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Umland Lehrte Nachrichten Großalarm in Lehrte: Chlorgas tritt aus
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15:05 19.07.2018
Mit einem Großaufgebot sind Feuerwehr und Rettungskräfte vor Ort, nachdem ein Chlorgasaustritt beim Freibad Lehrte gemeldet worden war.
Mit einem Großaufgebot sind Feuerwehr und Rettungskräfte vor Ort, nachdem ein Chlorgasaustritt beim Freibad Lehrte gemeldet worden war. Quelle: Christian Elsner
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Lehrte

Im Lehrter Bad am Hohnhorstweg ist es am Donnerstagmorgen zu einer schwerwiegenden technischen Panne gekommen. Das Auswechseln einer Chlorgasflasche in einem Technikraum ging schief. Gas strömte unkontrolliert aus. Daraufhin kam es zu einem Großeinsatz von Rettungskräften. Insgesamt 126 Helfer rückten nach Angaben der Feuerwehr vor dem Bad an. Viele Lehrter wurden von den Sirenen der Einsatzfahrzeuge aus dem Schlaf gerissen.

Verletzt wurde bei dem Zwischenfall niemand. Das Freibad musste jedoch bis 15 Uhr geschlossen werden. Ein Techniker hatte die Ursache für die Panne und die Chlordosieranlage auf mögliche Defekte untersucht, teilte der Chef der Lehrter Bädergesellschaft, Eckhard Otto, am Mittag mit.

Die Panne passierte kurz nach Öffnung des Bades um 6 Uhr, als eine Mitarbeiterin eine leere Chlorgasflasche durch eine volle ersetzen wollte. Diese Arbeit im Technikraum neben dem Badgebäude werde grundsätzlich unter Schutzmaske erledigt, betont Otto. Daher habe für die Badmitarbeiterin keine akute Gefahr bestanden, das für Atemwege und Lunge gefährliche Chlorgas einzuatmen, betont Otto. Die Schwimmmeisterin habe aber sehr schnell bemerkt, dass etwas nicht stimmte und gemeinsam mit einem zufällig anwesenden Feuerwehrmann die bereits im Bad anwesenden Frühschwimmer evakuiert. Die rund 30 Gäste konnten das Badgelände nicht durch das Hauptgebäude verlassen, sondern mussten, nur in Schwimmbekleidung, einen Nebenausgang hinter der Liegewiese nutzen. Das sei problemlos und schnell geschehen, betont Otto.

Die Feuerwehr löste indessen einen Großalarm aus, da sie zunächst von einer Vielzahl von Verletzten ausgehen musste. Laut Pressesprecher Christian Urban rückten letztlich 85 Feuerwehrleute aus Lehrte, Aligse, Steinwedel, Arpke, Sievershausen, Sehnde und Höver, zwölf Spezialisten von der Berufsfeuerwehr Hannover sowie knapp 30 Sanitäter und Notärzte an.

Der Chlorgeruch im Bereich des Bades sei enorm gewesen, betont Urban. Man habe ihn selbst im Bereich des rund 100 Meter entfernten Stadions am Pfingstanger wahrgenommen. Feuerwehrleute sperrten die Straße sowie den gesamten Badbereich ab, Einsatzkräfte unter Atemschutz konnten das ausströmende Gas schließlich abriegeln. Nach rund zwei Stunden war der Einsatz beendet und die rund 30 evakuierten Frühschwimmer konnten ihre persönlichen Gegenstände aus dem Bad holen. Nur einer von ihnen musste sich anschließend zur Untersuchung in ein Krankenhaus begeben. Bei ihm hatten die Notärzte jedoch keine Auswirkungen von Chlorgas, sondern einen stark erhöhten Blutdruck gemessen. Mehrere Betroffene wollten aber später noch ihren Hausarzt aufsuchen.

Eckhard Otto meint, dass die folgenschwere Panne im Technikraum des Bades vermutlich nicht durch falsche Handgriffe beim Austausch der Gasflaschen herbeigeführt wurde. Er geht vielmehr von einem technischen Problem aus. Dies habe man aber schnell in den Griff bekommen: Um 15 Uhr ist das Bad am Hohnhorstweg wieder für Besucher geöffnet worden.

Großalarm in Lehrte am frühen Morgen: Im Freibad war Chlorgas ausgetreten. Das Gelände musste evakuiert werden.

Erst Ende Mai hatte es in Barsinghausen einen Großeinsatz der Feuerwehr gegeben, weil im dortigen Bad Chlorgas ausgetreten war.

Ähnlicher Vorfall vor vier Jahren

Die Panne vom Donnerstagmorgen ist nicht der erste Zwischenfall mit Chlorgas im Lehrter Bad am Hohnhorstweg. Bereits im Juni 2014 war dort während Reinigungsarbeiten an der Filteranlage ein Defekt aufgetreten. Ein Alarm zeigte daraufhin eine zu hohe Chlorkonzentration im Betriebsraum an. Thilo Schuhmacher, Betriebsleiter des Bades, öffnete schließlich die schwere Metalltür des nur von der Außenseite des Gebäudekomplexes zugänglichen Raumes und trat hinein, um nach der Ursache für den Alarm zu schauen. Dabei atmete er eine geringe Dosis Chlorgas ein. Schumacher musste eine Nacht zur Beobachtung in einem Krankenhaus verbringen, konnte aber tags drauf schon wieder zur Arbeit erscheinen. ac

Von Achim Gückel / Stefan Bürgel / RND