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Neustadt Wenn ein Beo aus dem Braunschweiger Zoo japanische Zungenbrecher aufsagt
Umland Neustadt

Neustadt: Die Videokünstlerin Fumiko Kikuchi stellt im Schloss Landestrost aus

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10:12 22.11.2019
Die japanische Künstlerin Fumiko Kikuchi präsentiert ihre Video-Installationen im Schloss Landestrost. Quelle: Susann Brosch
Neustadt

Mit ihren Videoinstallationen beleuchtet die japanische Künstlerin Fumiko Kikuchi die Tücken der Sprache und daraus resultierende Missverständnisse. Diese sind von Donnerstag, 28. November, bis zum 21. Dezember im Schloss Landestrost zu sehen. „Ein Ausdruck in einer Sprache hat unter Umständen in einer anderen Sprache gar kein vergleichbares Wort“, sagt sie.

Die 33-jährige untersucht die Auswirkungen von Sprache auf unser Denken, Erinnern und Handeln. Vorstellungswelten, die durch mündliche Erzählungen entstehen, spielen dabei ebenso eine Rolle wie Missverständnisse, die durch Hören, Sprechen oder den Transfer von einer zur anderen Sprache verursacht werden. In der Kurzvideoserie „Reaction“ dokumentiert die Japanerin Personen aus drei verschiedenen Kulturkreisen. Sie berichten jeweils von einer emotionalen Situation, in der sie spontan wieder in ihre Muttersprache verfallen sind, obwohl alle schon längere Zeit in Deutschland leben.

Großvater beschreibt den Himmel

Ausstellungskuratorin Jennifer Bork beeindruckt ein Video besonders. In einer Installation ist die Stimme eines mittlerweile verstorbenen japanischen Großvaters wiedergegeben. Er erzählt seiner Enkeltochter von seinen Besuchen im Himmel. „Das interessante ist, dass der an Demenz leidende ältere Herr diese Erlebnisse für real hält und sie sehr detailliert beschreibt“, erzählt Bork. Die Künstlerin hat dazu sehr gefühlvolle Kreidezeichnungen mit der Stop-Motion-Technik animiert. „Mit schwarzer Tafelfarbe habe ich ein Holzbrett im Format von ein Meter mal 70 Zentimeter bemalt und mit weißer Schulkreide die Szenen aus der Vorstellung meines 90-jährigen Großvaters gezeichnet“, berichtet die Japanerin. Für die Animation hat sie drei Monate gebraucht und daraus den sechs-minütigen Film „I Know Where You are Right Now“ geschnitten.

Einem Beo (Vogelart) im Braunschweiger Zoo, versuchte die Künstlerin einen japanischen Zungenbrecher beizubringen. „Mit dem Film „There are Chicken in Garden“ thematisiere ich die Nachahmung von Lauten ohne deren Sinn zu verstehen“, erläutert sie. Darüber hinaus dokumentiert sie mit dem Video „Glück auf“ die Rolle der japanischen Gastarbeiter im Ruhrgebiet der Sechzigerjahre. Sie wurden vor allem für den Bergbau angeworben. Die allzu wörtliche Übersetzung des Wortes Gast brachte viel Verwirrung. „Einige der Arbeiter erwarteten eine bevorzugte Behandlung in einer höheren Stellung und keine harte Arbeit im Grubenschacht“ erläutert die Kuratorin.

Zur Person: Fumiko Kikuchi

Fumiko Kikuchi wurde 1986 in Hokkaido, Japan, geboren und studierte an der Nihon Universität Malerei und Druckgrafik. Nach ihrem Umzug nach Deutschland wechselte sie das Medium und fing an Filme und Videos zu machen. Sie studierte an der Hochschule für Bildende Künste in Brauschweig in der Klasse der Videokünstlerin Candice Breitz. Aktuell lebt sie in Hannover. Sie erhielt verschiedene Preise und Stipendien, zuletzt vom Künstlerhaus Lauenburg.

Die Ausstellung „Beyond“ der japanischen Künstlerin Fumiko Kikuchi im Schloss Landestrost beginnt mit der Vernissage am Donnerstag, 28. November, um 19 Uhr. Die sechs Video-Installationen sind bis zum Sonnabend, 21. Dezember zu sehen. Die Öffnungszeiten sind donnerstags bis sonntags von 14 bis 18 Uhr sowie zu den Konzerten. Der Eintritt ist frei.

Künstlerin Fumiko Kikuchi präsentiert ihre Arbeit im Schloss Landestrost.

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Von Susann Brosch

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