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Neustadt Die Ära von Bürgermeister Uwe Sternbeck neigt sich dem Ende zu
Umland Neustadt

Neustadt: Die Ära von Bürgermeister Uwe Sternbeck geht zu Ende

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19:10 24.10.2019
Glücklicher Gewinner: Uwe Sternbeck mit Familie am Wahlabend, dem 25. Juni 2004. Rechts im Bild ist neben Parteifreundin Ute Lamla auch schon Nachfolger Dominic Herbst zu sehen - damals war er 17. Quelle: Frank Oheim (Archiv)
Neustadt

Die Kisten sind gepackt, die Übergabe ist vorbereitet. In wenigen Tagen wird Uwe Sternbeck sein Amt an Nachfolger Dominic Herbst weitergeben. Dann hat er 15 Jahre lang Stadt und Verwaltung geleitet, als erster hauptamtlicher Bürgermeister Neustadts.

Wahlsieg 2004 war große Überraschung

Dass er dieses Amt errang, war seinerzeit eine kleine Sensation: Ein Grüner gewann die Wahl in der konservativ geprägten Ackerbürgerstadt. Mit nur 29 Stimmen Vorsprung siegte er gegen die von SPD, CDU und FDP aufgestellte Kandidatin Astrid Waldt. Sternbeck stieg ins Amt ein mit dem Anspruch, er wolle ein Bürgermeister für alle Neustädter sein. Offenbar ist ihm das weitgehend gelungen, zur zweiten Wahlperiode ab 2011 siegte Sternbeck mit Zweidrittelmehrheit gegen Mitbewerberin Cornelia Schulze (CDU). Und Nachfolger Dominic Herbst legte mit 59,6 Prozent der Stimmen in der Stichwahl gleich einen deutlichen Abstand zu Konkurrentin Christina Schlicker hin.

Zwei Ämter in einer Person vereint

Der Einstieg in die neue Aufgabe wird für Herbst – trotz des Computervirenbefalls in der Stadtverwaltung – geordneter ablaufen als Sternbecks. Der musste sein Amt quasi neu erfinden, nachdem der Rat Stadtdirektor Dieter Häseler Monate zuvor abgewählt und aus dem Rathaus gejagt hatte. Verwaltungsspitze einerseits, Repräsentationspflichten andererseits: Das galt es in einer Person zu vereinen. Auf seine Art, mit dem Fahrrad und als guter Zuhörer begann er, auch die Dörfer auf Denkmaltouren und Sommerbesuchen zu erschließen. In Sternbecks Reden hörte man nach wie vor eher einen Verwaltungsmenschen, der sich gern mit Vorschriften und Verfahrensschritten beschäftigt, als einen hemdsärmeligen Volksfreund.

15 Jahre, 15 Bilder: Ein fotografischer Rückblick auf Uwe Sternbecks Amtszeit, ganz ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Er zeigt gute und weniger gute Momente aus dem Alltag des Stadtoberhaupts.

Moderator bezieht die Bürger immer mehr ein

Seine Taten aber gingen darüber hinaus: Schritt für Schritt öffnete er die Verwaltung zum Bürger, sortierte die Fachbereiche neu und begann, die Neustädter in Planungsprozesse intensiv mit einzubeziehen. Seine Rolle war dabei eher die des Moderators als die des Machers. Viele Prozesse gingen langsamer, als es sich Politiker und Bürger wünschten, Konzepte und Gutachten kosteten Zeit und Geld. Doch Sternbeck drang darauf, die Dinge planvoll und systematisch anzugehen – das war seine Art, der Größe und Vielfalt des Neustädter Landes gerecht zu werden.

Dörfer im Kampf um Infrastruktur

Dort gab und gibt es viel zu sortieren: Eine Mammutaufgabe, die sich durch Sternbecks Amtszeit zog und nach wie vor nicht bewältigt ist, ist der Ausbau der Kinderbetreuung. Erst 2006 gab es erste Diskussionen, ob Kinder schon mit zwei Jahren in städtischen Tagesstätten betreut werden könnten – heute sind Krippenplätze in fast allen Einrichtungen Standard. Und die frühe Betreuung zieht Bedarfe auch für die älteren Kinder nach sich. Da braucht es immer wieder neue Konzepte, ebenso wie für die Schulentwicklung, mit der sich aktuell zahlreiche Lehrer, Eltern und Schüler beschäftigen. In dieser Frage tritt häufig noch der Kampf der Dörfer um Infrastruktur zutage, die bei knappen Ressourcen neu verteilt werden muss.

Gute Beispiele für die Dorfentwicklung

Erste Erfolge in dieser Hinsicht brachte das integrierte ländliche Entwicklungskonzept, das politische Akteure in die Diskussion einbrachte, gefolgt von der Dorferneuerung im Mühlenfelder Land, das half, aus konkurrierenden Dörfern Nachbarn zu machen und inzwischen weit über Neustadts Grenzen hinaus Furore macht. Auch die Siedlungsentwicklung auf den Dörfern galt es zu ordnen, um Wildwuchs an den Dorfrändern zu vermeiden – an dieser Stelle kam auch der Grüne Sternbeck mal zu seinem Recht.

Grenzen von innen und außen gesteckt

Weitere Initiativen für Klima- und Umweltschutz blieben in Ansätzen stecken. Statt sich auf eine einheitliche Baumschutzsatzung für die Stadt zu einigen, beschlossen die Politiker, bestehende Satzungen abzuschaffen – dem Baumbestand in der Stadt hat das nicht gut getan. Und auch politisch gewollte Projekte wie das Bestücken der Dächer öffentlicher Gebäude und der Ausbau der Windkraft im Neustädter Land wurden gestört, diesmal, weil Bundesgesetze die Entwicklung stoppten. Solche und andere Einflüsse von außen hat Sternbeck oft beklagt, insbesondere auch in den Haushaltsberatungen. Mehr Aufgaben für die Kommunen, ohne dass Bund oder Land auch den finanziellen Ausgleich regelten, das kam in fast jeder Haushaltsrede vor. Sternbeck engagierte sich intensiv im Städtetag, auch um dagegen vorzugehen.

Rathausstreit ist schwerste Niederlage

Ein politisch lange Zeit wenig gelittenes Ziel hat Sternbeck noch nicht erreicht, aber auf den Weg gebracht: die Stadtverwaltung in einem einheitlichen Gebäude unterzubringen, das den Ansprüchen an Arbeitsplätze genügt. Damit verbindet sich aber auch seine schwerste Niederlage: Im politischen Hickhack um ein neues Rathaus und dessen Standort verrannte sich die Verwaltung dabei, eine geforderte Bürgerbefragung zum Standort abzulehnen. Initiator Dirk Salzmann zog vor Gericht und siegte. Es folgte ein harter Wahlkampf, der auch mit persönlichen Angriffen einherging. Nachdem das Quorum knapp nicht erreicht wurde läuft die Planung am Standort Marktstraße Süd weiter. Doch Sternbeck traf seine Entscheidung: Für eine dritte Amtszeit trat er nicht wieder an.

Nach dem Amt folgt eine Auszeit

Was er nun stattdessen vorhat, lässt der 57-jährige noch offen. Er wird wohl zunächst eine Auszeit nehmen. Im vergangenen Jahr, seitdem er seinen Verzicht auf die Kandidatur kundgetan hat, spürten Beobachter, dass wohl manche Last von ihm abgefallen ist.

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