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Umland Lehrte Nachrichten Abschied von einem großen Gestalter
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18:21 05.11.2015
Von Achim Gückel
Die kleine Kapelle auf dem alten Friedhof bietet längst nicht allen Trauergästen Platz. Viele hören die Reden via Lautsprecher. Quelle: Achim Gückel
Lehrte

Mehrere Redner würdigten das nachhaltige Wirken Rückerts und lobten dessen Fleiß, Sachlichkeit, soziales Engagement und aufrichtigen Charakter. Es gibt sicher nicht viele Menschen, die an der Gestaltung des modernen Lehrte so großen Anteil hatten wie er. Während Siegfried Rückerts Amtszeit als Stadtdirektor (1992 bis 2001) veränderte sich die Stadt an vielen Stellen. Die Ansiedlung von Firmen mit vielen Arbeitsplätzen, ein Wachstum der Kernstadt durch Neubaugebiete: All das fiel in seine Amtszeit.

Und all das managte Rückert gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister Helmut Schmezko zielgerichtet, hingebungsvoll und pragmatisch. Rückert und der bereits im Juni 2013 verstorbene Schmezko, das sei ein „Dreamteam“ für Lehrte gewesen, sagte Lehrtes aktueller Bürgermeister Klaus Sidortschuk in seiner Trauerrede gestern Mittag.

Sidortschuk würdigte das Lebenswerk Rückerts. Der Verstorbene habe sich stets in den Dienst der Allgemeinheit gestellt und dabei eine steile Karriere hingelegt: Vom Flüchtlingsjungen zum Auszubildenden bei der Stadt (1961) bis hin zu einer respektierten und beliebten Führungsperson. Rückert habe bei allem Fleiß und aller Hingabe an seinen Beruf stets eine „sympathische Erscheinung mit aufrichtigem Charakter“ verkörpert, sagte Sidortschuk. Rückert sei „immer auch ein Mensch geblieben“.

Pastorin Gesa Steingräber-Broder hatte zuvor einen Spruch aus der Bibel zitiert, den nach ihren Worten auch Rückert gern genutzt hat: „Alles hat seine Zeit.“ Rückert sei ein Mann gewesen, der das Leben stets so nahm, wie es war. Die Pastorin hob auch Rückerts „soziales Engagement bis zum Schluss“ hervor. Noch als er schon schwer erkrankt war, gab er Flüchtlingskindern in Lehrte Deutschunterricht.

„Er zog sich nicht zurück. Er hat unser Motto ,We serve‘ gelebt“, betonte auch Michael Schlossarek, Präsident des Lions Clubs in Lehrte, dessen Gründung Rückert wesentlich vorangetrieben hatte.

Und schließlich skizzierte während der Trauerfeier noch ein persönlicher Freund das Wesen des Verstorbenen: der frühere FDP-Ratsherr Karl Nispel aus Hämelerwald, der mit Rückert seit 1995 regelmäßig Skat spielte und diesen „unseren Freund Siegfried“ nannte. Man müsse Hochachtung und Dankbarkeit vor der Lebensleistung Rückerts haben, sagte Nispel. Jetzt, nach dem Tod des einstigen Stadtdirektors, habe man das Gefühl, „dass da jetzt jemand fehlt“.

Sidortschuk drückte es ähnlich aus: „Wir nehmen Abschied von einem von uns.“

In Lehrte fühlte er sich mit offenen Armen angenommen

Siegfried Rückert stammte aus Schlesien. 1938 in Gaablau geboren, erlebte er nach dem Zweiten Weltkrieg als kleiner Junge die Flucht, wuchs dann in Bremen auf und zog erst Anfang der Sechzigerjahre nach Lehrte. Doch in dieser Stadt habe er sich mit seiner Familie sofort mit offenen Armen angenommen gefühlt. So skizzierte es gestern Pastorin Gesa Steingräber-Broder in ihrer Trauerrede. Rückert sei stets ein Mann gewesen, der etwas erreichen und bewirken wollte. So lese sich auch seine berufliche Vita. Im Januar 1963 trat Rückert in den Dienst der Stadtverwaltung ein, wurde bereits 1970 Leiter des Personalamts, ab 1974 dann Chef der Kämmerei und ab 1980 Stadtrat und zugleich allgemeiner Vertreter des Stadtdirektors.

1992 rückte er schließlich an die Spitze der Stadtverwaltung, wo er bis zum Ende seines Berufslebens im Jahr 2001 blieb. Ihm folgte Jutta Voß als erste sogenannte eingleisige Bürgermeisterin der Stadt Lehrte. Mehr Zeit für seine Hobbys fand Rückert, Vater von zwei Söhnen und Opa von fünf Enkelkindern, erst im Ruhestand. Er war nicht nur ein passionierter Pilzsammler, sondern auch ein guter Skat- und Schachspieler, pflegte gern seinen Garten und mochte es auch, sich an den Herd zu stellen und zu kochen.

Die Stadt Lehrte ächzt immer mehr unter der Last der ihr zugeteilten Flüchtlinge. Bis Ende Januar sei die Unterbringung der Menschen in Wohnungen und den geplanten Sammelunterkünften wohl machbar, heißt es. Was danach passiert, ist noch ungewiss.

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