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Umland Lehrte Nachrichten Hagel verursacht katastrophale Schäden
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20:48 29.07.2013
So wie diese Wohnstraße in Lehrte sieht es am Sonnabendabend an vielen Stellen im Lehrter, Sehnder und Uetzer Stadtgebiet aus. Quelle: Feuerwehr Lehrte
Lehrte

Die meisten, die es mit eigenen Augen sahen, waren geschockt. Hagelkörner so groß wie Hühnereier oder gar Tennisbälle prasselten am Sonnabend gegen 17 Uhr aus düsteren Wolken herab. Orkanartige Windböen fegten die Eisbrocken mit hohem Tempo aus Westen heran. Der Hagel schlug fast im 45-Grad-Winkel mit großer Wucht ein. Menschen brachten sich hastig unter Dächern in Sicherheit und mussten mit ansehen, wie der Hagel etwa ihre Gartenpavillons, Vordächer und Jalousien zerschmetterte oder Dellen in ihre Autos schlug.

Als der Hagelsturm vorüber war, offenbarte sich ein bislang nicht überschaubarer Schaden. Im Süden und Westen der Kernstadt Lehrtes und im westlichen Teil Sehndes, in Wassel, in Hämelerwald, Sievershausen und Arpke, sahen Dächer aus „wie Schweizer Käse“. So formulierte es am Sonntag jedenfalls Lehrtes Stadtbrandmeister Jörg Posenauer.

Auch in Dollbergen und einigen Peiner Orten östlich der Regionsgrenze war der Schaden immens. Dachziegel wurden durchschlagen, Hausfassaden ramponiert, Hunderte Autoscheiben gingen zu Bruch. Der Wind fetzte auch tonnenweise Laub von Bäumen. In manchen Straßenzügen gebe es kaum jemanden, der an seinem Haus keinen Schaden zu beklagen habe, sagte die Polizei am Sonntag.

Schon am Sonnabend bezifferte die Lehrter Stadtverwaltung den Schaden allein an ihren öffentlichen Gebäuden auf mindestens 500.000 Euro. In Sehnde traf es unter anderem die Kooperative Gesamtschule, wo die Fotovoltaikanlage schwer beschädigt wurde, die Turnhallen an der Wald- und der Feldstraße und das Waldbad besonders schlimm. Die Hallen und das Bad sind bis auf weiteres geschlossen worden.

Zwölf Menschen wurden verletzt

Wie durch ein Wunder kamen bei dem Hagelsturm nur sehr wenige Menschen zu Schaden. Im Klinikum Lehrte meldeten sich zwölf Menschen mit Platzwunden oder Schnittverletzungen.

Die Menschen sind geschockt: So etwas wie den Hagelsturm, der am Sonnabend über weite Teile Lehrtes, Sehndes und Uetze hinwegfegte, habe es seit Jahrzehnten nicht gegeben, heißt es. Jetzt haben Hausbesitzer und Kommunen alles Hände voll zu tun, die Schäden zu sichten.

Solchen Hagel habe er noch nie erlebt, sagt Karl-Heinz Schlehuber, Ortsbrandmeister in Lehrte. Ganze Straßenzüge seien am Sonnabend grün gewesen von zerfetzten Blättern. Überall durchschlagene Fenster, demolierte Autos, Dächer, Gartenhäuser. Allein im Schulzentrum Süd in Lehrte habe der Hagel rund 60 Oberlichte aus Plexiglas zertrümmert. Die große Fotovoltaikanlage auf der Vierfeldhalle sei ebenso beschädigt worden wie viele Solarkollektoren auf Privatgebäuden. Lehrtes Stadtbrandmeister Jörg Posenauer nennt unterdessen Zahlen: Bis zu 150 Einsätze hätten sämtliche Lehrter Ortsfeuerwehren am Sonnabendabend absolvieren müssen – verstopfte Gullys, Äste auf Straßen, ausgelöste Brandmelder. 160 Mann sowie Kräfte des THW seien im Einsatz gewesen.

