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Coronavirus: Nachbarschaftshilfe wird im Neustädter Land vielerorts aktiviert

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07:00 19.03.2020
Julia Hartmann, Matthias Schmedes und Annika Flender initiieren in Eilvese die Nachbarschaftshilfe. Quelle: Christina Schlicker
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Neustädter Land

Nachbarn helfen Nachbarn. Solche Initiativen schießen in den Dörfern und Städten derzeit überall schnell und unkompliziert aus dem Boden. In Eilvese hat die Initiative „Eilvese hilft“ sofort reagiert und in immer mehr Orten ist es ebenso.

„Die Idee ist 2018 schon entstanden“, sagt Matthias Schmedes. Menschen helfen, die in besonderen Situationen sind, sei damals der Ansatz gewesen. „Wenn sich jemand einen Arm gebrochen hat oder Ähnliches“, fügt er hinzu, dann sollte die Initiative greifen. Einen Einkauf erledigen, eine Fahrt zum Arzt ermöglichen – solche Hilfen hatte er im Blick. Eine gute Nachbarschaft, in der die Menschen aufeinander achten und sich helfen, gebe es ohnehin im Dorf, weswegen die Initiative nur gelegentlich zum Einsatz gekommen sei. Der kleine Kreis mit Hilfsbereiten bestand aber fort und nun hat Schmedes ihn verstärkt aktiviert.

Einkäufe bis an die Haustür

Anfang dieser Woche hat „Eilvese hilft“ Zettel im Ort ausgehängt mit dem Angebot, für sogenannte Risikogruppen und für Infizierte, die unter Quarantäne stehen, Besorgungen zu machen. Die Schwestern Annika Flender und Julia Hartmann übernehmen die Organisation, nehmen telefonisch Bestellungen für Einkäufe an. „Vom Ei bis zur Glühbirne, von der Milch bis zum Küchentuch“ heißt es in dem Aushang, werde alles eingekauft. Nur sperrige und schwere Einkäufe wie Wasser-Kisten sind ausgenommen.

Vorsicht lassen alle, die mithelfen wollen, aber walten: Einkäufe wollen sie beispielsweise vor den Haustüren abstellen, direkter Kontakt soll möglichst vermieden werden. Ganz viele Menschen hätten sich schon gemeldet, die mitmachen wollen, sagt Schmedes. „Aufträge“ sind bislang noch nicht eingegangen. Das Angebot sei doch noch so neu, dass es sich dort erst noch herumsprechen müsse, meint Schmedes.

Auch Hilfe in anderen Orten

Wer in Eilvese Hilfe bekommen möchte, kann sich bei den Schwestern Flender und Hartmann jeweils dienstags und donnerstags, 10 bis 12 Uhr, unter der Nummer (0 50 34) 8 79 26 33 melden, um Bestellungen aufzugeben. Und wer in anderen Ortsteilen Neustadts lebt, sollte sich in seinem Ort umhören: Freiwillige, die helfen wollen, haben sich bereits an vielen Stellen zusammengetan.

In Mandelsloh sind beispielsweise Ortsbürgermeister Günter Hahn und Pastor Christian Steinmeier dabei, eine Initiative zu organisieren. Wer Hilfe benötigt, kann sich bei Hahn unter den Nummern (0 50 72) 71 39 oder (01 71) 772 22 45 sowie per Mail unter g.hahn.tt@gmx.de melden. Steinmeier ist telefonisch erreichbar unter (01 60) 3 65 36 38.

Bordenau sagt „Color my Corona“

In Bordenau wiederum hat die Jugendgruppe der Dorfwerkstatt, die sich den Namen „Color my Life“ gegeben hat, diesen Namen nun zu „Color my Corona“ ergänzt. Wegen Schulausfällen, geschlossener Universitäten und Arbeitsstätten hätten viele von ihnen plötzlich viel Zeit zur Verfügung, sagen die jungen Menschen. Deshalb wollten sie in Bordenau einen Einkaufsservice, Kinderbetreuung, Reparaturarbeiten und auch weitere Besorgungen gerne übernehmen. Henrik Malbrich nimmt Anrufe unter der Nummer (01 76) 55 11 32 19 entgegen, Ole Brackmann E-Mails unter o.brackmann@dorfwerkstatt-bordenau.de.

Der Kirchenkreis Neustadt-Wunstorf bietet ebenfalls Einkaufshilfen an. In den einzelnen Pfarrämtern können sich Menschen ebenso melden wie auch direkt in der Superintendentur unter der Nummer (0 50 32) 59 93 oder bei Kirchenkreis-Sozialarbeiter Reiner Roth unter (0 50 31) 39 07. Weitere Sorgen und Nöte, aber auch Ideen werden dort überall telefonisch oder per Mail ebenso entgegengenommen.

Direkt um Hilfe gebeten hat hingegen ein Paar aus Mardorf, das unter Quarantäne gestellt worden ist. In einer Facebook-Gruppe machte es auf seine Situation aufmerksam und fragte nach, wer womöglich Einkäufe erledigen würde. Auf positive Rückmeldungen mussten die Eheleute nicht lange warten. Die Hilfsbereitschaft scheint groß in diesen Tagen.

Es muss nicht alles schlimm und beängstigend sein in diesen Zeiten der Corona-Krise. Wir suchen jetzt Ihre guten Ideen und mitmenschlichen Taten, um über sie zu berichten. Haben Sie uns etwas mitzuteilen? Dann schreiben Sie der Redaktion eine E-Mail an die Adresse neustadt@haz.de.

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