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Umland Lehrte Nachrichten Kleingartenkolonie soll zu Wohngebiet werden
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00:16 24.09.2016
Kleingärtner Oliver Rehse (links) hat in eineinhalb Jahren 7000 Euro in seine Parzelle gesteckt und fühlt sich von den Bauplänen überrumpelt. Für Gartenkollege Werner Matthey (74) kommt eine Umsiedlung nicht mehr in Frage.
Kleingärtner Oliver Rehse (links) hat in eineinhalb Jahren 7000 Euro in seine Parzelle gesteckt und fühlt sich von den Bauplänen überrumpelt. Für Gartenkollege Werner Matthey (74) kommt eine Umsiedlung nicht mehr in Frage. Quelle: Oliver Kühn
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Lehrte

Das Vorhaben geht auf das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) zurück, mit dem neues Wohnbauland entwickelt werden soll - vor allem in der Kernstadt und mit Blick auf einkommensschwache Haushalte. Das rund 56.000 Quadratmeter große Areal an der Manskestraße gilt dabei als Sahnestück. "Für die Stadt ist das ideal, aber eine grüne Lunge geht verloren", urteilt Peter Heinze vom Bezirksverband der Kleingärtner. Er vermutet, dass erst durch die Sanierung der Manskestraße Bewegung in die ganze Sache gekommen sei, weil die sechs Grundstückseigentümer der Kolonie Feierabend durch einen Verkauf Anliegerkosten sparen wollen.

Pächter Oliver Rehse dagegen ist sprachlos. Als er seinen Garten im vergangenen Jahr erworben hat, sei im Verein von einer Bebauung noch keine Rede gewesen. Inzwischen habe er 7000 Euro in seine Parzelle investiert. "Hätte ich das vorher gewusst, hätte ich sie nicht genommen", resümiert der 46-Jährige. Er sei gespannt, was die Stadt den Pächtern anbiete.

Darüber macht sich Bezirksverbandschef Heinze keine Sorgen. "Die Gespräche mit der Stadt sind sehr fair verlaufen." Sie wolle eine neue Fläche anbieten und habe auch Entschädigungen in Aussicht gestellt. Wie viele von den 107 Pächtern tatsächlich umziehen werden, sei noch unklar.

Bürgermeister Klaus Sidortschuk betont, dass das Verfahren für einen Bebauungsplan gerade erst beginne und mindestens ein Jahr dauere - und dabei auch geprüft werde, ob an der Manskestraße überhaupt gebaut wird. Alle Vorgaben aus dem Bundeskleingartengesetz würden dabei beachtet. Dies habe er dem Feierabend-Vorstand bereits vor geraumer Zeit mitgeteilt - offenbar ist diese Information aber nicht bei den Pächtern angekommen. Dass das Verfahren erst nach der Kommunalwahl bekannt wurde, wie von Pächtern moniert, sei "Zufall": Die Flächensuche und die Gespräche mit Eigentümern hätten viel Zeit in Anspruch genommen.

Von Oliver Kühn