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Umland Neustadt Nachrichten Großer Empfang für eine Abenteurerin
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21:23 25.07.2014
Gefeierte Weltenbummlerin: Oma Inge. Quelle: Carola Faber
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Neustadt

Über einen roten Teppich rollt Inge Fälchle auf dem geschmückten Hof in Amedorf ein. Oldtimerfreund Jakob Böhm begleitet den Einzug auf dem Akkordeon mit dem Lied „Lustig ist das Zigeunerleben“. Die 65-jährige Amedorferin hat eine 6000 Kilometer lange Reise zum Nordkap allein mit ihrem alten Trecker hinter sich. Jetzt wird sie von Familie, Freunden und Nachbarn begeistert begrüßt.

Pünktlich kam „Oma Inge“, wie ihre Familie sie nennt, aber nicht an. Auf dem Weg hatte sie angehalten, um ihrer Freundin Annegret Klausing zum 60. Geburtstag zu gratulieren. „So viel Zeit muss sein“, meint sie. Denn eines habe sie auf der gut dreimonatigen Tour gelernt: Alles mal ein bisschen ruhiger angehen zu lassen.

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Inge Fälchle ist mit dem Trecker von Amedorf bis ans Nordkap gefahren. Jetzt ist sie wieder zurück und wurde feierlich empfangen.

„Eine tolle Frau ist unsere Inge Fälchle“, findet der stellvertretende Bürgermeister des Dorfes, Günter Hahn, der der Heimkehrerin gestern zur Begrüßung einen Blumenstrauß überreichte. Insgesamt 93 Tage war die Treckerliebhaberin mit ihrem Oldtimer im Durchschnittstempo zwischen 15 und 20 Stundenkilometern zum Nordkap und zurück unterwegs.

Wichtigstes Utensil während der Reise? Das eigene Bett mit Lattenrost. „Wenn ich das nicht im Wohnwagen mitgenommen hätte, wären meine Nächte nicht so angenehm gewesen“, sagt die 65-Jährige. Nachdem Verwandte, Freunde und Nachbarn die Weltenbummlerin mit viel Applaus empfangen hatten, wurde noch ordentlich auf dem Heimathof an der Amedorfer Straße gefeiert – und „Oma Inge“ musste viele Fragen beantworten.

Auch einsame und kalte Momente habe sie erlebt, gibt Inge Fälchle zu. Mit Wärmflasche und einer beheizbaren Weste wurde es etwas leichter. Am Anfang habe die Lichtmaschine des alten Kramer Probleme gemacht, aber der Schaden konnte schnell behoben werden. „Unterwegs habe ich viele nette Menschen getroffen, die mit mir ihre Mahlzeiten teilten oder einen Übernachtungsplatz anboten. So eine Reise ist etwas unglaublich Schönes. Ich würde es wieder wagen“, sagt die Amedorferin. Und nach einer Pause: „Nur nicht in allzu naher Zukunft.“

Von Carola Faber