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Neustadt Fehlender Platz, kaum Personal: Das sind Neustadts größte Kita-Probleme
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Neustadt: Fehlender Platz, kaum Personal - das sind Neustadts größte Kita-Probleme

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19:31 06.02.2020
Die Theke im Schützenhaus Metel ist sorgfältig verkleidet und als Garderobe für die Kinder hergerichtet worden. Das Schützenhaus ist Behelfsquartier für die Kita Scharrel. Quelle: Kathrin Götze
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Metel/Scharrel/Eilvese

Sie ist Neustadts größte Baustelle: In Sachen Kinderbetreuung hat die Stadt seit Jahren Schwierigkeiten, das Angebot der Nachfrage entsprechend zu gestalten. Ortsnah und qualitativ hochwertig soll es sein, die Betreuungszeiten möglichst lang, am besten auf die individuellen Bedürfnisse zugeschnitten. Zu den Herausforderungen, die der stete Ausbau der vorhandenen Einrichtungen mit sich bringt, kommen inzwischen auch noch Personalsorgen – wie zwei Beispiele aus Neustadts Dörfern zeigen.

Umbau in Scharrel komplizierter als geplant

Die Kita in Scharrel ist aktuell eine Großbaustelle. Mit einem Kran hieven die Bauarbeiter bündelweise Dachlatten aus dem Obergeschoss, denn das Dach wird komplett erneuert. Das ist einer der Gründe, warum die eigentlich auf wenige Monate angelegte Erweiterung des Altbaus am Dorfrand nun voraussichtlich bis Mai dauern wird. Mit dem neuen Dachaufbau musste auch die Statik im Gebäude neu berechnet werden.

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Die Kita Scharrel wird erweitert. Auch das Dach muss erneuert werden. Quelle: Kathrin Götze

Eigentlich war nur geplant gewesen, einige vorhandene Räume in dem rund 120 Jahre alten Bauernhaus auszubauen, um die kleine Kita um eine Krippengruppe zu erweitern und sie energetisch auf einen neueren Stand zu bringen. „So ein altes Haus hat ja eine besondere Atmosphäre, die bekommen Sie in einem Neubau nicht hin“, sagt Architekt Jan Ahnsorge.

Der Rat genehmigte die erforderliche zusätzliche Ausgabe. Insgesamt kostet der Umbau nun 700.000 statt der zunächst geplanten 426.000 Euro. „Das ist immer noch günstiger als ein Neubau“, sagt Dirk Neumeister vom städtischen Fachdienst Immobilien. Der ist mit etwa 825.000 Euro veranschlagt.

Kita ist im Schützenhaus Metel untergebracht

Als Ausweichquartier dient derweil das Schützenhaus im Nachbarort Metel. Die Eltern helfen bei der Umbauaktion mit, allen voran Janin Henze-Wenzel, die neben dem Ehrenamt als Elternvertreterin der Kita auch Vorsitzende des Meteler Schützenvereins ist. Sie und ihre Vereinskollegen boten an, ihr Hobby über ein paar Monate ruhen zu lassen, um Platz für die Kinder zu schaffen.

Philomène (von links), Romy und Mabel basteln mit Springkraft Sarah Röhr im Schützenhaus Metel, das als Ersatzquartier für die Kita Scharrel dient. Quelle: Kathrin Götze

Mithilfe kreativer Umbauten ist das Schützenhaus nun als Behelfskindergarten eingerichtet. Die Theke ist mit Holzbänken und -wänden verkleidet und so zur Garderobe für die Kinder umfunktioniert, in der Gaststube nebenan ist Platz für reichlich Bewegung. „Alles soweit okay“, finden Erzieher und Eltern gleichermaßen. Doch nun tut sich das nächste Problem auf: Der bisherige Leiter der Einrichtung, Marko Schumann, verlängert seinen befristeten Vertrag nicht, sondern wechselt zum 1. März in seinen Heimatort Schneeren, wo er stellvertretender Leiter der größeren Kita wird.