KGS: Kein Dach ist mehr heil

Allein die Schäden an öffentlichen Gebäuden summieren sich nach Posenauers Angaben auf mindestens eine halbe Million Euro. Viele Privatleute sind schon gestern daran gegangen, die Schäden des Hagelsturms zu beheben. Hausbesitzer dichteten Löcher in ihren Dächern provisorisch mit Folie ab. Dachdecker und Glaser waren bereits morgens unterwegs. Bei Versicherungsvertretern stand das Telefon nicht still. Wie groß das Ausmaß der Schäden ist, wird aber sicher erst nach und nach deutlich werden. Im Sehnder Stadtgebiet traf es zum Beispiel Wassel, Ilten und das Wohngebiet Klein Bolzum besonders schwer. Manches Hausdach habe dort jetzt keinen einzigen unbeschädigten Ziegel mehr, sagt Sehndes Feuerwehrsprecher Tim Herrmann.

Und auch die Kooperative Gesamtschule in Sehnde gibt ein Bild der Zerstörung ab. „Es ist kein Dach mehr heil“, sagt die geschockte Schulleiterin Helga Akkermann. Nun müsse es darum gehen, bis zum Auftakt des neuen Schuljahrs in anderthalb Wochen, möglichst weite Bereiche der Schule wieder nutzbar zu machen. Am Montag kommen laut Akkermann in der Schule und bei der Stadt Krisenstäbe zusammen. Wegen der Hagelschäden hat Sehnde unterdessen die KGS-Sporthallen und das Waldbad gesperrt. Anderswo ranken sich indes unglaubliche Geschichten um den Hagelsturm. Beim Schützenfest in Hämelerwald etwa. Dort hatte Paul Reinelt aus seinem Stand heraus Pizza angeboten. Als der Hagel kam, war das Vordach des Verkaufswagens noch hochgeklappt. Darunter suchten dann mehrere Festbesucher Schutz und überstanden das Unwetter daher unverletzt. Das Dach ist nun aber total zerbeult.

Schützen blasen Umzug rechtzeitig ab

Eine außergewöhnliche Situation hat der Hagelsturm beim Schützenfest in Hämelerwald hervorgerufen. Dort sei man wohl nur „knapp an einer Katastrophe vorbeigeschrammt“, meint Lehrtes Stadtbrandmeister Jörg Posenauer. Die Hämelerwalder wollten nach der traditionellen Schlüsselübergabe am Sonnabend gerade zu einem Ausmarsch aufbrechen, als der Sturm einsetzte. Die Verantwortlichen schickten umgehend alle Anwesenden in Deckung. Viele flüchteten in den Saal der Gaststätte Schaper. Posenauer meint, wenn der Umzug gestartet wäre, hätte es viele Verletzte geben können. So hätten durch den Hagel nur drei der Anwesenden leichte Blessuren erlitten.

Der verheerende Hagelsturm hat auch für die Polizei und die Feuerwehren schlimme Folgen: An den meisten Streifenwagen sei das Blech „zerdeppert“, sagte ein Beamter des Lehrter Kommissariats am Sonntag – beschädigt seien auch die Rolltore, viele Glasscheiben und Ziegelsteine an der Wache an der Osterstraße. Lehrtes Stadtbrandmeister Jörg Posenauer hat gestern ebenfalls eine erschreckende Bilanz gezogen. Mehrere Feuerwehrhäuser im Stadtgebiet seien vom Hagel böse getroffen worden – etwa jene in Arpke und Hämelerwald. Das Gerätehaus in Sievershausen müsse vermutlich sogar neu gedeckt werden.

Jugendliche helfen spontan

Arpke gehört zu den Orten, denen der Hagel besonders zugesetzt hat. Dort wurden nicht nur viele Häuser, sondern auch das Waldbad und die Kirche schwer getroffen, wo auch viele Bleiglasscheiben zu Bruch gingen. Eines der Storchenküken im Nest auf dem Kirchendach hat der Hagel sogar erschlagen. Umso schöner ist es, wenn plötzlich Hilfe auftaucht. Etliche Jugendliche, die derzeit im Jugendlager der Freikirchlichen Gemeinden am Rand Arpkes campieren, griffen am Sonntag spontan zu Harken. Die räumten unter anderem im Waldbad auf. Das Zeltlager der jungen Leute war vom Hagel kaum betroffen. Die Zelte hielten stand.

Längst nicht alle Orte im Lehrter und Sehnder Stadtgebiet sind vom Hagel heimgesucht worden. Der Sturm zog über Wassel den Westen Sehndes sowie den Westen und Süden Lehrtes bis hin nach Arpke und Dollbergen. In Rethmar oder Lehrtes Norden hielten sich Wind und Hagel in Grenzen.

Auf haz.li/unwetter und auf myheimat.de/themen/Hagel im Internet finden Sie mehr zum Unwetter in der Region.

Achim Gückel

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