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Nachrichten Feuerwache: Entscheidung ist vertagt
Umland Lehrte Nachrichten Feuerwache: Entscheidung ist vertagt
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19:12 14.10.2014
Von Achim Gückel
Zu eng, zu flach: Die alte Fahrzeughalle der Lehrter Ortsfeuerwehr hält künftigen Anforderungen nicht stand. Ob die Stadt neu baut, ist jedoch noch nicht entschieden. Quelle: Gerko Naumann
Lehrte

Es geschieht nicht oft, dass Bau- und Finanzausschuss gemeinsam tagen und einen derartigen Publikumsandrang erleben. Fast 100 Zuhörer waren am Montagabend im Kurt-Hirschfeld-Forum zur dreistündigen Anhörung zum Thema neue Feuerwache erschienen – darunter viele Feuerwehrleute.

Politiker und Gäste hörten dabei Vorträge von mehreren Experten und gingen mit klaren Erkenntnissen nach Hause: Am Bau einer neuen Feuerwache scheint kein Weg vorbei zu führen. Als Gelände kommt dafür wohl nur die bereits genutzte Fläche an der Schützenstraße in Frage. Über kurz oder lang braucht Lehrte hauptamtliche Kräfte, um die Pflichtaufgaben des Brandschutzes erfüllen zu können. Die Ehrenamtlichen in den Feuerwehren werden aber auch auf lange Sicht die tragenden Säulen im Brandschutz bleiben.

Bürgermeister Klaus Sidortschuk hatte gleich zu Beginn der Anhörung deutlich gemacht, welche Tragweite die Entscheidung der Politiker hat. Es gehe um geschätzte 19 Millionen Euro – 15,6 davon für die Feuerwache, der Rest für den Bauhof. Das sei „unglaublich viel Geld“. Die Finanzierung werde Lehrtes Gesamtverschuldung innerhalb weniger Jahre verdoppeln.

Laut Karsten Göwecke, stellvertretender Branddirektor Berlins, geht jedoch nichts daran vorbei, dass Lehrte aktiv werden muss. Er hatte unlängst eine Expertise zu dem Thema Brandschutz in Lehrte angefertigt. Deren wichtigstes Ergebnis: Weil viele Lehrter Feuerwehrleute außerhalb der Stadt arbeiten, ist die sogenannte Alarmsicherheit am Tag nicht gewährleistet. Lehrte brauche „hauptamtliche Kräfte, um Defizite auszugleichen und eine Stadtfeuerwache“.

Hanko Thies, Branddirektor bei der Polizeidirektion Hannover, wies unter anderem auf sinkende Mitglieder- und steigende Einsatzzahlen bei den Feuerwehren hin: „Die Anforderungen steigen, die Einsätze werden schwieriger.“ Lehrte habe das begriffen und mache sich niedersachsenweit als eine der ersten Kommunen dieser Größe tiefgreifende Gedanken über die Zukunft ihrer Feuerwehr.

Lehrtes Stadtbrandmeister Jörg Posenauer betonte schließlich, dass Lehrtes Feuerwehren mit knapp 400 Aktiven theoretisch voll einsatzbereit sind – allerdings nicht tagsüber.

SPD-Fraktionschef Bodo Wiechmann, Mehrheitsführer im Rat, sagte schließlich, die Anhörung habe viele Fragen beantwortet. Angesichts der Summe von 19 Millionen Euro werde aber der Ausgang der jetzigen Debatte „Lehrte auf Jahrzehnte prägen“. CDU-Fraktionschef Hans-Joachim Deneke-Jöhrens schloss sich Wiechmanns Meinung an: Nichts überstürzen, weiter beraten und erst dann entscheiden. Das wird der Rat frühestens am 19. November tun.

Warum an der Schützenstraße? Warum so teuer? Besser anderswo bauen? – Acht Fragen und Antworten

Wieso braucht Lehrte eine neue Feuerwache?

