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20:12 08.09.2015
Marianne Stanisch von der Region Hannover verteilt im Kurt-Hirschfeld-Forum den Entwurf für das neue Raumordnungsprogramm.
Marianne Stanisch von der Region Hannover verteilt im Kurt-Hirschfeld-Forum den Entwurf für das neue Raumordnungsprogramm. Quelle: Kühn
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Lehrte

Es ist ein komplizierter Masterplan, den Fachbereichsleiterin Sonja Beuning von der Region am Montagabend vorgelegt hat. Wohnen, Arbeiten, Wirtschaft und Handel, Siedlungsentwicklung, Mobilität, Freizeit - alles wird unter die Lupe genommen, um eine gesamtheitliche Entwicklung zu planen. Wie weit die Vorstellungen und Vorgaben der Region in die Planungen der Städte eingreifen können, verdeutlicht das Beispiel des Neubaugebiets Kirchlahe-Süd in Sievershausen.

Dort spielt der Abstand zum angrenzenden Wald eine entscheidende Rolle. Bislang habe man selbst abwägen können, wie weit man mit der Bebauung heranrücken könne, sagte Christian Bollwein vom Fachdienst Stadtplanung. Jetzt gebe die Region 100 Meter Abstand vor: „Mit dieser neuen Regelung hätten wir Kirchlahe-Süd nicht entwickeln können.“ Das Baugebiet hätte erheblich abgespeckt werden müssen und wäre dann vielleicht nicht mehr wirtschaftlich gewesen. Ähnliches gelte für das Gewerbegebiet Ahlten-Süd, eine der wenigen Flächen mit Erweiterungspotenzial - an die aber auch Wald grenzt.

Das Thema Siedlungsentwicklung brennt der Stadt besonders unter den Nägeln. Zur Verdichtung der Kernstadt ist Wohnbebauung perspektivisch fast nur noch in Lehrte-Süd bis zur Bahntrasse möglich - doch genau dort will die Region Vorrangflächen für Windkrafträder näher heranrücken. „Das werden wir in unserer Stellungnahme zum Entwurf auch deutlich machen“, kündigt Stadtsprecher Fabian Nolting an. Dafür hat die Stadt bis Anfang Dezember Zeit. Wichtig sei daher, dass der Rat bis dahin das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verabschiedet, dass diese Planungen dezidiert aufgreift.

Das Verschieben der Windkraft-Vorrangfläche nach Norden rechtfertigte Beuning damit, dass im südlichen Teil an der Grenze zu Sehnde geschützte Rot- und Schwarzmilane nachgewiesen worden seien. Einen Ratsbeschluss würde die Region auch berücksichtigen, sagte die Fachbereichsleiterin - ließ aber offen, wie weit. Der von der Region festgelegte Abstand von 800 Metern sei aber nicht verhandelbar - obwohl neue Windräder mit 200 Metern doppelt so hoch sind wie früher. Die in der Sitzung diskutierten 1000 Meter Abstand seien nicht denkbar: „Dann wäre die Windkraft in der Region tot.“

Bürger können sich einbringen

Das Regionale Raumordnungsprogramm (RROP) stellt die räumliche und strukturelle Entwicklung der Region Hannover dar – zu Natur, Wohnen, Wirtschaft, Einkaufsmöglichkeiten, Energie, Verkehr, Arbeitsplätzen, Siedlungsentwicklung und Erholung. Die Stadt muss ihre Planungen daraus ableiten, etwa bei der Ausweisung von Neubaugebieten (Innen- vor Außenentwicklung), Einzelhandels- und Gewerbeansiedlungen (vorhandene Standorte stärken) oder Windenergieflächen. Im Rahmen des Integrierten Stadtentwicklungskonzepts (ISEK) haben sich auch schon zahlreiche Bürger eingebracht. Am Dienstagabend gab es dazu eine Veranstaltung im Kurt-Hirschfeld-Forum. Wie weit die Ideen Berücksichtigung finden, steht erst im Frühjahr fest.

Patricia Oswald-Kipper 06.09.2015