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Neustadt „Kalte Nahwärme“ soll neues Quartier am Hüttengelände heizen
Umland Neustadt

Neustadt: Kalte Nahwärme soll neues Quartier am Hüttengelände heizen

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18:09 04.12.2019
Baustellenbesichtigung mit Bürgermeister (von links): Roland Rebers, Günter Beermann, Dominic Herbst, Dieter Lindauer, Sven Kanngießer, Jürgen Bonk und Michael Hutze stehen vor dem Kollektor, der gerade mit Sand bedeckt wird. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Nahwärme aus dem Boden, und zwar nicht allzu tief: Wenige Meter unter der Oberfläche entsteht aktuell ein Kollektor für die sogenannte kalte Nahwärme. Mit diesem innovativen Konzept will die Leinenetz GmbH das neue Wohngebiet beheizen, das bald zwischen Siemensstraße und Landwehr entstehen wird. Das Muster aus Rohren am Westrand des Gebiets, das die Bauleute gerade wieder unter Sand verschwinden lassen, erinnert an eine Fußbodenheizung: Mehrere Kilometer Rohr aus äußerst widerstandsfähigem Kunststoff liegen in engen Schleifen auf rund 3200 Quadratmetern Fläche. Sie werden eingepackt in Sand und Bentonit-Bahnen.

Konstante Temperatur unter der Erde

Sinn der unterirdischen Anlage: Eine Flüssigkeit aus Sole und Glykol, die in den Rohren zirkuliert, soll auf einer konstanten Temperatur zwischen 8 und 10 Grad Celsius bleiben. Für die Wärme in den Häusern sind dezentrale Wärmepumpen zuständig. „Das reicht, um in den Haushalten dauerhaft 35 bis 50 Grad warmes Wasser bereitzustellen“, sagt Roland Rebers, der zuständige Projektleiter bei der Leinenetz GmbH. In modernen Gebäuden reiche das für die Heizung. Dank der zwar kühlen, aber konstanten Temperaturen könnten die Wärmepumpen in den Haushalten auch deutlich energiesparender und geräuschärmer laufen als solche, die Außenluft ansaugen. Das Gebiet soll mit Strom aus erneuerbaren Quellen beliefert werden.

Kollektor wird unter Regenrückhaltebecken liegen

Die ersten wärmespeichernden Rohre, zusammengefasst auch Kollektor genannt, werden bereits jetzt gebaut, weil darüber das Regenrückhaltebecken für das Baugebiet angelegt werden soll. Deshalb ist dort die Grube auch einige Meter tief. Die nächsten Kollektoren – insgesamt weitere 6000 Quadratmeter Fläche in zwei Schichten – werden ein Stück weiter südlich entstehen. Der obere liegt dann lediglich gut einen Meter unter der Erdoberfläche.

Viele Tonnen Sand werden auf der Baustelle am künftigen Regenrückhaltebecken bewegt. Für die Entwicklung sind die Firmen Mittelweser Tiefbau (Kreis Nienburg) und Witte (Kreis Diepholz) zuständig. Quelle: Kathrin Götze

180 Wohneinheiten – die Nachfrage ist bereits groß

Sven Kanngießer von der GEG (links) und Michael Hutze von der Hannoversche Volksbank Projektentwicklung entwickeln das Baugebiet an der Siemensstraße gemeinsam. Über dem Kollektor im Hintergrund wird das Regenrückhaltebecken angelegt. Quelle: Kathrin Götze

Rund 180 Wohneinheiten sollen im ersten Bauabschnitt auf der ehemaligen Ackerfläche an der Siemensstraße entstehen: 55 Grundstücke sind im Plan eingezeichnet, 43 davon für Einfamilienhäuser, zwölf für Mehrfamilienhäuser. Die halb städtische Grundstücksentwicklungsgesellschaft (GEG) und die Hannoversche Volksbank Projektentwicklung (HVP) entwickeln das Gebiet gemeinsam. In weiteren Bauabschnitten soll es in Richtung Landwehr weiter wachsen. Bei den Gesellschaften liegen schon reichlich Anfragen für die Grundstücke vor, der Verkauf sei aber noch nicht gestartet, sagt Sven Kanngießer von der GEG. Spätestens im Januar werde es aber soweit sein, fügt Michael Hutze von der HVP hinzu.

„Klimaquartier am Rübenberge“

Im neuen Baugebiet selbst laufen bereits Erschließungsarbeiten, das Kanalnetz wird verlegt. Bald folgen das Nahwärmenetz, dann Wasser-, Strom- und Glasfaserleitungen Quelle: Kathrin Götze

Bei den städtischen Wirtschaftsbetrieben und der Leinenetz läuft das neue Wohngebiet unter dem Schlagwort „Klimaquartier am Rübenberge“. Ein Pilotprojekt mit kalter Nahwärme gibt es bereits in Bad Nauheim in Hessen, niedersachsenweit ist der Kollektor der erste seiner Art und Größe. „Wir betreten hier Neuland, die Technik ist innovativ, aber auch schon erprobt“, sagt Wirtschaftsbetriebe-Chef Dieter Lindauer. Und Bürgermeister Dominic Herbst fügt hinzu: „Ich finde es klasse, dass wir hier so ein Leuchtturmprojekt haben.“ In der Politik werde schon lange über klimafreundliches Bauen diskutiert, hier werde ein entsprechendes Projekt umgesetzt, sagt Herbst. Auch Photovoltaik, Carsharing und E-Mobilität werde man im Quartierskonzept mitbedenken, sagt Projektleiter Rebers.

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Von Kathrin Götze

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