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18:03 08.10.2014
Von Achim Gückel
Teil eines Denkmals: Die mehr als 100 Jahre alte Kanone am Aligser Ehrenmal wird nicht verliehen.
Teil eines Denkmals: Die mehr als 100 Jahre alte Kanone am Aligser Ehrenmal wird nicht verliehen. Quelle: Achim Gückel
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Aligses Ortsbürgermeister Frank Seger ist mit viel Humor gesegnet: „Wir lassen die Kanone im Dorf“, sagte er verschmitzt, als am Dienstagabend nach längerer Debatte im Ortsrat eine Entscheidung gefallen war. Die Feldkanone aus dem Kaiserreich werde nicht zu Schauzwecken verliehen, es gebe also keine „Aligser Waffenlieferung in ein Nichtkrisengebiet“.

Die ungewöhnliche Anfrage, die Kanone als Leihgabe zu vergeben, hatte Seger im April erreicht. Sie stammte von Horst Regenthal, der für das Stadtmuseum in Burgdorf regelmäßig Ausstellungen gestaltet. Das Geschütz - Baujahr 1905 und Kaliber 7,7 - könne der Blickfang einer Ausstellung über den Ersten Weltkrieg sein, argumentierte der Steinwedeler.

Die CDU im Aligser Ortsrat reagierte sofort skeptisch, die SPD wollte Regenthals Ausstellungskonzept zumindest näher kennen lernen. Das sollte am Dienstagabend geschehen. Doch Regenthal erschien nicht. Dass er es geschafft hätte, die Aligser umzustimmen, erscheint aber ohnehin fraglich. Ein Vertreter der sogenannten Kanonentruppe - eine Gruppe von Männern, welche die Feldkanone restauriert hat - erteilte Regenthals Idee eine klare Absage: „Die steht da, und da soll sie bleiben“.

Seger betonte, dass die Kanone an einem „ausgesuchten Standort“ stehe. Das ehemalige Kriegsgerät sei durch seine Platzierung am Ehrenmal zum Teil eines Denkmals geworden und „verwoben in die Symbolik des Orts“. Seger gab auch zu Bedenken, dass der Ortsrat möglicherweise Probleme bekommen könnte, wenn er die Kanone nach Burgdorf verleihe: „Wie sollen wir dann weitere Anfragen zur Ausleihe beantworten?“ Gleichwohl könne man der Ausstellung in Burgdorf gutes Bildmaterial zur Verfügung stellen.

Aligses Ehrenortsbürgermeister Norwin Schellin erinnerte daran, dass der Transport des Feldgeschützes einen enormen Aufwand bedeuten würde. Außerdem müsse das fast 110 Jahre alte Stück dann versichert werden.

Die Kanone gehört schon seit Jahrzehnten zum Aligser Dorfbild. Seit den fünfziger Jahren hat sie ihren Platz am Ehrenmal neben dem Dorfteich. Doch schon vor dem Zweiten Weltkrieg soll sie an anderer Stelle im Ort gestanden haben. Wie das Geschütz ins Dorf kam, ist Stoff für Legenden. Eine davon besagt, dass der Bauer und Bürgermeister Artur Buchholz sie kurz nach dem Ersten Weltkrieg gekauft und dann in seine Scheune geschoben habe. Eine andere erzählt von der Dorfjugend, die die Kanone nach einem Manöver und einem anschließenden Trinkgelage mit Soldaten im Sommer 1914 gestohlen haben soll.

Achim Gückel 07.10.2014