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Neustadt Enkel erinnert sich an Mandelslohs Strompionier Hermann Laue
Umland Neustadt Enkel erinnert sich an Mandelslohs Strompionier Hermann Laue
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17:16 03.04.2019
Hermann Laue kurz nach der Wende zum 20. Jahrhundert in dem kleinen Kraftwerk am Mandelsloher Ortseingang. Das Gebäude steht noch heute, der Generator ist explodiert. Quelle: Geschi Ridder
Mandelsloh

Vor mehr als hundert Jahren brachte der Schlossermeister Hermann Laue (1883-1968) die Elektrizität und den Nahverkehr nach Mandelsloh. Jetzt freuen sich seine Nachfahren, dass ihrem geschäftigen Großvater so ein Denkmal gesetzt wurde. Bei einem Besuch in der alten Heimat besichtigte Enkel Klaus Ridder (77) am Wochenende den neu gewidmeten Hermann-Laue-Weg hinter dem Friedhof. Gemeinsam mit seinem Bruder Horst hatte er sich für die Widmung eingesetzt. „Ich selbst bewundere meinen Großvater bis heute“, sagt Ridder. Der Meisterbrief seines Großvaters erinnert den Autor im Ruhestand täglich in seinem Büro in Siegburg an die besondere Epoche in der Familiengeschichte – von der ein Teil schon bald verschwinden könnte.

Klaus Ridder besichtigt die Straße, die nach seinem Großvater benannt worden ist. Quelle: privat

Halle könnte bald verschwinden

Zwischen 1905 und 1912 produzierte der Mandelsloher Hermann Laue in einer Halle gegenüber seiner Schlosserei an der Straße Auf den Breiten Strom mit einem eigenen Generator. Ein Schwarzweiß-Foto zeigt die urtümlich anmutende Maschine, daneben Ridders Opa. Stolz und zackig posiert er neben dem Gerät. Von dessen Ende hat Ridders Mutter ihm oft erzählt. „Sie hatte Wache, als der Motor nach einem Defekt immer schneller wurde und letztlich auseinander flog“, erzählt Ridder. „Diese Geschichte habe ich immer wieder erzählt bekommen, es hat sich wohl als bleibendes Angsterlebnis eingeprägt“, sagt er.

Das Schweröl für das kleine Kraftwerk bezog Laue aus Rumänien. Nach dem Zwischenfall wurden in dem Gebäude Gerätschaften zum Aufbau eines Stromnetzes rund um Mandelsloh aufgestellt. Produziert wurde nun nicht mehr selbst, der Strom kam nun durch Überlandleitungen in das Dorf. Wie lange die ehemalige Halle noch an diese Epoche erinnert, ist derzeit ungewiss. Nach einem Verkauf könnte der steinerne Zeuge bald abgerissen werden.

Hermann Laue, hier auf dem Rücksitz seines „Omnibus“, starb unter mysteriösen Umständen. Quelle: privat

Laues Tod wirft Fragen auf

Für die Enkel ist auch deshalb die Widmung mehr als ein Verwaltungsakt. „Hermann Laue kann als Pionier bezeichnet werden. Er war jemand, der außergewöhnliches in Mandelsloh geleistet hat“, sagt Ridder. Als Journalist hat er die Erinnerungen an seinen Großvater aufgeschrieben.

Dessen Ende wirft bis heute Fragen auf. Neben dem Stromhandel startete Laue in Mandelsloh ein „Omnibusunternehmen“. Mit einem Partner kaufte er im frühen 20. Jahrhundert ein großräumiges Auto. Mit dem fuhr er nach festem Fahrplan Fahrgäste nach Hannover, Mellendorf, Neustadt und zurück. Laue, der zeitlebens vermögend gewesen war, starb 1968 nach einem Sturz von der Kellertreppe. „Mysteriös war, dass er diese Treppe sonst nie mehr benutzt hatte“, sagt Ridder. Seltsam erschien auch, dass für die Beerdigung kein Geld mehr vorhanden war. Die letzten Lebensjahre hatte Laue mit einer Haushälterin allein in Hannover verbracht. Sie habe auch das Haus, in dem er lebte, überschrieben bekommen, sagt Ridder.

Ein Porträt des Mandelsloher Strompioniers Hermann Laue. Quelle: privat

Von Mario Moers

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