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Sicherheit Der Bahnhof hat einen schlechten Ruf
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00:15 06.02.2013
Von Eike Brunhöber
Aus Sicht der Polizei passiert im und um den Bahnhof relativ wenig. Quelle: Katja Eggers
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Lehrte

Die Clique vor der Treppe ist laut, lacht dreckig, und es stehen eine Menge Bierflaschen vor ihnen auf dem Asphalt. Unten im Tunnel haben Passanten düstere, verkniffene Mienen. Ein abwesend wirkender Mann, scheinbar im Delirium, steht an der Wand und macht langsame Armbewegungen wie ein Yogi. Und auf der Treppe zum Bahnsteig pinkelt ein etwa dreißig Jahre alter Mann an die Wand.

Wer regelmäßig den Bahnhof aufsucht, sieht merkwürdige, manchmal verstörende Szenen. „An welchem Ort fühlen Sie sich besonders unsicher?“, lautete eine Rubrik in unserer Umfrage zum Thema Sicherheit unter fast 600 Bürgern aus Lehrte und Sehnde. Besonders oft genannt wurde der Bahnhof Lehrte und seine Umgebung.

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Lauert dort wirklich Gefahr? Es gibt wenig große Freiflächen, insbesondere an der Bahnhofstraße ist es entlang parkender Autos unübersichtlich, speziell in der dunklen Jahreszeit. Ulrich Bode, Chef der Lehrter Polizei, überrascht es deshalb nicht, dass sich laut Umfrage viele Menschen am Bahnhof und in dessen Umgebung unsicher fühlen. Zudem „gibt es dort Menschen, die von der Norm abweichen“, sagt Bode. „Und manche gehen angetrunken und laut gröhlend durch den Tunnel, im Wartehäuschen auf Gleis11 hat sich auch mal ein Betrunkener zur Ruhe gelegt - aber das gibt es auf jedem Bahnhof“. In Wirklichkeit wirke das Viertel düsterer als es ist: „Es passiert relativ wenig.“

Die Statistik der Polizei verzeichne zwar Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz an der Bahnhofstraße, sagt Bode. Es gebe aber keinen Fall, in dem Fußgänger in Straftaten verwickelt worden seien. Letztlich habe es im Jahr 2012 im gesamten Bahnhofsviertel nur 28 Vorfälle gegeben, von denen Passanten etwas gemerkt haben und die sie als Bedrohung empfunden haben könnten, zum Beispiel eine Prügelei zweier Betrunkener im Tunnel und ein Gäste belästigender Besucher einer Gaststätte, der nach dem Rauswurf randalierte. Andererseits gelte dem Bahnhof „unsere gesteigerte Aufmerksamkeit, denn es ist ein Knotenpunkt, an dem viele Menschen unterwegs sind“, erklärt Bode.