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Lehrte 100 Jahre Neuer Friedhof: So hat sich die Bestattungskultur gewandelt
Umland Lehrte

Lehrte: Neuer Friedhof besteht seit 100 Jahren

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17:08 15.11.2019
Gerhard Winter steht vor den Mustergräbern. Erdbestattungen sind allerdings nur noch selten gefragt, der Trend geht zur Urne. Quelle: Katja Eggers
Lehrte

Letzte Ruhestätte, Ort der Trauer und Ergänzung zum Erholungsgebiet Stadtpark und Hohnhorstsee: Der Neue Friedhof Am Stadtpark stellt für Lehrte eine bedeutende Grünanlage dar. Das 9,5 Hektar große, parkähnliche Areal mit mehr als 1200 Bäumen wird nicht nur von den Angehörigen der dort bestatteten Toten, sondern oft auch von Spaziergängern genutzt. In diesem Jahr feiert der Neue Friedhof sein 100-jähriges Bestehen.

Seit der Einweihung des Friedhofs im Jahr 1919 hat sich viel getan. Eigentlich reicht die Geschichte des Neuen Friedhofs aber noch weiter zurück. Schon im Jahr 1913 zeigte sich, dass Lehrtes etwa zwei Hektar großer Alter Friedhof zwischen Feldstraße und Eichenweg aufgrund der wachsenden Einwohnerzahl nicht mehr ausreichte und für Bestattungen dringend eine weitere Fläche benötigt wurde. Der Vorstand der Matthäuskirchengemeinde stellte ein Gelände zur Verfügung, es musste aber erst noch der Bebauungsplan geändert werden.

Kapelle steht unter Denkmalschutz

Umgesetzt werden konnten die Pläne allerdings erst nach dem Ersten Weltkrieg. Die erste Ausschreibung für die Arbeiten zur Errichtung der Anlage erfolgte 1918. Offiziell in Betrieb genommen wurde der Neue Friedhof anlässlich der ersten Beerdigung durch Pastor Adolf Eggers am 25. August 1919. Zwei Jahre später, am 28. März 1921, wurde die Gedenkstätte für die Opfer des Ersten Weltkrieges ihrer Bestimmung übergeben.

Am 9. Februar 1930 weihte Pastor Eggers die achteckige, in Backsteingotik errichtete Friedhofskapelle ein. Das Gebäude wird seitdem für Andachten und Trauerfeiern genutzt, steht heute unter Denkmalschutz und wurde mehrfach renoviert. Die Mittel für den Bau wurden seinerzeit mit der Maßgabe bereitgestellt, dass die Leichenhalle für Anhänger aller Konfessionen zur Verfügung stehen müsse. Zu Trauerfeiern und Beerdigungen erklingt heute allerdings die Trauerglocke der nahe gelegenen Markuskirche. Die rund 20 Kilogramm schwere Bronzeglocke der Friedhofskapelle schlug nur von 1930 bis 1940 – sie musste im Zweiten Weltkrieg an die Metallsammelstelle abgegeben werden.

Der Neue Friedhof ist nicht nur ein Ort der Trauer und die letzte Ruhestätte, sondern auch eine wertvolle Grünanlage.

Pflegeleichte Gräber sind gefragt

Heute steht Lehrtes Neuer Friedhof vor ganz anderen Herausforderungen. „Die Bestattungskultur hat sich in den vergangenen 30 Jahren massiv verändert“, sagt Gerhard Winter, Leiter der Friedhofsverwaltung. Derzeit gebe es auf dem Neuen Friedhof etwa 8000 Grabstätten. Angehörige würden sich heute jedoch kaum noch für eine klassische Erdbestattung im Sarg entscheiden, der Trend gehe zur Feuerbestattung und Urnenbeisetzung. „Der Urnenanteil liegt bei 90 Prozent“, sagt Winter. Als Gründe nennt er einen Wandel der Gesellschaft. „Familienangehörige wohnen heute weiter weg, die Kosten für ein großes Erdgrab sind höher als für ein Urnengrab – der Trend geht daher zu pflegeleichten oder pflegefreien Gräbern“, erklärt Winter.

