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Lehrte Wer wird der neue erste Stadtrat in Lehrte?
Umland Lehrte

Lehrte: Neuer Stadtrat soll nicht nach Parteibuch ausgesucht werden

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14:37 04.08.2020
Uwe Bee kümmert sich auch um die Städtepartnerschaften, hier vor einem Schrank mit Gastgeschenken aus dem französischen Vanves. Quelle: Sandra Köhler (Archiv)
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Lehrte

Der stellvertretende Verwaltungschef Uwe Bee (SPD) geht im nächsten Jahr in den Ruhestand. Die Nachfolge soll aber nicht zum Zankapfel werden: Bürgermeister Frank Prüße (CDU) und die Vorsitzenden der großen Fraktionen im Rat haben verabredet, dass der neue Erste Stadtrat nicht nach parteipolitischen Gesichtspunkten ausgesucht werden soll.

Bee ist seit März 2005 Erster Stadtrat in Lehrte. Seine Amtszeit endet am 28. Februar kommenden Jahres. Spätestens Anfang 2021 soll ein Nachfolger gewählt werden. Um das vorzubereiten, wurde jetzt eine Findungskommission gebildet, die nach Angaben von Prüße am 26. August erstmals zusammenkommen wird, um einen Ausschreibungstext zu erstellen. Ihr gehören neben dem aktuellen Verwaltungsvorstand mit Prüße, Bee und Stadtbaurat Christian Bollwein auch die Fraktionsvorsitzenden Hans-Jürgen Licht und Maren Thomschke (beide SPD), Hans-Joachim Deneke-Jöhrens (CDU) und Ronald Schütz (Grüne) sowie die Gleichstellungsbeauftragte Freya Markowis an.

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Prüße will „reine Bestenauswahl“

„Ich habe mich mit der Politik darauf verständigt, dass es keine politische Besetzung geben soll“, sagt Prüße, der formal das Vorschlagsrecht für den Posten besitzt. Es solle vielmehr „eine reine Bestenauswahl“ geben. Das bestätigt Thomschke: „Wir sind uns einig, dass wir möglichst im Konsens entscheiden“, erklärt die SPD-Fraktionschefin auf Anfrage. Natürlich würde sie sich zwar freuen, wenn ein Sozialdemokrat oder eine der Partei nahe stehende Person die größte Ratsfraktion im Verwaltungsvorstand repräsentieren würde. Aber entscheidend sei die fachliche Kompetenz.

Auf keinen Fall werde man es so machen wie die Genossen in Hannover, versichert Thomschke. Dort hatte die SPD einen Kandidaten für den Posten des Baudezernenten öffentlich präsentiert, bevor dieser sich bei Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) vorgestellt hatte. Onay setzte daraufhin den Rückzug des Bewerbers durch.

Frau auf Wunschliste ganz oben

Wichtig sei dagegen „eine gewisse Affinität“ möglicher Kandidaten gegenüber den wesentlichen Aufgabenfeldern des Ersten Stadtrats wie Bildung und Soziales. Einig sind sich Prüße und Thomschke auch darin, dass sie am liebsten eine Frau auf dem Posten sähen. „Wir haben zu wenig Frauen in Führungspositionen“, moniert der Bürgermeister.

Er wünscht sich möglichst eine Verwaltungsjuristin auf der Position. Formal wäre das zwar im Gegensatz zu früher nicht mehr erforderlich, weil er selbst Jurist ist. Aber er sei kein Spezialist für Verwaltungsrecht. Gerade der Sozialbereich sei jedoch juristisch besonders anspruchsvoll, sagt Prüße.

Welche Kriterien Eingang in die Ausschreibung finden, muss die Findungskommission entscheiden. Der Bürgermeister hofft dabei auf eine Einigung mit den Politikern. „Ich bin nicht an einem streitigen Besetzungsverfahren interessiert“, versichert er. Der Zeitplan sieht eine Ausschreibung im September vor. Die Kommission wird dann eine Vorauswahl treffen. Danach werden sich voraussichtlich mehrere Bewerber in den Fraktionen vorstellen.

Nach den Vorstellungen der Beteiligten benennt dann die Kommission möglichst eine Kandidatin, die der Bürgermeister dem Rat zur Wahl für die nächsten acht Jahre vorschlägt. Ob die Wahl noch vor dem Jahreswechsel stattfinden kann oder erst Anfang 2021, steht nach Prüßes Worten noch nicht fest: „Man muss sehen, wie schnell wir bei der Auswahl vorankommen.“

Von Thomas Böger