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Umland Neustadt Nachrichten Vier Männer zeigen viel Zivilcourage
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00:16 18.10.2017
Von Kathrin Götze
Karin Bielert Boppert (von links) reicht Pascal Kurth (16), Igor Lebedev (32), Pascal Brandts (18) und Luca Ben Bertram (17) schicke Uhren als Dankesgeschenke. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Zu dritt waren die Männer an einem Montagvormittag im Januar in das Geschäft gestürmt, hatten mit einer Pistole herumgefuchtelt und Reizgas versprüht. Vor den Augen der erschrockenen Angestellten schlugen sie Vitrinen ein, rafften teure Uhren zusammen. Vor der Tür trennten sie sich, jeder flüchtete in eine andere Richtung. Der Neustädter Igor Lebedev, auf dem Weg zu einem Arztbesuch, sah, wie einer von ihnen ein Fahrrad bestieg, hörte, wie eine Frau "Überfall" schrie und nahm die Verfolgung auf.

"Ich habe gar nicht weiter nachgedacht", sagt der 32-jährige Maurer achselzuckend. Er folgte dem Flüchtenden in Richtung Schlossgarten. An der Haltestelle vor dem Amtsgericht warteten Pascal Kurth, Pascal Brandts und Luca Ben Bertram auf den Bus. Lebedev rief ihnen zu, sie sollten den Mann aufhalten. "Er ließ sein Fahrrad stehen und rannte in den Park", schildert Bertram. Die drei teilten sich auf, um dem Räuber den Weg abzuschneiden. "Das lief wie automatisch ab", sagt Bertram.

An der Bastionsspitze im Amtsgarten stellten er und Lebedev den Räuber. Der habe offenbar gerade versucht, den Rucksack mit der Beute zu verstecken, trug eine Pistole in der Hand. "Ich habe sie ihm weggenommen, und ihn festgehalten. Er hat sich nicht gewehrt", sagt Lebedev. Da wusste er noch nicht, dass die Waffe nur eine Attrappe war. "Meine Frau hat mir später Vorwürfe gemacht", sagt Lebedev mit einem Lächeln, deutet auf Emma Hinkl und die beiden Söhne Maick und Leon, die zum Bielert-Besuch mitgekommen sind. Auch Bertram, heute 17, hörte von seinem Vater nachher, wirklich klug sei das Eingreifen nicht gewesen. "Ich weiß nicht, ob ich das nochmal machen würde - wenn man so drüber nachdenkt, was alles hätte passieren können", sagt der Auszubildende nachdenklich.

Kopfschüttelnd hört Geschäftsführerin Karin Bielert-Boppert die Schilderungen. "Was sind das nur für Zeiten", sagt sie. Sie hätte sich gern früher bedankt, doch die Polizei gab mit Hinweis auf das schwebende Verfahren die Namen erst heraus, als auch der letzte der drei Täter abgeurteilt war. Es waren reisende Räuber aus Litauen, die Hintermänner werden noch gesucht.

Sowohl die Familie als auch die Angestellten hätten nach der Tat lange mit dem Schock zu kämpfen gehabt, zwei Mitarbeiterinnen wechselten sogar den Beruf. "Wir wollten immer ein offenes Haus, in das jeder reinkommt und wo jeder etwas Schönes für sich findet", sagt die Geschäftsfrau. Nun habe die Versicherung aber zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen auferlegt. "Wir haben einen Wachmann an der Tür - und nächste Woche bauen wir eine Schleuse - dann muss man klingeln und wird eingelassen." Sie hoffe, die Kundschaft komme trotzdem weiter gerne ins Geschäft.

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