Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Neustadt 1208 tote Schweine: Justiz rechtfertigt Bewährungsstrafe für Züchter
Umland Neustadt

Neustadt: Anklage gegen Eilveser Schweinezüchter erhoben

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:52 17.06.2020
Die überlebenden Schweine wurden nach dem Massensterben von dem Hof in Mardorf abtransportiert. (Archiv) Quelle: Mario Moers
Anzeige
Neustadt

Eine Freiheitsstrafe von neun Monaten auf Bewährung – diese Strafe hat ein 28-jähriger Landwirt erhalten, nachdem 1208 Ferkel in seiner Obhut verendeten. Damit bleibt die Strafe deutlich unter dem Höchstmaß – das Tierschutzgesetz sieht hier eine Haftstrafe von drei Jahren vor. Am Mittwoch äußerten sich die Staatsanwaltschaft Oldenburg und das nun zuständige Amtsgericht Neustadt zum Strafmaß in der Anklage gegen einen Eilveser Schweinezüchter. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Oldenburg, Thorsten Stein, bewertet das Strafmaß dennoch als nicht gering. „Die erhebliche persönliche und wirtschaftliche Belastung sowie den Schaden an der Reputation muss man dabei berücksichtigen,“ sagt Stein. Jens Wesche, der stellvertretende Direktor des Amtsgerichts in Neustadt, sieht den tragischen Vorfall „im Grenzbereich von Vorsatz und Fahrlässigkeit“. Fahrlässigkeit allein ist nach dem Tierschutzgesetz nicht strafbar.

Verhungert und verdurstet

Nach Informationen des Landvolks verhungerten und verdursteten die 1208 Schweine in einem gepachteten Stall in Mardorf, weil der 28-jährige Landwirt die Versorgung aufgrund persönlicher Probleme nicht gewährleisten konnte. Auch diese Umstände und die Sozialprognose des Beschuldigten würden bei dem Strafmaß berücksichtigt, sagt Wesche. Er hat nun die Gelegenheit, gegen den Strafbefehl Einspruch einzulegen. Zu einer Verhandlung käme es nur in dem Fall, das er das bestimmte Strafmaß so nicht akzeptiert.

Anzeige

Neuer Betreiber kontrolliert

Der Eigentümer des Stalls in Mardorf distanziert sich derweil von dem Vorfall. Tatsächlich hatte er die Anlage damals an den Eilveser Schweinebauern verpachtet. Er war zu dem damaligen Zeitpunkt nicht für den Betrieb verantwortlich.

Die Region Hannover hat den betreffenden Stall unterdessen im Frühjahr kontrolliert. Er wird heute von dem Eigentümer selbst betrieben. Es sind dort wieder Schweine untergebracht. „Der neue Betreiber hat sämtliche Auflagen, die seit der Schließung durch die Region auferlegt waren, erfüllt“, sagt Regionssprecherin Sonja Wendt. Dazu gehörten etwa Reparaturen an den Anlagen. Die Kontrolle sei vor Ort vorgenommen worden.

Lesen Sie auch

Von Mario Moers