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Neustadt Mit diesen Ideen lassen sich Fachkräfte finden und halten
Umland Neustadt

Neustadt: Arbeitskräfte gesucht? Mittelstandsforum holt sich neue Ideen

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17:08 07.11.2019
Peter Gerhold (links) dankt Ulrich Ueckerseifer mit einem Präsent. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Am liebsten ist es ihm, wenn ihn die einen als linke Socke bezeichneten und die anderen als Knecht des Kapitals. „Das ist mir neulich an einem Abend gelungen, da war ich stolz“, sagt Ulrich Ueckerseifer. Der Wirtschaftsjournalist vom Westdeutschen Rundfunk hat den Mitgliedern des CDU-Mittelstandsforums MIT am Mittwochabend auf unterhaltsame Weise Ideen gegen den Fachkräftemangel vermittelt.

Arbeitskräfte werden knapp

Fachkräftemangel? Arbeitskräfteknappheit müsste es laut Ueckerseifer wissenschaftlich korrekt heißen. Damit könne es wohl ganz so schlimm noch nicht sein, sagte er provokant. Schließlich seien die Löhne in Deutschland noch nicht signifikant gestiegen. Dennoch: Das Thema werde die deutsche Wirtschaft weiter beschäftigen. Denn die Bevölkerung schrumpft, spätestens seit dem ersten „Pillenknick“, der Mitte der Sechzigerjahre begann. Einen zweiten Schub gab es dann in den Neunzigerjahren – „viele Frauen, die dann Mütter hätten werden können, sind ja gar nicht geboren worden“, sagte Ueckerseifer.

Was, wenn Babyboomer in Rente gehen?

In Frankreich oder Schweden seien die „Pillenknicks“ nicht so stark ausgefallen. „Familienpolitik kann helfen“, schließt der Journalist daraus. In Deutschland werden die Arbeitskräfte aber noch einmal deutlich knapper werden, spätestens wenn die „Babyboomer“ in Rente gehen, die bis Mitte der Sechzigerjahre geboren sind. In einer Befragung habe er aber bereits jetzt aus 96 Prozent aller Betriebe gehört, dass es schwer sei, Mitarbeiter zu finden.

Pfiffige Ideen helfen, Aufmerksamkeit zu finden

Gute Ideen könnten helfen, meint Ueckerseifer, stellt pfiffige Internetauftritte vor, mit denen es ein Bäcker und eine Zangenfabrik versuchen. Der Clou beim Bäcker: Dank computergesteuerter Reifekammern müssen die Mitarbeiter nicht schon um 4 Uhr anfangen, sondern erst um 6 Uhr – ein Argument, das vielleicht manchen Jugendlichen überzeugen mag. Die Wuppertaler Firma Knipex betreibt sogar eine eigene Homepage, um Auszubildende anzusprechen. Sie trägt den vielversprechenden Titel www.die-lehre-deines-lebens.de und ist außerordentlich pfiffig gestaltet. Dass direkt auf der Seite Fragen zur Bewerbung beantwortet werden und sie auch bei Instagram verlinkt ist, ist laut Ueckerseifer nur konsequent.

Kooperationen finden gemeinsame Lösungen

Für kleinere Betriebe können Kooperationen interessanter sein, wie das berufliche Ausbildungsnetzwerk im Gewerbebereich aus Westfalen, dessen Abkürzung BANG auch bei jungen Leuten ankommen dürfte. Es kümmert sich um Berufsorientierung, Bewerbervorauswahl und Fachkräfteförderung. Neu im Programm ist ein Projekt, das speziell Mütter mit Migrationshintergrund beim Wiedereinstieg in den Beruf unterstützen will.

Für viele ist das Problem nicht neu: Etliche Neustädter Unternehmen haben schon starke Strategien entwickelt, um Fachkräfte zu finden und zu binden. Doch nicht alle haben damit zu tun, wie unsere Umfrage zeigt.

So etwas ist für Neustadt vielleicht ein wenig weit hergeholt, ebenso wie die englischsprachige Werbeseite der Metropolregion Nürnberg, die gezielt Polen anspricht, die wegen des Brexits britische Arbeitsverhältnisse aufgeben müssen. Aber Netzwerke haben die Betriebe schon, sei es in den Kammern oder auch beim Ausbilderfrühstück. So weit, dass diese auch mit gemeinsamen Auftritten um Auszubildende oder Fachkräfte werben könnten, sind sie allerdings noch nicht.

Zugreifen, wenn anderswo freigesetzt wird

Dass man Fachkräfte gewinnt und hält, indem man sich um Kinderbetreuung und Gesundheit der Mitarbeiter kümmert, Fortbildungsmöglichkeiten bietet und in der Ausbildung unterstützt, dürften viele Arbeitgeber schon wissen – wenn auch die Umsetzung nicht so leicht ist wie die Erkenntnis. Unter dem Stichwort „Klau bei den Großen“ sprach Ueckerseifer einen Punkt an, den viele vielleicht noch nicht beachten: Wenn im Strukturwandel bei Großfirmen wie Continental oder VW Arbeitskräfte in Massen entlassen werden, „da würd’ ich mich vors Werkstor stellen“, sagt Ueckerseifer. Auch, wer das nicht tut, nimmt vielleicht Anregungen mit. Oder hatte zumindest einen unterhaltsamen Abend.

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Von Kathrin Götze

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