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Nachrichten Winterquartier für Gänse aus Sibirien
Umland Neustadt Nachrichten Winterquartier für Gänse aus Sibirien
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00:15 28.12.2016
Von Nadine Kirst
Leserin Tanja Helms gelang diese eindrucksvolle Aufnahme an einem Acker bei Bordenau. Quelle: Tanja Helms
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Neustadt

Leserin Tanja Helms gelang eine großartige Aufnahme auf einem Acker bei Bordenau. Das Bild zeigt Blessgänse, die hierzulande ihr Winterquartier bezogen haben, sagt Diplom-Biologe Thomas Brandt, wissenschaftlicher Leiter der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer (ÖSSM). Vor allem arktische Gänse aus der sibirischen Tundra legten auf dem Weg in die Süden in hiesigen Gefilden eine Pause ein. Während die ersten Tiere bereits im September kommen, folge das Gros bis Ende Oktober. „Wie lange sie bleiben, ist komplett wetterabhängig, so Brandt.

„Finden die Tiere eine geschlossene Schnee- oder Eisdecke vor, ziehen sie weiter. Ist dagegen genügend Nahrung vorhanden, bleiben viele Vögel auch den ganzen Winter über.
Auf Äckern und Wiesen suchen die Vögel Nahrung. Rund ums Steinhuder Meer, an der Leine und der Weser fänden die Tiere ideale Bedingungen vor. Vor allem Gras und Regenwürmer stehen auf ihrem Speiseplan. Nachts fliegen die Vögel auf größere Seen und Gewässer, um zu ruhen. „Am Morgen erheben sie sich in großen Schwärmen, um zum Fressen aufs Land zu fliegen“, sagt Brandt.
In diesem Jahr habe der frühe Wintereinbruch im November dafür gesorgt, dass viele Tiere bereits weitergeflogen sind.

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„Und so sehen wir in diesen Monaten weniger Vögel als sonst“, sagt Brandt. Rund 3500 Tiere zählten die Mitarbeiter der ÖSSM jüngst an einem Tag, darunter vor allem Bless- und Saatgänse. Aber auch Graugänse, die das ganze Jahr über hier leben, sind zu beobachten“, sagt Brandt.

Wer sich in diesen Tagen die Zeit nimmt, um beispielsweise am Westturm oder am Ufer vor der Moorhütte unterwegs ist, kann zudem Haubentaucher, Silber- und Graureiher sowie Kormorane beobachten. Die Mitarbeiter der ÖSSM halten ihre Beobachtungen regelmäßig in Blogeinträgen im Internet auf www.oessm.org/blog/ fest. Dort ist nachzulesen, dass sie am 19. Dezember 26 Silberreiher und sogar einen Eisvogel beobachtet haben. Naturfreunde können zudem der ÖSSM ihre Beobachtungen schildern und Fotos per E-Mail an blog@oessm.org zur Verfügung stellen. Daraus werden weitere Blogeinträge gespeist.

Wer sich zu einem Spaziergang aufmacht, um die scheuen Tiere zu beobachten, müsse sich indes keine Sorgen wegen der Vogelgrippe machen, sagt Thomas Brandt. „Mir ist entgegen allen Meldungen kein Fall bekannt, bei dem ein Spatz oder eine Wildgans Überträger der Krankheit ist“, so der Diplom-Biologe. Tote Vögel sollten dennoch nicht angefasst werden. Die Region Hannover will voraussichtlich bis Ende des Jahres die wegen der Krankheit eingerichteten Sperrzonen aufheben.

Nabu lässt die Wintervögel zählen

Deutschlands größte Vogelzählung steht an. Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ruft erneut die „Stunde der Wintervögel“ aus. Naturfreunde sollen vom 6. bis 8. Januar eine Stunde lang die Vögel an Futterhäuschen, im Garten, im Park oder auf dem Balkon zählen. Der Ergebnisse werden anschließend im Internet unter www.stundederwintervögel.de gemeldet.

Die Stunde der Wintervögel ist laut Nabu die größte wissenschaftliche Mitmachaktion Deutschlands. Im Januar dieses Jahres haben 93.000 Menschen im Dienste der Wissenschaft Vögel beobachtet und ihre Daten eingegeben. In 63.000 Gärten und Parks wurden dabei mehr als zwei Millionen Tiere gezählt. Der Haussperling wurde am häufigsten ausgemacht. Kohlmeise, Blaumeise, Feldsperling und Amsel folgten.