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Neustadt Integration mit Arbeit: Es gibt noch Hürden
Umland Neustadt Integration mit Arbeit: Es gibt noch Hürden
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00:17 08.03.2019
Mehr als 50 Besucher nehmen am ersten Runden Tisch der Initiative Arbeitsmarktintegration von Neustädter Flüchtlingen und Migranten teil. Quelle: Kathrin Götze
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Neustadt

Wenn Ulrich Temps etwas macht, dann macht er es richtig. Die Ausbildung hat der Neustädter Unternehmer zur Chefsache erklärt, seit sich herauskristallisiert, dass passende Kandidaten für die Ausbildung in seinen Malereibetrieben immer schwieriger zu finden sind. Mit Hilfe von Sprach- und Integrationsprojekten für Migranten sowie einem Unterstützungsprojekt für Ausbildungsvorbereitung benachteiligter Jugendlicher hat er gute Erfolge erzielt – und viele Erfahrungen gesammelt, wie er am Montagabend einmal mehr vor Publikum berichtet hat.

Anlass war diesmal ein Runder Tisch, zu dem Integrationsbeirat und Stadt Neustadt gemeinsam mit Temps in dessen Ausbildungswerkstatt eingeladen hatten. Neben Unternehmern und Ausbildungsbeauftragten einiger Neustädter Betriebe waren auch zahlreiche Vertreter von Bildungsträgern und Handwerksorganisationen dabei, außerdem einige junge Migranten, die eigene Erfahrungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt schilderten.

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Der 18-jährige Syrer Savan Ali berichtete, wie er nach Praktikum und Sommerjob in einer Zahnarztpraxis jetzt das Angebot zur Ausbildung als Zahnarzthelfer bekommen hat. „Jetzt überlege ich, ob ich erst noch das Fachabitur mache“, sagte der junge Mann. Andreas Gawron, Willkommenslotse von der Kreishandwerkerschaft Peine, riet ihm, zuerst das Handwerk zu lernen. „Dann haben Sie viel mehr Möglichkeiten.“

Gawron unterstützt Flüchtlinge und andere Migranten bei der Arbeitssuche, und Betriebe bei den bürokratischen Hürden, die Beschäftigungsverhältnisse mit Ausländern nach wie vor mit sich bringen. Monika Strecker von der Tischlerei Strecker berichtete, wie ein afghanischer Bewerber nach langer Vorbereitungszeit im Betrieb daran scheiterte, dass er mangels Schulabschluss und Pass nicht für die Berufsschule zugelassen wurde. „Die Betriebe sollten sich auf die Ausbildung konzentrieren können, sagt Gawron dazu. Fred Lustig vom Campus Handwerk wies darauf hin, dass die Handwerkskammer Hannover zwar keinen Willkommenslotsen beschäftige, aber den Betrieben ähnliche Dienstleistungen anbiete.

Doch auch Sprach- und Verständnisprobleme können die Arbeitsverhältnisse stören, wie Monika Lohrer berichtete. In ihrer Mardorfer Bäckerei haben sie und ihr Mann Torsten drei junge Männer aus Eritrea ausgebildet. „Alles lief toll, aber obwohl es viel Hilfe und Unterstützung aus dem Dorf gab, haben sie bei der Prüfung in Sachen Sprache total versagt“, sagte Lohrer bekümmert.

Statt nun ein Jahr dranzuhängen und die Prüfung zu wiederholen, hätten die jungen Männer sich entschlossen, lieber in einer Zeitarbeitsfirma als Hilfsarbeiter anzutreten, um mehr Geld zu verdienen. „Da haben wir unseren jungen Leuten mal klare Zahlen vorgelegt – es macht einen großen Unterschied, ob man als Hilfsarbeiter oder Geselle arbeitet“, sagte Temps, der im Unternehmen auch die beiden ehemaligen Lehrer Klaus Birkenhagen und Willi Rinne beschäftigt, die den Auszubildenden Nachhilfe geben. „Die meisten Probleme in der Berufsschule reduzieren sich letztlich auf die Sprache“, sagte Birkenhagen. Da helfe nur stete Wiederholung. „Wir machen hier das gleiche wie in der Berufsschule, aber langsamer.“

Von Kathrin Götze