Die Fahrzeughallen aus den achtziger Jahren an der Schützenstraße entsprechen nicht mehr dem modernen Standard. Sie sind zu flach und zu eng. Feuerwehrfahrzeuge der nächsten Generation würden dort nur noch fünf Zentimeter Luft nach oben haben. Das reicht nicht. Es fehlt auch an Platz für Wartungs- und Reparaturdienste. Und wenn noch eine Stadtfeuerwache als Zentrale für hauptamtliche Kräfte geschaffen werden soll, geht nichts an einem Neubau vorbei, sagen die Experten. Und die Stadtfeuerwache müsse sein, um die Pflichtaufgaben des Brandschutzes auf lange Sicht erledigen zu können.

Wo soll der Neubau hin?

Die Stadt und Architekt Wolfgang Richter aus Laatzen haben lange nach einem Standort gesucht. Sie fanden im Gebiet der Kernstadt keinen, der groß genug und verfügbar wäre sowie alle Anforderungen erfüllen könnte. Unter anderem muss der Standort so beschaffen sein, dass die Feuerwehr von ihm aus innerhalb von acht Minuten an jedem Einsatzort sein kann. Das geht nicht von der Westtangente und auch nicht vom Gewerbegebiet bei Aligse aus, wo es noch Freiflächen gibt. Auch die Brache neben dem Obi-Markt scheidet aus. Die ist zwar groß genug, aber ungünstig geschnitten. Alles spricht für einen Neubau an alter Stelle.

Passt die neue Feuerwache dort überhaupt hin?

Nur dann, wenn weitere Flächen hinzugenommen werden. Diese liegen nordwestlich des bisherigen Feuerwehrgeländes und nördlich des Jugendzentrums Juno.

Der Baubetriebshof der Stadt ist quasi in die Feuerwehr verflochten. Was passiert mit ihm?

Er soll an der Schützenstraße bleiben, künftig aber strenger von der Feuerwehr getrennt werden. Dafür sind Abrisse und Neubauten nötig, etwa der alten Fahrzeughalle der Feuerwehr. Von den kalkulierten 19 Millionen Euro Gesamtkosten entfallen 3,4 Millionen auf den Umbau des Bauhofs.

Es lagen mehrere Varianten für den Neubau vor. Warum?

Weil das zur Verfügung stehende Gelände zwischen Schützenstraße und Aligser Weg einen schwierigen Grundriss mit vielen Ecken und Kanten hat. In einer Variante reichten die Freiflächen zum Rangieren nicht aus, in einer anderen kamen sich Feuerwehr und Bauhof in die Quere. Um den Verkehrsfluss zu entzerren und die Flaschenhals-Zufahrt an der Schützenstraße zu entlasten soll die neue Feuerwache auch eine zweite Abfahrt bekommen – zum Aligser Weg hin.

Welche Tücken hat das Gelände noch?

Einen Geländebruch, also eine Unebenheit. Für den Bau der Feuerwache müssen Aufschüttungen vorgenommen werden. Eine Bodenuntersuchung, etwa nach Altlasten oder Blindgängern, wird es aber erst geben, wenn exakte Baupläne vorliegen.

Wie sieht der Neubau aus?

Die favorisierte Variante sieht einen Neubau nordwestlich der bisherigen Feuerwache vor, dessen Fahrzeug- und Werkhallen sich mit den Rückseiten an die Grundstücke des Wohngebiets Am Wacholder schmiegen. Das wäre dann eine Art Lärmschutz zu den Häusern. Ohnehin wird der Lärmschutz in den Detailplanungen noch ein kompliziertes Thema werden.

Wäre es dann nicht doch besser, anderswo zu bauen?

Die Fachleute sagen Nein. Sie wollen Feuerwehr und Bauhof auch künftig beieinander haben. Das verspricht Wechselwirkungen – etwa bei der Fahrzeugwartung oder beim künftigen hauptamtlichen Feuerwehrpersonal. Die Einrichtungen auseinander zu reißen wäre fatal, heißt es. Beide Neubauten auf die grüne Wiese zu setzen, sei sogar noch teurer als 19 Millionen Euro – und dann würden an der Schützenstraße mehrere ungenutzte Gebäude herumstehen, die eigentlich noch bestens in Schuss sind – etwa das Bürogebäude des Betriebshofs.

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