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Lehrte Diese Ost-West-Freundschaft währt seit 30 Jahren
Umland Lehrte

Lehrte:  Ost-West-Freundschaft währt seit nunmehr 30 Jahren

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19:30 30.12.2019
Werner Guder (links) und Kurt Görisch schwelgen in Erinnerungen - die gemusterte Trainingsjacke und die rote Lederkrawatte haben beide auch schon 1990 bei ihrem ersten Aufeinandertreffen getragen. Quelle: Katja Eggers
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Sievershausen

"Wir haben uns gesucht und gefunden, eigentlich war es Liebe auf den ersten Blick“, sagt Werner Guder und knufft Kurt Görisch augenzwinkernd in die Seite. Görisch knufft lachend zurück. Die beiden Männer verbindet zwar keine Ehe, aber dennoch eine ganz besondere Beziehung. Denn Guder kommt aus Sievershausen und Görisch aus Lehrtes Partnerstadt Staßfurt. Ihre Freundschaft währt seit fast nunmehr 30 Jahren und damit so lange wie die Partnerschaft ihrer beiden Heimatstädte.

Kennengelernt haben sich „Wessi“ Guder und „Ossi“ Görisch in Lehrte beim Neujahrsempfang der Stadt im Jahr 1990. Im Jahr 1988 hatte der Rat der Stadt den Grundsatzbeschluss gefasst, mit einer Stadt in der DDR eine Städtepartnerschaft einzugehen. Die Ratifizierung des Partnerschaftsvertrages zwischen Lehrte und Staßfurt erfolgte am 25. Oktober 1989 in Lehrte und am 8. Dezember 1989 in Staßfurt. Die Kontakte zwischen beiden Städten beschränken sich in der Regel auf besondere Anlässe wie Stadtfeste und Jubiläen.

Auch die Kinder und Ehefrauen verstehen sich blendend

Guder und Görisch sehen sich öfter – viel öfter. „Wir besuchen uns bestimmt zehnmal im Jahr und telefonieren alle 14 Tage miteinander“, sagt Guder. Weil Görisch in der DDR anfangs noch kein Telefon hatte, ging er dafür immer zum Nachbarn. Mittlerweile feiern die Freunde ihre Geburtstage und auch die ihrer Ehefrauen zusammen, haben sich schon gegenseitig im Krankenhaus und zu Silvester besucht und sind gemeinsam in den Urlaub nach Holland gefahren. Görischs waren bei Guders Silberhochzeit, Guders mittlerweile auch schon bei Görischs diamantener Hochzeit. Auch die Kinder und Ehefrauen verstehen sich blendend.

 „Die Chemie hat von Anfang an gestimmt“, erzählt Görisch schwärmerisch. Vorurteile gegenüber der Bundesrepublik und der DDR haben er und Guder nie gehabt wechselseitig. Dennoch habe man sich am Anfang zaghaft angenähert, das „Du“ kam erst später. „Ich hatte ja zuvor keinerlei Erfahrungen mit Ostdeutschland, und für Kurt war es ja auch der erste Besuch in Westdeutschland“, berichtet Guder.

Staunen über Autoheizung und Ledersitze

Um den Kontakt zur Partnerstadt zu pflegen, waren 1990 etwa 50 Mitglieder aus Staßfurter Vereinen nach Lehrte gekommen. „Bürgermeister Helmut Schmetzko hatte damals alle Lehrter Vereinsvorsitzenden angeschrieben, dass sie einen Staßfurter bei sich aufnehmen sollen – ich kam beim Empfang zu spät, und Kurt war der einzige, der noch keine Bleibe hatte“, erzählt Guder, der seinerzeit Chef des TSV 03 Sievershausen war.

Der Staßfurter Kurt Görisch fuhr Trabbi – das Nummernschild hängt jetzt bei Sievershäuser Werner Guder im Partykeller an der Wand. Quelle: Katja Eggers

Görisch war mit sechs Sangesbrüdern aus dem Staßfurter Männerchor im Kleinbus nach Lehrte gekommen. In Staßfurt fuhr er Trabbi. Guder brauste mit ihm im Ford Cross mit 160 Kilometern pro Stunde über die A2 nach Sievershausen. „Mein Trabbi schaffte gerade mal 100 Stundenkilometer, und plötzlich saß ich auf Ledersitzen und es gab Heizung, sowas kannte ich gar nicht“, erinnert sich Görisch.

Karneval mochten beide

Auf dem Markt bekam er am nächsten Morgen eine ganze Kiste Mandarinen geschenkt. „Das war ebenfalls völliges Neuland“, berichtet Görisch. Schon im Februar besuchte er Guder erneut, diesmal kam Ehefrau Ingrid mit. Guder nahm Kurti, wie er seinen Freund auch gern nennt, überall mit hin. Zur Arbeit in sein Autohaus in Gehrden, zu Vereinssitzungen, zum Stammtisch im Ort. Karneval mochten beide. Guder war lange in Sievershausen Vorsitzender der Karnevalsgesellschaft Sievershausen, Görisch in Staßfurt dreimal Karnevalsprinz.  

Umgekehrt war auch Guder in Staßfurt bald kein Unbekannter mehr. „Die Leute grüßen mich dort heute auf der Straße“, sagt er. Guder ist mittlerweile 75, Kumpel Kurti ist 84 Jahre alt. Ihre besondere Freundschaft wollen der Sievershäuser und der Staßfurter noch sehr lange pflegen.

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