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Lehrte Schlägerei auf Schulgelände in Lehrte: Opfer liegt im Koma
Umland Lehrte Schlägerei auf Schulgelände in Lehrte: Opfer liegt im Koma
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00:19 11.01.2019
An der Einmündung des Stichwegs (rechts) auf die Südstraße holten die Verfolger den 20-Jährigen ein und schlugen ihn zusammen. Quelle: Sandra Köhler
Lehrte

 Die Schlägerei am Sonnabendabend auf dem Schulgelände an der Südstraße hat weit schlimmere Folgen, als die Polizei mitgeteilt hat. Der 20-Jährige, der von zwei 17 und 18 Jahre alten Jugendlichen lebensgefährlich verletzt wurde, liegt mit einem Schädel-Hirn-Trauma in der Medizinischen Hochschule Hannover im künstlichen Koma und wird beatmet. Nur mit einer Notoperation konnten die Ärzte ihm das Leben retten. Doch auch für seinen 18-jährigen Freund, der mit ihm unterwegs war, hat sich nach der brutalen Attacke das Leben verändert. Er macht sich nicht nur große Vorwürfe, weil der Angriff eigentlich ihm galt, sondern auch, weil er das Gefühl hat, seinen „Kumpel“ im Stich gelassen zu haben. Der Schock hat den 18-Jährigen traumatisiert: Alleine traue er sich nicht mehr auf die Straße, gestand er in einem Gespräch mit dieser Zeitung. Die Polizei prüft derzeit, ob es sich bei der Tat um gefährliche Körperverletzung oder sogar versuchten Totschlag handelt.

Am Fahrradständer neben dem Eingang der Hauptschule hatten sich die jungen Männer getroffen. Von dort aus flüchtete der 18-jährige, als die Situation eskalierte. Quelle: Sandra Köhler

Es war eine Falle. Da ist sich der Lehrter jetzt ganz sicher. Denn als er am Sonnabend gegen 22 Uhr mit seinem Freund am vereinbarten Treffpunkt vor dem Eingang der Hauptschule – diese ist am Wochenende verwaist und von der Straße aus nicht einsehbar – eingetroffen sei, um einen schon länger währenden Streit zu klären, seien dort plötzlich 15 Heranwachsende aufgetaucht. Nach seinen Angaben alle mit türkischem Migrationshintergrund. Einer aus der Gruppe habe ihn sofort an der Schulter gepackt und vom Fahrrad gerissen. Weil er schon Silvester am Telefon bedroht worden sei, habe er zum Selbstschutz Pfefferspray dabei gehabt und dieses auch benutzt. Daraufhin sei die Gruppe zunächst geflüchtet, und er habe mit seinem Freund das Gelände verlassen wollen.

Doch urplötzlich habe einer aus einer Tüte eine Handfeuerwaffe gezogen und gerufen „ich schieß dich ab“. „Daraufhin bin ich in Panik geraten und einfach abgehauen. Ich hatte Angst, dass ich aus der Situation nur tot oder im Krankenwagen rauskomme“, sagt der 18-Jährige, der in der Kfz-Branche arbeitet. Dies habe er nach seiner Flucht der Polizei per Handy mitgeteilt, die daraufhin mit einem Großaufgebot von acht Streifenwagen aus Lehrte und Hannover eine Fahndung eingeleitet hatte, und die mutmaßlichen Täter kurz später am Bahnhof festnehmen konnte.

Dass sein Freund sein Fahrrad weiter geschoben habe und dann attackiert worden sei, habe er erst später mitbekommen, als er mit der Polizei an den Tatort zurückkehrte. Bis 3 Uhr nachts habe er im Krankenhaus gesessen, in Gedanken bei seinem Freund, dem der Schädel zertrümmert wurde. „Ich mache mir große Sorgen um ihn.“ Er habe einfach Panik und Todesangst gehabt. Doch die Selbstvorwürfe bleiben. „Eigentlich galt der Angriff mir.“ Denn eine 18-jährige Türkin, Schwester der mutmaßlichen Täter, habe ein Auge auf seinen Freund geworfen und ihm selbst vorgeworfen, zu viel Zeit mit diesem zu verbringen. Sie habe ihn bei der Polizei angeschwärzt, dass er nachts ständig bei ihr klingele, und dann auch ihre Brüder ins Boot geholt, die ihn daraufhin bedroht hätten. „Und ich dachte noch, wir könnten die Sache am Samstag ganz normal besprechen.“

Doch seitdem ist nichts mehr normal. „Ich habe tierische Angst und ständig Bauchschmerzen“, sagt der 18-Jährige. „Ich schließe alle Türen ab, gucke mich ständig um und schlafe schlecht.“ Die Kriminalpolizei habe ihm geraten, einen Psychologen aufzusuchen, wenn sich die Angstzustände nicht legten. Auch für seine Familie hat die Attacke das Leben verändert. Weil der Lehrter sich nicht mehr alleine aus dem Haus traut und auch nicht mehr mit dem Fahrrad zur Arbeit fährt, müssen Mutter und Vater einspringen und ihn bringen. Auch ein Freund hilft aus. Wenn er sich verfolgt fühle, solle er sofort die Polizei rufen, habe ihm die Kripo geraten. Lieber einmal mehr als einmal zu wenig. Doch Sicherheit gebe ihm das nicht.

Die Geschehnisse werden ihn wohl noch lange verfolgen, sagt der 18-Jährige erstaunlich abgeklärt. „So was verdaut man nicht so schnell.“ Er hoffe jetzt nur, dass sein „Kumpel“ keine Folgeschäden davon trägt und die beiden mutmaßlichen Täter „die richtige Strafe bekommen“. Dass sie schon wieder auf freiem Fuß seien, könne er einfach nicht verstehen.

Von Oliver Kühn

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