Baumgräber boomen - an die Verstorbenen erinnern übereinandergelegte Steinquader. Quelle: Katja Eggers

Neben herkömmlichen Wahl-, Reihen- und Urnengräbern bietet der Neue Friedhof seit zwei Jahren auch Gräber unter Bäumen an. Dabei gruppieren sich bis zu 16 Urnen um einen Baum herum. An die Verstorbenen erinnern Steinquader. „Baumgräber boomen seit dem vergangenen Jahr“, betont Winter. Angehörige würden daran die Naturnähe und den waldähnlichen Charakter schätzen, wie es das etwa auf Waldfriedhöfen und in Ruheforsten gibt.

Baumgräber als Alternative zu Waldfriedhöfen

Bestattungen auf Waldfriedhöfen haben zugenommen und stellen für uns eine große Konkurrenz dar“, betont Winter. Mit den Baumgräbern biete man nun eine Alternative an, die gegenüber den Waldfriedhöfen zudem etliche Vorteile habe. „Es ist wichtig, der Trauer einen Ort zu geben, an dem man auch aktive Trauerarbeit leisten kann“, sagt Winter. An Baumgräbern dürfen Trauernde Blumen ablegen, dies sei in Ruheforsten in der Regel nicht gestattet. Anders als ein Waldfriedhof könne der Neue Friedhof wegen seiner befestigten Wege auch von Rollstuhl- oder Rollatorfahrern genutzt werden.

Der Engel aus Stein ist so etwas wie das Symbol des Neuen Friedhofs – die Figur taucht auf Flyern auf und erinnert an ein vierjähriges Kind, das 1920 auf der Schaukel sitzend vom Blitz erschlagen wurde. Quelle: Katja Eggers

Geplant ist zudem ein Bereich für naturnahe Bestattungen. Urnengräber sind dort nicht mehr einem Baum zugeordnet, sondern können auf einer naturbelassenen Fläche angelegt werden. „Der Naturtrend kommt uns hier entgegen“, sagt Winter. Naturnah soll es künftig auch auf dem gesamten Friedhof zugehen. Dafür wurde vor einiger Zeit ein 220 Quadratmeter großer Staudengarten angelegt. „In Zeiten der zunehmenden Steingärten wollen wir damit eine ökologische Nische schaffen und einen Beitrag zum Insektenschutz leisten“, sagt Winter.

Trockene Sommer haben viele Bäume beschädigt

Der Staudengarten ist zudem eine Möglichkeit, um die zunehmenden Freiflächen zu nutzen – sie entstehen, weil es immer weniger Grabstellen und dafür immer mehr kleine Urnengräber gibt. Als Bienenweide dient auf dem Friedhof zudem die große Wiese am Haupteingang. Im Frühjahr blühen dort Tausende von Krokussen. Künftig müssen zudem zahlreiche neue Büsche und Bäume angepflanzt werden. Wegen der großen Dürre der vergangenen zwei Jahre hatte Winter auf dem Neuen Friedhof rund 400 bis 500 beschädigte Bäume fällen lassen.

Gedanken zur Gedenkkultur

Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Neuen Friedhofs in Lehrte widmet sich die Matthäuskirchengemeinde als Träger des Friedhofs am Sonntag, 17. November, dem Thema Gedenkkultur. Dazu stehen ab 17 Uhr in der Kapelle des Neuen Friedhofs Am Stadtpark Musik und Texte auf dem Programm. Es wirken der Lehrter Männerchor sowie Roland Baumgarte am Cello und Janne Klein am Piano mit. Gerhard Winter, Leiter der Friedhofsverwaltung, wird über die Geschichte des Lehrter Friedhofs sprechen. Die Kapelle wird am Volkstrauertag auf besondere Weise illuminiert. Die Besucher können nach der Veranstaltung in Gesprächen das Thema vertiefen und Fingerfood naschen. Der Eintritt ist frei, es wird jedoch um Spenden gebeten.

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Von Katja Eggers

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