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Umland Neustadt Nachrichten Opfer liebt den Messerstecher
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17:14 01.11.2013
Das Landgericht Hannover muss über einen Mann urteilen, der seine Frau niedergestochen hat.
Das Landgericht Hannover muss über einen Mann urteilen, der seine Frau niedergestochen hat. Quelle: Symbolbild
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Neustadt

Die schonungslos ehrliche Schilderung der jungen Frau, die sich selbst eine Mitschuld an der Messerattacke gibt, überraschte das Gericht. Denn in einer früheren Vernehmung war davon nicht die Rede gewesen. „Ich bin impulsiv und aggressiv“, räumte sie jetzt ein. Ihre zweijährige Ehe sei von gegenseitiger Gewalt geprägt: „Ich habe ihn auch schon mal mit dem Messer bedroht.“ Am Tatabend, dem 2. Juni, gab es wieder einmal Streit darüber, dass die 29-Jährige zuweilen der Prostitution nachging. „Mach nicht unser Leben kaputt, mach nicht meinen Kopf kaputt“, habe er zu seiner Frau gesagt, berichtete der wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagte 28-jährige Afrikaner.

„Vor der Tat saß er stumm auf dem Sofa, den Kopf gesenkt. Er reagierte auf gar nichts“, erklärte seine deutsche Frau. Sie habe alles versucht, um ihn zum Reden zu bringen. „Haben Sie ihn vielleicht auch als Drecksnigger bezeichnet?“, fragte der Vorsitzende Richter Frank Rosenow. „Kann schon sein“, räumte die Frau ein. „So habe ich ihn oft genannt.“ Trotz aller Verletzungen und Provokationen wollen beide Partner verzweifelt an dieser Ehe festhalten. Die Neustädterin hat drei Kinder, eins mit dem Angeklagten. Die beiden Älteren sahen ihre Mutter blutüberströmt im Wohnzimmer.

Das Verfahren wurde gestern ausgesetzt, weil das Gericht einen psychiatrischen Sachverständigen hinzuziehen will.

Jutta Oerding

Kathrin Götze 30.10.2013