Dorf

Die 100-jährige Geschichte der Kleingartenkolonie Gemeinschaftsruh ist bewegt und fast so etwas wie ein Spiegel der jüngeren deutschen Kulturgeschichte. Gegründet wird sie im Jahr 1919, kurz nach dem Ersten Weltkrieg als Pächtervereinigung. Erst einige Jahre später benennt man sich in Kleingärtnerverein Ahlten um. Die Inflation der frühen Zwanzigerjahre und die Massenarbeitslosigkeit in der Weltwirtschaftskrise vernichten dann auch das Kapital der Kleingärtner und lassen den Mitgliederbestand sinken.

1930 etwa summieren sich allein die Pachtrückstände auf 129 Reichsmark. Und im Protokoll der Generalversammlung von 1934 heißt es barsch: „Es herrscht eine große Lotterei in unserem Verein. Es scheint, als ob sehr viele Mitglieder mit der größten Interessenlosigkeit unser Vereinswesen ansehen.“ Was folgt, ist ein Aufruf, den Verein aufzulösen. Doch das geschieht nicht.

Man schließt sich dem Reichsbund der Kleingärtner und Kleinsiedler an, erhöht die Pachtbeiträge und belebt die Kolonie neu. 1939 gibt es sogar einen ersten Fachvortrag für die Gärtner. Laut einer Chronik spricht ein „Gartenfreund Scholz“ über die Bekämpfung von Erdratten und anderen Schädlingen.

Im Zweiten Weltkrieg erleben auch die Kleingärtner schwierige Zeiten. Der zwischenzeitliche Vereinsführer Otto Grefe muss in den Krieg ziehen, 1945 werden die Vereinsmitglieder sogar aufgerufen, in Gemeinschaftsarbeit Bombentrichter in den Gärten zu verfüllen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg bricht die große Zeit der Selbstversorger an. Der Verein stellt vielen Kriegsflüchtlingen Grabeland zur Verfügung, 1949 ist er mit 540 Mitgliedern die größte Vereinigung im Dorf. Doch schon Mitte der Fünfzigerjahre schrumpft das Kleingartenland, denn es muss Bauland her. Gartenteile gehen verloren, aber schon 1960 werden in den Mühlengärten Trinkwasserleitungen gelegt und ein neuer Mittelweg in Gemeinschaftsruh angelegt.

In den Siebzigerjahren werden dann immer mehr Lauben errichtet, die – so streng ist das geregelt – nicht größer als 24 Quadratmeter Grundfläche sein dürfen. Es gibt ein erstes Gartenfest am Vatertag, aber es kommt trotz einer Einzäunung zu Einbrüchen und Beschädigungen. Mitglieder kommen abhanden, auf den Tiefststand von 117 Kleingärtnern folgt in den Achtzigerjahren wieder ein Aufschwung.

Von Achim Gückel

Nicht ganz fehlerfrei, aber sympathisch: So war das Sommerkonzert der Chor- und Percussionklasse, des Wahlpflichtkurs-Chor und der Lehrerband haben am Mittwochabend im Foyer des IGS-Oberstufengebäudes.

13.06.2019

Alkohol ist die Hauptursache für Unfälle mit Schwerverletzten und Toten. Die niedersachsenweite Kampagne Don’t Drink and Drive soll vor allem junge Leute für die Gefahren sensibilisieren. Zum Auftakt an der BBS Burgdorf kam auch Staatssekretär Berend Lindner.

16.06.2019

Der Immenser Ortsrat unternimmt einen weiteren Vorstoß für einen Radweg entlang der Landesstraße 412 nach Burgdorf. Die Dorfpolitiker sehen das Land Niedersachsen sowie Burgdorf und Lehrte in der Pflicht. Ende April hatte es dort einen tödlichen Unfall mit einem Radfahrer gegeben.

13.06.2019