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Nachrichten Megahub: Bürger wollen für mehr Lärmschutz klagen
Umland Lehrte Nachrichten Megahub: Bürger wollen für mehr Lärmschutz klagen
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11:04 09.04.2018
Zur Infoveranstaltung des Vereins Megaleise in Ahlten kommen fast 100 Gäste. Quelle: Achim Gückel
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Ahlten

 Der Kampf für mehr Lärmschutz am geplanten Containerterminal Megahub zwischen Ahlten und Lehrte bekommt eine neue Dimension. Die Ahltener Initiative Megaleise ist mittlerweile ein eingetragener Verein und strebt nun eine Klage gegen das Eisenbahnbundesamt als Genehmigungsbehörde des Millionenprojekts an. Dafür will sie in den nächsten Wochen Spenden und Mitglieder sammeln. Zu einem Informationsabend am Donnerstag im Ahltener Landhotel Behre kamen fast 100 Gäste.

Am 15. März hatten die rund 15 Ahltener, die sich schon seit mehreren Jahren mit den negativen Auswirkungen des Megahub beschäftigen, den Verein aus der Taufe gehoben. In der kommenden Woche soll er die Gemeinnützigkeit erhalten. Dann wird es ihm auch möglich sein, Spenden gegen eine Quittung entgegen zu nehmen. Und Spenden braucht der Verein reichlich. Um das Ziel einer Klage am Verwaltungsgericht in Lüneburg zu erreichen, benötigt er nach eigener Rechnung etwa 15.000 Euro. Sollte der Weg in die nächste Instanz führen, also ans Oberverwaltungsgericht in Leipzig, würde die Summe auf etwa 30.000 Euro hochschnellen.

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"Wir wollen für aktiven Lärmschutz klagen": Der Jurist Wolfgang Rottwinkel ist Vorsitzender des Vereins Megaleise. Quelle: Achim Gückel

Dass Megaleise dieses Geld zusammenbekommt, ist für den Vorstand keine Frage. Die Sorge um die Auswirkungen des Megahub, insbesondere in Sachen Lärm, seien im Dorf enorm, hieß es am Donnerstagabend. In seiner Begrüßung betonte der Vereinsvorsitzende Wolfgang Rottwinkel, wie ernst es seinem Verein mit der Klageführung ist. „Wir brauchen Geld und wollen Mitglieder sowie Spenden gewinnen“, sagte der Jurist. Um mehr Schutz vor dem Lärm vom Megahub zu erreichen sei es auch „noch längst nicht zu spät“.

Völlig zu stoppen ist der Bau der riesigen Anlage der Bahn, in der Container umgeladen werden sollen, nicht mehr. Und auch die Klage hat für die Bauarbeiten keine aufschiebende Wirkung. Das ist dem Vorstand von Megaleise völlig klar. Unlängst sind die Änderungen an der Planfeststellung des Projekts offiziell vom Eisenbahnbundesamt genehmigt worden. Und darin ist Lärmschutz festgeschrieben, der den Ahltenern deutlich zu gering ausfällt. Dagegen richtet sich die Klage.

Maik Reiß, Diplomingenieur und einer der Sprecher des Vereins, verdeutlichte während des Infoabends unter anderem die Dimensionen des Megahub mit seinen Portalkränen, die höher werden als zwei Einfamilienhäuser übereinander. Er bezeichnete die Anlage als „Monster“, das den Ahltenern und auch vielen Bürgern in der westlichen Kernstadt Lehrtes erhebliche Nachteile bringen werde. Der Megahub werde an nahezu 365 Tagen im Jahr Lärm produzieren. Dieser werde die Gesundheit der betroffenen Bürger beeinträchtigen. Folgen seien Stress und Schlafstörungen. Diese führten zu erhöhtem Infarktrisiko, einer stärkeren Neigung zu Bluthochdruck, und selbst bei Schülern könne die Leistungsfähigkeit sinken. All das hätten Studien ergeben.

Reiß sprach auch von drohendem Wertverlust für Grundstücke und Immobilien. Er nannte dafür einen nach seinen Worten ebenfalls durch Studien belegten Wert von sieben bis zehn Prozent. All das werde auf viele Ahltener und Lehrter zukommen, wenn man keinen verbesserten Lärmschutz erreiche.

Wie dieser funktionieren kann, machte Reiß am Beispiel eines Containerterminals der Bahn bei Bremerhaven deutlich. Dort gibt es einen Lärmschutzwall von sieben Metern Höhe und davor eine dauerhaft installierte Lärm-Messstation. Die darin ermittelten Daten seien jederzeit per App abrufbar. Bürger könnten bei Überschreitungen der Grenzwerte umgehend Protest einlegen oder gar klagen. Das System funktioniere bestens, und so etwas auch für den Megahub bei Ahlten zu erreichen sei „das Traumziel“ des Vereins Megaleise.

Reiß betonte, es gebe durchaus Chancen, dieses Traumziel zu erreichen. Ein Dachverband von Bürgerinitiativen gegen die Bahn habe das bereits signalisiert. Den Klageweg zu beschreiten sei aber nur möglich, wenn man ausreichend hohe Finanzen, also Spenden, in die Hand nehme.

An der Gesetzgebung, auf der die Megahub-Planungen und insbesondere die Aussagen über die Lärmentwicklung bislang basierten, ließ Reiß keinen guten Faden. „Die Bahn sonnt sich in Gesetzen von 1974. Und sie will Gesetze umgehen“, sagte er. Das wolle Megaleise nun mit seiner Klage beweisen.

In einer anschließenden Fragerunde wurde eines sehr deutlich: In Ahlten ist die Sorge riesig, dass der Megahub die Lebensqualität beeinträchtigt. Laut Megaleise-Sprecherin Silke Vatterott entschlossen sich noch am Abend fast 20 Bürger spontan dazu, dem Verein beizutreten. Auch mehrere Spenden in dreistelliger Höhe seien bereits in Aussicht gestellt worden. „Dieser Abend hat offenbar vielen die Augen geöffnet“, sagte Vatterrott.

Für die Einreichung der Klage hat Megaleise indes nur wenig Zeit. Bis zum 18. Mai muss der Verein sie eingereicht haben.

Infostände, Flyer und Infos im Internet

Die Initiative Megaleise gibt es bereits seit dem Jahr 2014. Immer wieder hat sie gegen die Planungen für den Megahub Einwendungen geltend gemacht, jetzt geht sie mit der Gründung des Vereins einen großen Schritt weiter und verstärkt auch ihre Kampagne im Dorf. Am Sonnabend, 7. April, wird es nach Angaben von Sprecherin Silke Vatterott Infostände vor dem Edeka-Markt in Ahlten sowie vor der Bäckerei Klöpper geben. Broschüren sind neu gedruckt worden, auch ein Logo hat sich Megaleise zugelegt. Es zeigt einen Zug, dem symbolisch ein Hörschutz übergestülpt wurde. Informationen gibt es außerdem auf der Webseite megaleise.de oder unter der Mailadresse info@megaleise.de.

Megaleise hat außerdem die Absicht, sich mit anderen Bürgerinitiativen und Vereinen aus dem Raum Lehrte zu vernetzen – etwa mit jenem, der gegen die Ansiedlung des Aldi-Logistikzentrums südwestlich von Aligse kämpft.

Von Achim Gückel