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Lehrte Lokaler Klimaschutz: Lehrte soll Vorreiter werden
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Lehrte: Klimaschutz: Ratsmehrheit stellt Sofortprogramm vor

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17:18 08.11.2019
Mehr Fotovoltaikanlagen auf öffentlichen Gebäuden: Das ist eine der Forderungen der Lehrter Ratsmehrheit. Das Bild zeigt das Solarkraftwerk der Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde auf einer Logistikhalle bei Höver. Quelle: Archiv
Lehrte

Klimaschutz fängt im Kleinen an – und wenn sich nicht auch Kleinstädte um das Thema kümmern, sind sie mit an den ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Klimawandels schuld. Dieser Tenor steckt hinter einer spektakulären Forderung aus dem Lager der Lehrter Ratsmehrheit mit SPD, Grünen und Die Linke. Sie will unter anderem, dass die Stadt ihr Klimaschutzaktionsprogramm von 2010 endlich fortschreibt – und sie legt ein 16 Punkte umfassendes Sofortprogramm vor, das Lehrte noch in diesem Jahr voll auf Ökokurs schicken könnte. Im Rat der Stadt gibt es große Bereitschaft, über die Forderungen von Rot-Grün-Rot schnell zu sprechen.

Ratsmehrheit hat zahlreiche Vorschläge

Das 16-Punkte-Programm reicht von einem Verzicht auf den Unkrautvernichter Glyphosat bei der Pflege städtischer Grünflächen über eine Verpflichtung, mehr Straßenbäume zu setzen, bis hin zur Stärkung des Radverkehrs und der öffentlichen Verkehrsmittel. So soll Lehrte etwa die Forderung nach einem günstigen Jahrestarif für den Großraumverkehr für 365 Euro im Jahr unterstützen. Darüber hinaus soll bei der Aufstellung künftiger Bebauungspläne eine Begrünung von Dächern und Fassaden oder der Bau von Anlagen zur Gewinnung regenerativer Energien vorgeschrieben werden.

Mehr Bäume, mehr Infos und ein Klimaschutzmanager

Zudem soll Lehrte seine Baumschutzsatzung überarbeiten, an Kitas und Schulen kleine Gärten einrichten, künftig in den Schulmensen und Kitas Essen nach höherem Qualitätsstandard anbieten und dort möglichst auch frisch kochen. Und schließlich soll die Stadt 5000 Euro für eine Reihe von Infoveranstaltungen zum Umwelt- und Naturschutz bereitstellen sowie eine unbefristete Stelle für einen Klimaschutzmanager schaffen. Solch einen Posten hatte es in der Stadt früher schon gegeben, er war aber stets befristet und ist längst nicht mehr besetzt.

Mehr Klimaschutz, bitte: Thore Meiwes (rechts) von der Lehrter Gruppe von Fridays for Future überreicht dem neuen Lehrter Bürgermeister Frank Prüße eine Liste mit 698 Unterschriften. Quelle: Achim Gückel

„Wir wollen nicht einfach den Klimanotstand ausrufen, sondern ganz konkret werden“, erklärte SPD-Ratsfrau Petra Drescher in der jüngsten Ratssitzung. Sie lobte ausdrücklich die auch in Lehrte sehr aktive Bewegung Fridays for Future und versicherte: „Wir teilen die Ziele dieser Bewegung.“ Kurz zuvor hatten junge Klimaaktivisten dem neuen Bürgermeister Frank Prüße einen von 698 Unterstützern unterzeichneten Appell zum Ausrufen des Klimanotstands in Lehrte überreicht.

Grüne: Das Programm ist dringend und überfällig

Ronald Schütz, Fraktionschef der Grünen, nannte den Vorstoß von Rot-Grün-Rot „dringend und überfällig“, zitierte alarmierende Zeitungsüberschriften in Bezug auf den Klimawandel und betonte, Lehrte sei zwar in Sachen Klimaschutz noch kein Vorbild, „aber das wollen wir ändern“. Christoph Lokotsch (Die Linke) warb schließlich dafür, bei den lokalen Zielen für den Klimaschutz „die Latte hoch zu hängen“. Wer etwa lediglich den Klimanotstand ausrufe, aber keine konkreten Änderungen anstrebe, betreibe nur Symbolpolitik.

Aus der Opposition im Rat gab es aus dem Lager der CDU Wohlwollen für den Vorstoß. Christdemokrat Martin Schiweck sprach aber auch davon, dass man nun einen „sehr komplexen Antrag“ zu bearbeiten habe. Das dürfe nicht allein im Umweltausschuss geschehen, sondern auch im Bau- und Finanzausschuss. Denn die Auswirkungen aus dem Sofortprogramm kosteten Geld und bezögen sich stark auf bauliche Belange.

Umweltausschuss tagt am 12. November

Stefan Henze von der AfD betonte ebenfalls, dass man auf lokaler Ebene etwas für den Klimaschutz tun müsse. Dachbegrünungen oder Fotovoltaikanlagen bei Neubauten verpflichtend zu machen ginge aber doch etwas zu weit. Das 16-Punkte-Programm der Ratsmehrheit sei in vielen Abschnitten „zu sehr zwingend“, wertete Henze. Darüber müsse man nun in Ruhe und Sachlichkeit beraten. Beginnen sollen die Beratungen über das Klimapaket bereits am Dienstag, 12. November, in einer öffentlichen Sitzung des Ausschusses für Umweltschutz und Landschaftspflege. Er kommt um 17 Uhr im Sitzungszimmer des Rathauses zusammen.

Auch das Antikriegshaus widmet sich dem Klimaschutz

Die große Debatte um den weltweiten Klimaschutz bestimmt auch die ökumenische Friedensdekade 2019 im Antikriegshaus in Sievershausen. Sie trägt den Namen „Friedensklima“ und wird am Sonntag, 10. November, eröffnet. Dazu gibt es ab 14.30 Uhr einen ökumenischen Gottesdienst im Gemeindesaal der Martinskirche Sievershausen. Ab 16 Uhr schließt sich eine Veranstaltung im benachbarten Antikriegshaus an, bei der junge Menschen aus der Lehrter Gruppe von Fridays for Future zu Wort kommen. Sie wollen über ihre Ziele sprechen und mit den Gästen diskutieren.

Fridays for Future hat mit dem weltweiten Klimastreik im September große Aufmerksamkeit und Unterstützung aus vielen gesellschaftlichen Bereichen und über alle Generationen hinweg erhalten. Die Aktivisten sind aber auch immer wieder Ziel politischer Kritik und verbaler Angriffe. In den Protesten werde zudem ein Generationenkonflikt deutlich, heißt es in einer Ankündigung der Friedensdekade des Antikriegshauses. Die älteren Generationen bekämen „eklatante Versäumnisse wider besseren Wissens attestiert“.

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