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Nachrichten Aligser wehren sich gegen Aldi-Logistiklager
Umland Lehrte Nachrichten Aligser wehren sich gegen Aldi-Logistiklager
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00:16 21.07.2017
Von Achim Gückel
Auf dieser etwa 175.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen der Autobahn 2 und dem Gewerbegebiet Mergelfeld will Aldi Nord sein neues Logistiklager errichten.
Auf dieser etwa 175.000 Quadratmeter großen Fläche zwischen der Autobahn 2 und dem Gewerbegebiet Mergelfeld will Aldi Nord sein neues Logistiklager errichten. Quelle: Hiller
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Aligse

Im März vergangenen Jahres hatte Aldi Nord erstmals Pläne für das Logistikzentrum auf einer Fläche von 175.000 Quadratmetern zwischen dem Zubringer zur A 2 und dem Gewerbegebiet Mergelfeld vorgestellt. Sie sehen eine Halle mit 80.000 Quadratmeter Grundfläche vor, welche als Ersatz für das alte und zu kleine Logistiklager an der Gewerbestraße in Sieverhausen dienen soll. Bisher hatte es in der Lehrter Politik viel Zustimmung zu dem Großprojekt gegeben. Es halte Arbeitsplätze in der Stadt und sichere Steuereinnahmen, hieß es.

Jetzt melden sich die Kritiker umso deutlicher zu Wort. Seit gut einer Woche liegen Unterschriftenlisten in den Läden in Aligse aus. "Wir wollen kein Aldi-Logistikzentrum", lautet der Tenor der Bürgerinitiative, für die Doris Rohjans verantwortlich zeichnet. Etwa 250 Bürger haben die Listen bereits unterschrieben, also nahezu jeder sechste Bürger der Ortschaft.

Ortsbürgermeister Frank Seger (SPD) begrüßt die Initiative gegen das Aldi-Logistiklager ausdrücklich. Er hatte schon im vergangenen Jahr gewarnt, dass der riesige Bau nicht gut für das Dorf sei, das Ortsbild zerstöre sowie mehr Verkehr und Lärm bringe. Jetzt äußert Seger sogar massive Zweifel daran, dass der Bau des Logistiklagers technisch und rechtlich überhaupt möglich ist. Er stützt sich dabei auf eine Expertise einer Kanzlei für Steuerberatung, Wirtschaftsprüfung und Rechtsfragen aus Hannover. Diese hat ihre Einwendungen gegen den Bebauungsplan für das Aldi-Projekt jetzt in einer siebenseitigen Stellungnahme formuliert und offiziell eingereicht.

In dem Papier ist unter anderem davon die Rede, dass ein Gewerbegebiet zum Industriegebiet umgewidmet werden solle, in dem rein rechtlich 24 Stunden pro Tag und an sieben Tagen in der Woche gearbeitet und erheblicher Lärm gemacht werden dürfe. "Während der mehrjährigen Bauphase wird gewiss niemand von uns Aligsern in seinem Garten oder auf dem Balkon sitzen wollen. Nach der Bauphase vermutlich auch nicht", meint Seger. Der Ortsbürgermeister spricht außerdem von einer Höhe der Halle von 17,5 Metern, also 2,50 Meter Höher als der Steinwedeler Kirchturm. Fachleute schätzten die Investitionssumme für das Aldi-Projekt auf 140 Millionen Euro, sagt er. Das Unternehmen selbst hatte bisher keine Summe genannt.

Seger meint auch, dass die Expertise der Kanzlei etliche Mängel und Ungereimtheiten der Aldi-Planungen und -Gutachten offenlegt. Aldi werde zum Beispiel mit 1000 Fahrzeugbewegungen pro Tag Lärm verursachen. Die Prognose des Unternehmens mit 400 Bewegungen pro Tag rechne Rangier- und Parkvorgänge nicht ein und lasse auch ein neues Belieferungskonzept außer Acht, wonach die Lastwagen im Hinblick auf die Auslieferung von frischem Obst und Gemüse "zum größten Teil dreimal täglich zum Beladen fahren". Seger meint auch, dass das Aldi-Projekt nicht nachhaltig ist. Er glaubt den Ansagen nicht, das Logistiklager werde über etliche Jahrzehnte seinen Dienst tun. Anderswo in Deutschland habe Aldi solche Lager schon nach 15 oder 20 Jahren wieder geschlossen, weil größere benötigt würden.

Darüber hinaus habe Aldi zwar selbst schon festgestellt, dass die erlaubten Höchstgrenzen für Lärm für das angrenzende Wohngebiet nicht eingehalten würden, für die notwendigen Schutzmaßnahmen fehle aber der Platz. "Das allein ist schon ein baurechtliches Bubenstück hoch drei", meint Seger. Der Ortsbürgermeister zweifelt auf der Basis der Expertise auch jene Zahlen an, die Aldi bisher für zusätzliche Lastwagen auf der Ortsdurchfahrt genannt hat. Ein Gutachten über Emissionen von Feinpartikeln durch die Aldi-Lastwagen fehle ebenfalls. Und die Stadt nehme Gesundheitsgefährdungen durch die durchfahrenden Lastwagen offenbar in Kauf. "Warum tut uns die Stadt das an?", fragt Seger.

Die Frist für Stellungnahmen zum Aldi-Bebauungsplanverfahren ist mittlerweile abgelaufen. Jetzt läuft die Prüfung der eingegangenen Anregungen und Einwendungen, aus denen die Stadtverwaltung dann eine Vorlage zur politischen Beratung formulieren wird. Diese würde dann im Herbst beginnen, sagt Stadtsprecherin Nele Domin.

Eine offizielle Stellungnahme von Aldi Nord zu den Protesten aus Aligse gibt es bislang trotz Nachfrage nicht.