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Lehrte Energiegenossenschaft knackt erstmals die Millionenmarke
Umland Lehrte

Lehrte Sehnde: Energiegenossenschaft macht so viel Umsatz wie noch nie

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15:16 01.07.2019
Die 127 Mitglieder im Versammlungssaal der Volksbank segnen einmütig den Jahresbericht der Energiegenossenschaft ab. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte/Sehnde

Die vor neun Jahren gegründete Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde schwimmt weiter auf einer Erfolgswelle. Im Jahr 2018 hat sie erstmals einen Umsatz von mehr als 1 Million Euro erwirtschaftet. Der Gewinn betrug fast 270 000 Euro. Diese Zahlen hat Geschäftsführer Volker Böckmann am Donnerstagabend bei der Generalversammlung der Genossenschaft im Versammlungssaal der Lehrter Volksbank genant.

Supersommer treibt die Bilanz nach oben

Rund die Hälfte des Gewinns fließt nun in die Rücklagen, der Rest wird als 3-prozentige Dividende an die Anteilseigner ausgeschüttet. Die 127 anwesenden Mitglieder stimmten dem von Böckmann detailliert dargestellten Jahresabschluss sowie der Verwendung des Überschusses einstimmig zu.

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Ein Rekordjahr: Geschäftsführer Volker Böckmann stellt die aktuelle Bilanz der Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde dar. Quelle: Achim Gückel

Ausschlaggebend für den Rekordumsatz von 1.001.000 Euro war der Hitzesommer 2018. Die Sonne schien so lange und so intensiv, dass die von der Energiegenossenschaft betriebenen Photovoltaikanlagen auf Gewerbehallen, Sporthallen und Kitas in Lehrte und Sehnde vier Millionen Kilowatt Strom erzeugen konnten. Das seien 22,5 Prozent mehr als im Jahr zuvor, stellte Böckmann dar: „Und das reicht, um 1000 Haushalte ein Jahr lang mit Strom zu versorgen.“ Dass es trotzdem keine Erhöhung der Dividende gibt, begründete der Geschäftsführer mit den möglichen Schwankungen in Sachen Sonneneinstrahlung. „2017 war ein schlechtes Jahr, auch damals haben wir 3 Prozent Dividende gegeben. Wir wollen das stabil halten“, sagte er.

Mitglieder sind mit Ergebnis zufrieden

Die anwesenden Mitglieder zeigten sich zufrieden mit dem Ergebnis. Die Arbeit des Vorstands wurde gelobt. Böckmann machte indessen deutlich, dass man sich bei der Aufnahme neuer Mitglieder sowie der Aufstockung des Grundkapitals mittlerweile beschränken müsse. Das Interesse an einer Mitgliedschaft sei zwar ungebrochen, die Möglichkeiten, in neue Anlagen zur Gewinnung von Ökostrom zu investieren, seien aber weiterhin gering. Zurzeit hat die Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde 572 Mitglieder, nur 12 mehr als vor einem Jahr.

Wie es mit der Investition in weitere Photovoltaikanlagen weitergehen könne, ließ Böckmann in der Versammlung offen. Man prüfe zwei weitere Vorhaben, sagte er, benannte diese aber nicht konkret. Immerhin habe man zwischen November 2018 und Februar 2019 das Dach der Sporthalle an der Schlesischen Straße mit einer neuen Photovoltaikanlage versehen können. Diese hat einen Nennwert von 202 Kilowatt. Sie kostete 220.000 Euro. „Wir haben die Anlage aus unseren liquiden Mitteln bezahlt“, sagte Böckmann.

Klaus Sidortschuk bald nicht mehr Aufsichtsratsvorsitzender

Für den Aufsichtsrat der Energiegenossenschaft wurde Frank Wersebe, Geschäftsführer der Lehrter Wohnungsbau, einstimmig wiedergewählt. Bürgermeister Klaus Sidortschuk kündigte in der Versammlung an, das Amt des Vorsitzenden im Aufsichtsrat zum 1. November abzugeben. Dann wird er auch den Chefsessel im Rathaus für seinen Nachfolger Frank Prüße räumen.

Wissenschaftlerin lobt die Energiegenossenschaft

Der Kohleausstieg muss kommen, und die Verkehrswende ebenso: Das ist der Tenor des Vortrags, den die Professorin Claudia Kemfert im Anschluss an die Generalversammlung der Energiegenossenschaft gehalten hat. Die renommierte Wissenschaftlerin, die unter anderem am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung als Leiterin der Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt tätig ist, hatte dabei viel Lob für ihre Gastgeber übrig. Die Energiegenossenschaft Lehrte/Sehnde sei eine der bemerkenswertesten und erfolgreichsten Einrichtungen dieser Art in ganz Deutschland.

Kemfert betonte, dass Deutschland über Jahrzehnte hinweg einer der größten Mitverursacher des Klimawandels auf der Erde gewesen sei. Wer den Klimawandel leugne, verhalte sich unverantwortlich, ignorant und wissenschaftsfeindlich. „Wir wissen seit 40 Jahren, dass sich etwas ändern muss. Doch wir brauchen unseren Planeten auf“, sagte Kemfert und plädierte insbesondere für den Ausstieg aus der Kohleverbrennung. Denn Kohle sei „die klimafeindlichste Ressource“.

Ein enormes Problem stelle aber auch der Verkehrssektor dar, auf dem seit 20 Jahren effektiv wenig in Sachen Verminderung des Schadstoffausstoßes geschehen sei und bei dem es ein „Politikversagen seit 40 Jahren“ gebe. Kemfert plädierte nicht nur für eine Bündelung des Verkehrs sowie einen Ausbau des öffentlichen Personennahverkehrs, sondern auch für einen Verzicht auf „überdimensionierte“ Fahrzeuge, die allein durch ihr Gewicht und ihre Dimensionen jeden Fortschritt in der Technik und in Sachen Treibstoffersparnis wieder zunichte machten.

Von Achim Gückel