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Umland Neustadt Nachrichten "Und den Preis zahlen die Unschuldigen"
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13:00 22.01.2017
Eine beeindruckende Zeichnung Hayel Nasrs zeigt Kinder in einem zerstörten Keller. Quelle: von Werder
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Neustadt

"Es sind immer die Unschuldigen, die den Preis von Krieg und Terror bezahlen", sagt der 39-Jährige. Und entnimmt seiner Dokumentenmappe eine Zeichnung, die eine einzige Anklage ist: Zwei Kinder, Mädchen und Junge, werfen durch die Eisenmatten einer zerstörten Kellerdecke Blicke nach oben - fragend, verzweifelt. "Was habt Ihr uns getan?" Kleine Hände umfassen einen Draht, der Halt gibt und doch Haltlosigkeit vermittelt, dunkel droht die Tiefe unter den beiden.

Hayel Nasr hat auch zwei Kinder in Syrien. Drei und neun Jahre alt leben sie mit ihrer Mutter in einer Kleinstadt nahe Damaskus. Nasr möchte sie gerne nach Deutschland holen; die Flucht seinerzeit sei zu riskant gewesen. Ob sein Gastgeberland ihm genehmigt, sie einreisen zu lassen? "Ist offen", sagt er. Offen, wie so vieles. Am Mittwoch erst hat er eine zweite Anhörung gehabt, musste zum "BAMF", dem Bundesamt für Migartion und Flüchtlinge. In Kürze, so hofft er zumindest, wird er wissen, ob er ein befristetes Bleiberecht erhält, über ein Jahr, über drei Jahre. Wird es überhaupt lohnen, sich weiter um eine Einreise der Familie zu bemühen?

Nasr und Familie gehören den Drusen an; einer Religionsgemeinschaft, die sich vor rund 1000 Jahren von der ismailitischen Schia abgespaltet hat. Bei extremen Muslimen gelten Drusen wie beispielsweise auch Christen als "ungläubig", können verfolgt, getötet werden. "Was ist das für eine Welt? fragt Nasr in einem Deutsch, das er sich in nur 14 Monaten angeeignet hat, das aber gut verständlich ist. "Wir haben zuhause immer gut mit allen Glaubensrichtungen zusammengelebt, haben zusammen die großen Feste gefeiert". Dann kam der Krieg; ein Bürgerkrieg zunächst und das Chaos. Syrien ist zum Schlachtfeld geworden, auf dem sich Islamisten, arabische Staaten, Amerikaner, Russen, Europäer mehr oder weniger offen tummeln, um sich Macht und Einfluss zu sichern.

In Deutschland würde er gerne bleiben, würde arbeiten - wie in der Heimat als Grafik-Designer oder Kunstlehrer. "Hayel ist total engagiert, seine Sachen selbst zu regeln", sagt die Neustädterin Gesa Elsner, die ihm bei Behördengängen und Formalien hilft, aber auch längst "zur guten Freundin geworden ist". Sie hofft, dass Hayel Nasr eine Zukunft in Deutschland hat - mit Familie.

Flucht-Gedanken in der Liebfrauenkirche

In Neustadts Liebfrauenkirche haben Gesa Elsner und Hayel Nasr am Sonntag, 15. Januar, 11.30 Uhr mit dem Programm "Flucht-Gedanken" einen gemeinsamen Auftritt. Auch Nayef Hinawe und Neeske Tiammet Elsner sind dabei. Es gelte "Wort-Grenzen zu überwinden, Fluchterfahrungen zuzulassen", heißt es in der Einladung, musikalische wie literarische Beiträge sollen dazu anregen. Das Programm werde ständig weiterentwickelt, sagt Gesa Elsner, am 28. Januar, 17.30 Uhr, wird es im Cafe Augenblick aufgeführt; weitere Veranstalter (Kirchengemeinden, Schulen) sind willkommen.

Gesa Elsner hilft Hayel Nasr. Quelle: von Werder

Von Dirk von Werder

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