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Nachrichten „Schuld an den Unfällen ist nicht die Baustelle“
Umland Lehrte Nachrichten „Schuld an den Unfällen ist nicht die Baustelle“
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16:52 10.01.2018
Am Montag hatte es einen tödlichen Lkw-Unfall auf der A2 gegeben. Quelle: Stratenschulte
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Lehrte

Hämelerwalds Ortspolitiker richten sich mit ihrer vehementen Kritik in Sachen Unfallbrennpunkt Autobahn 2 an die falsche Adresse. Das meint Friedhelm Fischer, Chef der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr in Hannover, welche die Bauarbeiten auf den Autobahnen rings um die Landeshauptstadt koordiniert. „Schuld an den vielen Unfällen ist nicht die Baustelle, sondern der Mensch“, sagt Fischer. Nach den zwei jüngsten schweren Unfällen auf der Autobahn 2 bei Hämelerwald hatten Ortspolitiker massive Kritik an der Koordinierung der Baustellen auf der Hauptverkehrsader geübt.

Freilich stelle jede Baustelle ein zusätzliches Gefährdungspotenzial dar. Auslöser für die Vielzahl der teils folgenschweren Karambolagen am Stauende seien aber die mitunter haarsträubenden Fahrlässigkeiten am Lenkrad der Lastwagen. Unaufmerksamkeit und zu geringer Sicherheitsabstand seien nur die zwei vordergründigen Auslöser der Unfälle. „Der überwiegende Teil der Unfälle wird von Lastwagenfahrern nicht deutscher Herkunft verursacht. Wir kriegen das Problem mit den Unfällen nur in den Griff, wenn auch für sie strengere Bedingungen gelten“, meint Fischer.

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Auf der A2 ist es erneut zu einem Lkw-Unfall nahe der Anschlussstelle Hämelerwald gekommen.

Viele der Fahrer hätten keine Ausbildung, Lenkzeiten von zehn Stunden am Stück seien keine Seltenheit, und die schlechte Bezahlung verführe manchen zu unverantwortlicher Fahrweise. Es gebe zum Beispiel Entlohnungsmodelle, bei denen der Fahrer ein Budget habe, das den Sprit einbezieht, sagt Fischer. Wer also Sprit spart, hat am Schluss mehr Geld über. Das verleite manchen dazu, auf den Sicherheitsabstand zu pfeifen, nur um den Windschatten auszunutzen.

Rückbau der Baustelle ab nächster Woche

Fischer wünscht sich, dass Abstandssysteme und Bremsassistenten zur Standardausrüstung aller Lastwagen gehören, die auf deutschen Straßen unterwegs sind. Dafür seien jedoch politische Initiativen auf höchster Ebene notwendig. Auch mit der Kritik, die Bauarbeiten auf der A 2 gingen zu langsam, kann der Behördenleiter nicht viel anfangen. „Wir setzen alles daran, die Bauzeit so kurz wie möglich zu halten“, sagt er und betont, dass schon bald auf der A 2 bei Lehrte wieder freie Fahrt herrschen soll: „Wir gehen im Moment davon aus, dass wir Ende Januar mit den Arbeiten durch sind.“ Schon nächste Woche solle der Rückbau der Baustelle in Fahrtrichtung Berlin beginnen.

Ungebremst ist ein Lastwagen auf ein Stauende auf der A2 bei Hämelerwald gefahren. Der Fahrer starb bei dem Unfall.

Ursprünglich sollten die Arbeiten bei Lehrte bis kurz vor Weihnachten dauern. Das habe aus einer Vielzahl von Gründen nicht geklappt, sagt Fischer. Und grundsätzlich erledige man mit den Arbeiten nur das, was der Gesetzgeber fordere – nämlich die Verbesserung von Leitplanken und Schutzeinrichtungen. „Die sollen verhindern, dass etwa Lastwagen bei einem Unfall auf die Gegenfahrbahn durchbrechen“, sagt Fischer.

„Es geht wirklich nicht schneller“

Die Verzögerungen seien zum Teil den Sondierungen von sogenannten Verdachtspunkten geschuldet, an denen Bombenblindgänger vermutet wurden. Die Bohrungen dafür im Bereich Lehrte seien fast doppelt so umfangreich ausgefallen als geplant. Und während dieser Sondierungen habe die Baufirma nicht arbeiten dürfen. Auch die Gründung für die neuen Leitplanken sei extrem schwierig. Dazu habe man mitunter neue Pfosten tief ins Erdreich einbringen müssen. Auch wechselnde Systeme bei der Gründung machten das Projekt kompliziert. „Das alles ist eine schwierige Disposition“, sagt Fischer: „Es geht wirklich nicht schneller.“

Bei den zwei jüngsten Unfällen am Montag- und Dienstagmorgen auf der A2 bei Hämelerwald hatte es einen Toten und zwei Schwerverletzte gegeben. Jeweils waren Lastwagen auf das Stauende vor der Baustelle im Bereich Lehrte-Ost aufgefahren. Die Unfallstellen befanden sich jeweils nur einige hundert Meter westlich der Anschlussstelle Hämelerwald.

Von Achim Gückel