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Umland Lehrte Nachrichten Gedenkstein in Richtersdorf zieht um
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00:21 17.05.2018
Steht einem Neubau im Weg: Das Kriegerdenkmal in Richtersdorf wird um rund 100 Meter versetzt. Quelle: Achim Gückel
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Lehrte

 Ein Denkmal muss umziehen: Wenn die DB Netz AG demnächst in Richtersdorf ein neues Betriebsgebäude für rund 60 Mitarbeiter errichtet, steht dort ein Gedenkstein im Weg. Er erinnert an im Ersten Weltkrieg getötete Soldaten und soll rund 100 Meter vom künftigen Baugrund neu aufgestellt werden. Das ist jetzt in einer Sitzung des Bauausschusses angekündigt worden.

Mitarbeiter der DB Netz AG erläuterten den Poltikern das Bauvorhaben. Der Neubau, der laut Bahn einen „unteren einstelligen Millionenbetrag“ kosten wird, soll im Jahr 2020 fertig sein. In ihm werden 60 Mitarbeiter unterkommen, die zurzeit noch an drei Standorten im Stadtgebiet untergebracht sind, unter anderem in einem sanierungsbedürftigen, angemieteten Gebäude an der Bahnhofstraße sowie im Stellwerk am Ziegenbocksweg. In Letzteren werde durch den Auszug der bisher dort untergebrachten Mitarbeiter neuer Platz für Aufgaben im Zusammenhang mit dem Betrieb des Megahub geschaffen, hieß es im Ausschuss. Für das Containerterminal wird am Dienstag der erste Spatenstich gesetzt, Ende 2019 soll es schon in betrieb gehen.

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Das neue Betriebgebäude der DB netz soll auf dem Gelände der früheren Löschteiche in Richtersdorf errichtet und zweigeschossig werden. „Oben entstehen Büros, unten ist Platz für das technische Personal“, teilte ein Sprecher im Ausschuss mit.

Der Ausgang des Richtersdorftunnels: Auf diese Grünfläche soll das Denkmal versetzt werden. Quelle: Achim Gückel

Das Denkmal werde man versetzen, versprach er. Und zwar auf eine Grünfläche am nördlichen Ausgang des Richtersdorftunnels. Man werde den Gedenkstein dort im alten Zustand neu aufstellen und möglicherweise auch das gesamte Ensemble samt der Inschriften aufarbeiten. Letzteres hatte Lehrtes stellvertretender Bürgermeister Burkhard Hoppe (SPD) angeregt. Denn tatsächlich sind die auf dem Stein aufgebrachten Namen der getöteten Soldaten teils unvollständig, teils unleserlich. Christoph Lokotsch wünschte sich zudem eine zusätzliche Tafel an dem Denkmal, die eine geschichtliche Einordnung gibt. Der Gedenkstein könne dadurch zu einem „Mahnnmal gegen den Krieg“ werden, sagte er.

Das Bauvorhaben selbst stieß bei den Baupolitikern auf breite Zustimmung. „An der Ecke kann es eigentlich nur besser werden“, sagte Ekkehard Bock-Wegener (SPD). Das Richtersdorfgelände erfahre durch das Betriebsgebäude eine Aufwertung, die soziale Kontolle an diesem abgelegenen Winkel Lehrtes werde erhöht. Es sei wichtig, dort „so viel wie möglich schön zu gestalten“. Kritik äußerte allein Ronald Schütz (Grüne) dem der schmuck- und etwas farblose Entwurf der Neubaufassade „ein bischen wie aus der Dampflokzeit“ vorkommt.

Ein Fall für die Abrissbirne: Die alte Bundesbahnkantine in Richtersdorf ist nicht mehr zu sanieren. Quelle: Achim Gückel

Horst-Günter Gnest (CDU) sagte indes, es sei „toll“, dass sich mal jemand um Richtersdorf kümmere, fragte aber auch, was aus der alten, mittlerweile baufälligen Bundesbahnkantine schräg gegenüber der avisierten Baufläche werde. Diese sei „technisch abgängig und nicht mehr zu modernisieren“, sagte eine Sprecherin der DB Netz AG. Sie gehöre allerings einer anderen Bahn-Tochter, der DB Immobilien. Ein Abriss des Gebäudes sei derzeit aber nicht angestrebt.

Von Achim Gückel