Leitung und Mitarbeiter dringend gesucht

„Die Stelle ist besser bezahlt, die Fahrzeit ist kürzer – verständlich, dass er lieber diesen Job annimmt“, findet Stadtsprecherin Kathrin Kühling. Die Stadt lege Wert darauf, den Mitarbeitern die Entwicklung zu ermöglichen, die sie sich wünschen. Scharrel als kleine Kita mit 25 Plätzen wird von vielen jungen Kräften eher als Sprungbrett gesehen. Ein Grund: Die Stellen werden laut Tarifvertrag für den öffentlichen Dienst (TVöD) entsprechend der Größe der Einrichtungen besser oder schlechter bezahlt.

Nach dem Umbau kommen in Scharrel elf Krippenplätze hinzu. Doch auch das reicht laut Kühling noch nicht für die nächste Gehaltsstufe. „Wir hoffen jetzt, dass sich die richtige Person für diese Leitung findet“, sagt Kühling. Unterstützung kommt wieder von den Elternvertretern, die ein Inserat aufgesetzt und in den Orten verteilt haben. Auch eine offizielle Ausschreibung wird es noch geben. Zum August suche man überdies weitere Erzieher und eine Küchenkraft.

Krippe in Eilvese ist in einem Container untergebracht

„Die Fußbodenheizung“ – dieses Ausstattungsmerkmal fällt Barbara Tautorat sofort als großer Vorteil im neuen Krippencontainer der Kita in Eilvese ein. Schließlich kämpfen einige der ein bis drei Jahre alten Kinder noch erheblich mit der Schwerkraft. Und sie verbringen entsprechend viel Zeit auf dem – nun immerhin geheizten – Fußboden. Gegenüber, im eigentlichen Kita-Haus, ist das nicht der Fall.

Die Kinder der Kita in Eilvese sind Mitte Januar in einen Container umgezogen. Quelle: Manuel Behrens

Mitte Januar sind die zehn Krippenkinder mit ihren beiden Betreuerinnen in den knallig-orangefarbenen Container gezogen. Bis sie wieder umziehen, könnte es noch eine Weile dauern. Im Hauptgebäude ist kein Platz mehr. Derzeit gibt es weder konkrete Pläne für einen kompletten Neubau der evangelischen Kindertagesstätte noch für einen Anbau Am Eisenberg. „Wir müssen uns das genau überlegen, das Gebäude ist denkmalgeschützt“, sagt Dirk Neumeister vom städtischen Fachdienst Immobilien.

Zwei Betreuer fehlen in Eilvese

Probleme bereitet auch die aktuelle Personalsituation. Der Kita fehlen zwei Betreuer. So finden nur zehn Kinder Platz in der Krippe. Eigentlich sollten es 15 sein, sagt Betreuerin Tautorat. Den zehn Kindern fehlt es im Container immerhin an nichts: Auf 143 Quadratmetern finden sich ein großer Betreuungsraum, ein Ruhezimmer, eine Küche, ein Waschraum und ein Zimmer für das Personal.

„Ich habe es mir schlimmer vorgestellt“, sagt Tautorat, „die Kinder fühlen sich wohl.“ Und sie ergänzt: „Die Eltern sind froh, dass es hier im Container endlich losgeht.“ Der war bereits im vergangenen Jahr angeliefert worden. Vor der Nutzung mussten allerdings Gebäude abgerissen und der Untergrund befestigt werden.

Parallel gibt es noch eine ganze Reihe weiterer Kita-Ausbauten, von Stöckendrebber über Mariensee und Schneeren bis zur Kernstadt. Einen vollständigen Bericht über Ausbau und Lücken im Betreuungsplatzangebot hat die Stadtverwaltung für die nächste Woche angekündigt.

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Von Kathrin Götze und Manuel Behrens

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