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18:55 22.02.2016
Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Sarah Keuffel verteilt Informationsmaterial mit Schokoladenherzen.Eggers
Aktionswoche für Kinder aus suchtbelasteten Familien: Sarah Keuffel verteilt Informationsmaterial mit Schokoladenherzen.Eggers Quelle: Katja Eggers
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Lehrte

Mit Schokoherzen und Infobroschüren: Die Fachstelle für Sucht und Suchtprävention (Drobel) hat in den vergangenen Tagen auf ein Thema aufmerksam gemacht, das in der Öffentlichkeit bisher eher im Hintergrund steht: auf Kinder aus sogenannten suchtbelasteten Familien.

Gemeint sind Mädchen und Jungen, die mit suchtkranken Eltern unter einem Dach leben. In Deutschland sind das derzeit etwa 2,6 Millionen Kinder. Wie viele in Lehrte betroffen sind, sei schwierig zu sagen. „Wenn man nach dem Bundesdurchschnitt geht, ist es jedes sechste Kind in einer Kindergartengruppe oder einer Schulklasse“, sagt Drobel-Leiter Thomas Tschirner. Die Dunkelziffer sei sehr hoch. „Und die Droge Nummer 1 ist Alkohol“, sagt Tschirner.

Mindestens ein- oder zweimal im Monat telefoniert er mit dem Jugendamt, weil suchtkranke Eltern mit ihren Kindern in der „Szene“ aufgetaucht sind.

Auf Kinder aus Suchtfamilien machte die Drobel während einer deutschlandweiten Aktionswoche aufmerksam. Ziel war zudem, die Werbetrommel für eine neue Fortbildung zu rühren. Denn die Drobel bietet erstmals Schulungen für Lehrer, Erzieher und Pädagogen an, die künftig als Multiplikatoren Kinder aus Suchtfamilien unterstützen wollen. Bei der Schulung sollen unter anderem Elterngespräche und der Umgang mit den betroffenen Kindern geübt werden.

„Viele der Kinder leiden unter der Situation zu Hause und sind verhaltensauffällig, aber wenn man sie frühzeitig auffängt, kann man großen positiven Einfluss auf ihr Leben nehmen“, sagt Sozialarbeiterin Sarah Keuffel von der Drobel.

Damit sie im Unterricht oder in der Kita nicht als Störkinder im Abseits stehen, müsse klargemacht werden, welche Rolle die Kinder in ihrer Familie spielen. „Sie müssen meist früh Verantwortung übernehmen und für ihre Eltern lügen - etwa wenn die betrunken in der Ecke liegen und nichts mehr geregelt kriegen“, sagt Tschirner. Von allein würden die Eltern nur selten Hilfe suchen. „Viele verheimlichen ihre Sucht, weil sie sich schämen“, sagt Tschirner. Von Katja Eggers