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18:34 13.10.2014
Christoph Lokotsch übergibt Muster für Unterschriftenlisten an Hildegard Klemm (links) und Apotheken-Mitarbeiterin Anne Lorenz. Quelle: Gerko Naumann
Lehrte

Bürgermeister Klaus Sidortschuk (SPD) kündigte gestern an, alles in seiner Macht stehende zu tun, um das Krankenhaus an der Manskestraße zu erhalten: „Lehrte muss Krankenhausstandort bleiben.“ Morgen werde sich auch der Verwaltungsausschuss, in dem alle Parteien des Rats vertreten sind, mit dem Thema befassen. Er selbst werde einen Brief an die Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover (KRH) und dessen Aufsichtsratsvorsitzenden, seinen Parteifreund Hauke Jagau, schreiben.

Auch der Übertragungsvertrag, der aufgesetzt wurde, als das Krankenhaus samt Grundstück erst an den Landkreis Lehrte und dann an die Region Hannover überging, werde derzeit intensiv geprüft. Die städtische Rechtsabteilung will ausloten, inwieweit Lehrte ein Mitspracherecht bei der Entscheidung hat. „An eine andere Nutzung denke ich deshalb noch nicht.“

Einen Bebauungsplan für das Gelände gibt es nicht, das Gebiet ist lediglich als „Bauen im Innenbereich“ bezeichnet. Das Klinikum Lehrte ist gut 35 000 Quadratmeter groß, die bebaute Fläche beträgt knapp 7500 Quadratmeter. Nach Angaben des Lehrter CDU-Regionsfraktionsvorsitzenden Bernward Schlossarek hat seine Fraktion den Erhalt der Krankenhausstandorte noch einmal bekräftigt: „Das war unser Bekenntnis vor der Regionswahl, wir werden deshalb nur auf dieser Grundlage diskutieren.“ Auch die Lehrter SPD lehnt die Pläne entschieden ab. „Für uns ist eine qualifizierte, wohnortnahe Versorgung für Lehrte auch in Zukunft unverzichtbar“, sagt der Vorsitzende Bodo Wiechmann.

Im Internet formiert sich der Protest rasend schnell

An der Spitze des parteiübergreifenden Protests gegen die Schließung des Klinikums im Internet haben sich die Jusos gesetzt. Die jungen Sozialdemokraten André Tepper und Christoph Lokotsch haben die Facebook-Gruppe „Krankenhaus Lehrte erhalten“ gegründet, der sich bis gestern in wenigen Tagen mehr als 1000 Menschen angeschlossen haben. Lokotsch hat darüber hinaus eine Onlinepetition mit dem gleichen Namen gestartet und verteilt Unterschriftenlisten in Lehrter Geschäften. Eine davon liegt im Kiosk Weindok. „Die Leute haben schon nach den Listen gefragt, bevor wir sie hatten“, sagt Seniorchefin Hildegard Klemm.

Die geplante Schließung der Klinik sei seit Tagen das häufigste Gesprächsthema ihrer Kunden, mit der Unterschriftenaktion hätten die Initiatoren „einen Nerv getroffen“. Dass sich der Protest gerade im Internet rasend schnell formiert, empfindet Tepper als Vorteil. Wie wichtig ein Krankenhaus in der eigenen Stadt ist, hat er im Vorjahr am eigenen Leib gespürt. Mit einem Blinddarmdurchbruch wurde er per Rettungswagen in zehn Minuten in die Manskestraße gebracht. „Ich will mir lieber nicht vorstellen, wie schlimm die Fahrt mit diesen Schmerzen bis in eine Nachbarstadt gewesen wäre.“ Die Onlinepetition finden Interessierte auf www.openpetition.de/petition/unterzeichner/krankenhaus-lehrte-erhalten

Von Oliver Kühn und Gerko Naumann

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