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Umland Lehrte Nachrichten Sachbeschädigung: Lehrter Türken sind geschockt
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05:34 12.03.2018
Unbekannte haben mit Steinen die Fensterscheiben des Türkischen Kulturvereins eingeworfen. Quelle: Patricia Oswald-Kipper
Lehrte

 Viele Lehrter Türken sind geschockt: Unbekannte haben des Treffpunkt des Türkischen Kulturvereins am Sedanplatz in der Nacht zum Donnerstag massiv beschädigt. Bis Freitagnachmittag waren Mmitglieder mit dem Aufräumen beschäftigt.

„Wir sind entsetzt und fragen uns, wer so etwas macht“, sagt ein langjähriges Mitglied. Er räumt die zerbrochenen Glasscheiben vom Boden fort. Überall in dem Treffpunkt, in dem viele Tische und Stühle stehen, liegen noch kleine, feine Glasscherben herum. Vier Scheiben wurden zerstört. Sie sollen nun ersetzt werden –die Kosten liegen bei rund 4000 Euro. Die Einschlagstellen der Steine sind noch deutlich in der Wand erkennbar. Die Wurfgeschosse hatten die Tüter offenbar extra mitgebracht. In der Nähe des Treffpunktes gibt es keine so großen losen Steine.

Die Mitglieder des Kulturvereins treffen sich meistens abends in dem Ende der Sechszigerjahre gegründeten Lokal, um Karten zu spielen, Tee zu trinken oder einfach nur zu reden. Das geht manchmal bis tief in die Nacht. „Es war Glück, dass Donnerstagnacht keiner mehr hier war“, sagt ein weiteres Mitglied. Die Mitglieder, die sich am Freitag zum Aufräumen treffen, sind sich sicher, dass mit dem Steinwurf jemand hätte schwer verletzt wenn nicht gar getötet werden können. 

Kurden könnten es nicht gewesen sein, sagt eines der Vereinsmitglieder, der selbst Kurde ist. „Die Kurden, das heißt die PKK, hätte als erstes die türkische Fahne zerstört“, ist er überzeugt. Vor einigen Jahren habe es wegen der Fahne vor dem Haus auch schon Auseinandersetzungen gegeben. „Wir haben damals deutlich gemacht, dass in Lehrte Türken und Kurden gut zusammenleben – wir sind Brüder“, sagt er. Danach habe sich die Sache wieder beruhigt. 

Beim Türkischen Kulturverein wurde in der Nacht zum Donnerstag auch die Hauswand mit Farbe beschmiert. Die Unbekannten sprühten den Slogen „Liebe Grüße aus Afrin“ neben den Eingang. Deswegen ermittelt nun auch der Staatsschutz. Für die Mitglieder des Vereins ist der Spruch eindeutig politisch motiviert. Denn die Türkei ist in der syrischen Stadt Afrin aktuell militärisch aktiv. Sie bedauern, dass die Probleme in Syrien nun offenbar nach Lehrte werden. Vertreter aller Glaubensrichtungen hätten in der Stadt bislang immer friedlich zusammengelebt, sagen sie.

Die Mitglieder halten es für wahrscheinlich, dass Syrer oder Iraker für die Sachbeschädigung verantwortlich sind. „Aber wir können nichts tun. Uns tut es auch leid, was in Afrin passiert. Wir können die Probleme dort nicht lösen. Wir können Afrin auch nicht befreien“, sagt eines der Vereinsmitglieder. 

Die aktuelle Entwicklung in Lehrte bereitet den hier seit vielen Jahrzehnten ansässigen Türken Probleme. Noch in den Neunzigerjahren habe man jeden der Zugezogenen auf der Straße gekannt. Man sei freundlich miteinander umgegangen und wenn es mal Probleme gab, habe man die geklärt. Seit dem starken Zustrol von Flüchtlingen habe sich das verändert. „Und solche Angriffe tragen nun dazu bei, dass Hass geschürt wird“, sind sie sich einig.

Die Mitglieder des türkischen Kulturvereins wollen nun ihren Treffpunkt besser schützen – unter anderem mit einer Kamera und Bewegungsmeldern: „Wir wollen ja nicht, dass sich unsere Mitglieder hier nicht mehr wohlfühlen und dann womöglich aus Angst wegbleiben“, sagt einer der Betreiber des Vereinstreffs.

Unbekannte haben mit Steinen die Fensterscheiben des Türkischen Kulturvereins eingeworfen. Quelle: Patricia Oswald-Kipper

Von Patricia Oswald-Kipper

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