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00:16 03.10.2015
Ankunft in Deutschland: Vorwiegend syrische Flüchtlinge kommen in Lehrte an.
Ankunft in Deutschland: Vorwiegend syrische Flüchtlinge kommen in Lehrte an. Quelle: Hagemann
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Lehrte

„Gefühlt“ die ganze Stadtverwaltung war nach Aussage von Lehrtes Bürgermeister Klaus Sidortschuk im Einsatz. „Ein reibungsloser Ablauf hat für uns oberste Priorität“, sagte er. Und der gelang, nachdem der Sonderzug aus Passau gegen 8.45 Uhr mit den vorwiegend syrischen Flüchtlingen auf Gleis 13 des Bahnhofs angekommen war.

Am Bahnhof Lehrte sind 450 Flüchtlinge aus Syrien angekommen. Sie werden noch im Laufe des Tages auf die fünf norddeutschen Bundesländer verteilt.

Von dort aus geleiteten Helfer des DRK, der Bundeswehr, des THW und der Polizei die Kinder, Frauen und Männer über die Poststraße zur Sporthalle an der Friedrichstraße. Allein aus dem Brandabschnitt 4 der Feuerwehren Lehrte, Sehnde, Uetze und Burgdorf waren 68 Mitglieder im Einsatz, wie Abschnittsleiter Detlef Hilger sagte.

„Eigens für den Weg zur Sporthalle haben wir am Morgen ein Seitentor geöffnet, das den direkten Zugang zur Poststraße bietet“, sagte Sidortschuk und fügte hinzu, dass dafür noch schnell die Hecke geschnitten worden sei. Damit habe die Stadt verhindert, dass die vielen Menschen durch den engen Bahnhofstunnel gehen mussten.

Die insgesamt 186 Helfer waren indes unter der Regie von Jörn Engel, Technischer Einsatzleiter der Region, zum Teil seit 4 Uhr am Schützenplatz im Dauerstress gewesen. Dort trafen am Morgen auch elf Busse ein, die die Flüchtlinge in mehrere Unterkünfte in Norddeutschland brachten. Der erste startete gegen 10 Uhr mit dem Fahrziel Bremen, der letzte verließ Lehrte gegen 11 Uhr. Einige junge Männer machten sich aber auch auf eigene Faust auf die Weiterreise.

Zwischenzeitlich hatte die Sporthalle an der Friedrichstraße als Sammelstelle für die Flüchtlinge gedient. Dort kümmerten sich Dolmetscher, Notärzte, Helfer vom DRK und Freiwillige um die rund 450 Menschen – von denen viele nach einer kurzen Verschnaufpause gleich in die nächsten Busse stiegen, zumeist mit dem Wunsch nach einer Bleibe in einer Großstadt oder einem skandinavischen Land. Als Ansprechpartner für die Helfer standen auch Rita Klindworth und Wolfgang Lütge als Notfallseelsorger zur Verfügung.

Sidortschuk betonte gestern, dass für die Vorbereitung der gesamten Aktion gerade mal 36 Stunden Vorlauf zur Verfügung standen und sprach von einer „logistischen Herausforderung“. Zunächst sei auch von zwei Sonderzügen mit 2000 Flüchtlingen die Rede gewesen. Diese Zahl sei aber von den zuständigen Behörden nach unten korrigiert worden. Für Sonnabend sei nun erneut die Ankunft zweier weiterer Züge mit 2000 Flüchtlingen in Lehrte angekündigt worden. Ob das tatsächlich so eintrete, sei aber nicht sicher, heißt es.

Lehrte sei als Drehkreuz für die Verteilung der Flüchtlinge ausgewählt worden, weil es einen großen Bahnhof gebe und verkehrsgünstig liege, betonte der Bürgermeister. Die Stadt ersetze aber nicht etwa andere Verteilstellen: „Wir haben auch keinen Hinweis darauf, dass Lehrte dauerhaft als Umsteigebahnhof genutzt werden soll.“ Nach Aussage Sidortschuks bleibt die Sporthalle Friedrichstraße für den Schul- und Vereinssport bis zum Sonnabend geschlossen.     

Von Antje Bismark
 und Achim Gückel

Christian Bruns hilft mit Worten

Er spreche gezielt jene Menschen an, die am Rand sitzen und Zuwendung benötigen, sagte Christian Bruns. Der Sehnder gehörte zu den wenigen Helfern, die sich gestern bereits um 8 Uhr bei der Einsatzleitstelle meldeten. Er kümmere sich gemeinsam mit seiner Frau in Sehnde um die Neuankömmlinge, nun wolle er auch denen auf der Durchreise zur Seite stehen. „Aus eigenem Erleben kenne ich das Gefühl, fremd zu sein“, sagte er und nahm anschließend den ersten Kontakt zu den syrischen Flüchtlingen auf dem Lehrter Bahnsteig auf. In der Sporthalle an der Friedrichstraße fragte er die Familie eines Rollstuhlfahrers nach ihren Bedürfnissen, anschließend unterstützte er einen Vater, der mit einem Baby unterwegs war. „Es geht nicht nur um Suppe oder Kleidung, sondern auch um Verständnis“, fasste Bruns seinen Eindruck zusammen. bis

Michael E. Schmidt 29.09.2015
Achim Gückel 29.09.2015
Kristian Teetz 29.09.2015