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Lehrte Förderschule Im Großen Freien soll von Ilten nach Lehrte ziehen
Umland Lehrte

Sehnde: Förderschule Ilten soll nach Lehrte

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16:20 18.09.2019
Wegen mangelnder Zukunftsperspektive würde auch Schulleiter Andreas Pohl eine Verlagerung begrüßen. Quelle: Oliver Kühn
Ilten

Die Region Hannover will die Förderschule Im Großen Freien mit dem Schwerpunkt Sprache von der Hindenburgstraße in Ilten nach Lehrte umziehen lassen. „Eine räumliche und pädagogische Entwicklung zur Ganztagsschule wird am jetzigen Standort nicht möglich sein“, sagt Sprecherin Sonja Wendt. Man sei daher in intensiven Gesprächen mit der Stadt Lehrte. Diese steht der Sache zwar ebenfalls positiv gegenüber, doch alles hänge von der noch unfertigen Schulentwicklungsplanung ab, sagt Stadtsprecher Fabian Nolting. Auch die Verantwortlichen der Förderschule selbst befürworten einen Umzug. Denn der Ausbau zur Ganztagsschule sei für die Schule überlebenswichtig.

Grundsätzlich würde die Stadt Lehrte eine Verlagerung begrüßen, sagt Nolting: „Das wäre ein neues Schulangebot und würde auch für die vielen Kinder aus Lehrte kürzere Wege bedeuten.“ Das Einzugsgebiet der Schule umfasst neben Sehnde und Lehrte auch Burgdorf und Uetze. Doch erst einmal müsse man die eigene Entwicklung mit der Konzentration der Schullandschaft in Lehrte-Süd abwarten. Erst wenn diese abgeschlossen sei, könne die Region entscheiden, ob und wie eine Verlagerung nach Lehrte umsetzbar wäre, meint auch Wendt. Die räumlichen Anforderungen, was den Ausbau der Förderschule zu einer Ganztagsschule betrifft, habe man bereits bei der Stadt eingereicht.

Ausbau zur Ganztagsschule entscheidend

Der Schulhof ist beengt, eine Erweiterung ist wegen der nahen Wohnbebauung aber nicht möglich. Quelle: Oliver Kühn

Die Weiterentwicklung zur Ganztagsschule ist auch für Schulleiter Andreas Pohl der entscheidende Punkt. „Ein Betrieb mit Mensa ist hier nicht möglich.“ Die Förderschule liege mitten in Ilten in einem Wohngebiet, für Anbauten sei kein Platz. Auch der Schulhof sei sehr beengt. Die 107 Jahre alte Schule hat aus Platznot bereits vor einigen Jahren zwei Räume im angrenzenden ehemaligen Feuerwehrgerätehaus dazubekommen. Zudem kämen viele Schüler aus Lehrte, und betrachte man das Einzugsgebiet, läge Ilten doch eher am Rand. Am Standort Lehrte-Süd wäre zudem perspektivisch eine bessere Vernetzung mit der dortigen Grundschule und der IGS möglich.

Viele Eltern finden keinen Hortplatz

Vor allem für die Eltern sei der Ausbau zu einer Ganztagsschule existenziell. Bislang endet der Unterricht um 13 Uhr. „Viele Eltern finden in ihren Heimatgemeinden aber keinen Hortplatz“, sagt Pohl – und müssten ihre Kinder deshalb in Regelgrundschulen schicken, obwohl sie lieber die Förderschule anwählen würden.

Das könne man auch an den zurückgehenden Schülerzahlen ablesen: Waren es früher 165, sind es jetzt noch 120 in den Klassen 1 bis 4. Dazu komme ein Schulkindergarten für Kinder, die noch nicht reif für die erste Klasse seien. In Ilten werden Kinder mit verzögerter Sprachentwicklung wie etwa mangelndem Wortschatz betreut, Stotterer sowie mutistische Kinder, die einfach schweigen und Sprache verweigern.

Das Foyer dient gleichzeitig auch als Pausenhalle und Aula. Quelle: Oliver Kühn

Technisch sei die Schule dagegen mit Smartboards statt Tafeln gut ausgestattet. „Aber uns fehlen Differenzierungsräume für spezielle Angebote“, beschreibt der Schulleiter die Platznot. Und das Foyer werde sowohl als Pausenhalle wie auch als Aula genutzt.

Auch die CDU-Regionsfraktion begrüßt den Vorstoß der Region. „Der geplante Umzug der Förderschule ist ein wichtiger Schritt zum Ausbau der Qualität in der regionseigenen Förderschullandschaft“, erklärt der Fraktionsvorsitzende Bernward Schlossarek aus Lehrte. Eine Betreuung im Ganztagsbereich mit zusätzlichen Lern- und Freizeitangeboten sowie eine verlässliche Struktur im Tagesablauf würden die pädagogische Arbeit des Vormittagsunterrichts unterstützen und ergänzen. „Dazu werden mehr Räume benötigt als in Ilten zur Verfügung stehen.“

Schon vor zwei Jahren hatte Schlossarek von der Region als Schulträgerin gefordert, den „Sanierungsstillstand“ zu beenden, nachdem den Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache vom Land nach heftigen Elternprotesten – auch in Ilten – Bestandsschutz eingeräumt worden sei. Das sieht Pohl ähnlich. Wer einen Bestandsschutz einräumt, müsse den Eltern auch eine Wahlmöglichkeit bieten, lautet sein Appell an das Kultusministerium. In Niedersachsen gibt es laut Pohl nur zehn selbstständige Förderschulen mit dem Schwerpunkt Sprache, davon allein vier in Trägerschaft der Region Hannover.

Iltens Ortsbürgermeisterin Gisela Neuse hat, wenn auch noch nicht offiziell, auch schon von den Plänen gehört. „Wir bedauern das, denn die Schule, die seit 1912 zunächst als Volksschule besteht, gehört ja zu Ilten“, sagt sie. Andererseits könne sie verstehen, dass wegen der sehr beengten Verhältnisse keine Erweiterung am jetzigen Standort möglich sei.

Seit 107 Jahren Schulstandort

Nach Informationen auf der schuleigenen Homepage wurde das Schulgebäude von 1910 bis 1912 als Volksschule für Ilten erbaut. 1950 wurde es um zwei Klassenräume, eine Lehrküche und ein Lehrerzimmer erweitert – und der Rektor wohnte dort noch. 1964 entstand an der Hindenburgstraße ein Neubau mit Wohnungen und dem ehemaligen Feuerwehrgerätehaus – damit war die Sicht zur Straße weitgehend verbaut.

Weil es aufgrund der wachsenden Bevölkerung schon in den Sechzigerjahren zu eng wurde, wurde das Schulgebäude 1965 als Volksschule aufgegeben und durch die Wilhelm-Raabe-Schule ersetzt. Im gleichen Jahr gründete man an der Hindenburgstraße die Sonderschule Ilten.

Seit 1968 nahm die Schule auch verhaltensauffällige Kinder auf, und 1971 eine folgte eine Klasse für geistig behinderte Kinder. Ihren Namen Im Großen Freien erhielt die Schule 1990, zwei Jahre später lief die Beschulung lernbehinderter Schüler aus. Seitdem ist sie eine Förderschule mit dem Schwerpunkt Sprache in der östlichen Region Hannover.

Das Schulgebäude auf einer alten Postkarte nach der Fertigstellung im Jahre 1912. Quelle: Förderschule Ilten

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Von Oliver Kühn

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