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Neustadt Verstärkung aus Tunesien: Klinikum wirbt Pflegekräfte im Ausland an
Umland Neustadt

Neustadt: Klinikum wirbt Pflegekräfte aus dem Ausland

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17:39 26.08.2019
Soumaya Essid (links) ist die erste, zehn weitere Pflegekräfte aus Tunesien fangen in Kürze im Klinikum Neustadt an. Pflegedienstleiterin Angela Schurr und Pflegedirektor Martin Langsdorf freuen sich auf den Zuwachs im Team. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Die Lage wird langsam kritisch: Weil Fachkräfte fehlen, musste das Klinikum Neustadt kürzlich bereits seine Geriatriestation schließen. Auch in der Geburtshilfe gibt es Lücken im Stellenplan. Dort fehlen Pflegedirektor Martin Langsdorf aktuell drei Hebammen für den Kreißsaal. Nun geht das Klinikum in die Offensive, holt mit Hilfe eines Personalvermittlers Fachkräfte aus dem Ausland, deren Qualifikation für die hiesigen Verhältnisse angepasst wird.

Diplomierte Krankenpflegerin aus Tunesien ist ein Glücksgriff

Mit der ersten neuen Kraft haben sie schon einen Glücksgriff gelandet: Wenn Soumaya Essid lächelt, schließt man sie sofort ins Herz: Und ihr Deutsch ist erstaunlich gut dafür, dass sie erst seit zwei Monaten im Lande ist. Im Juli hat die 28-Jährige ihre Stelle im Klinikum angetreten. In Tunesien hat sie ein Diplom als Krankenpflegerin, doch dort fehlt es bei hoher Arbeitslosigkeit an Perspektiven. Hier arbeitet Essid zunächst als Pflegehelferin auf der unfallchirurgischen Station 61, holt nebenher ausstehende Qualifikationen nach. Zum Beispiel, was Pflegeplanung und weitere Verwaltungstätigkeiten angeht. „In Tunesien sind Pflege und Administration getrennt, da mussten wir nur die Patientenakten in der Verwaltung abgeben“, berichtet die junge Frau.

Fehlende Fachausdrücke kommen im Arbeitsalltag

Wo mal ein Wort fehlt, lässt Essid Augen und Gesten sprechen, hat nun neben Arabisch, Französisch und Englisch auch Deutsch in ihren Sprachschatz aufgenommen. „Am Anfang war es etwas schwer, weil ich viele medizinische Fachausdrücke nur auf Französisch kannte – aber ich lerne gern“, sagt sie. Auch die Namen der Medikamente sind andere. „Da ist es praktisch, dass wir die Präparate nach Wirkstoffen bezeichnen und sortieren. Die vielfach lateinischen Bezeichnungen können auch die Kräfte aus anderen Ländern zuordnen.

Integration klappt in Neustadt besonders gut

Essid fühlt sich inzwischen gut integriert, hat in den ersten Wochen bei Pflegedienstleiterin Angela Schurr gewohnt und nun eine Wohnung in Neustadt gefunden. Man arbeite daran, ihre Familie nach Deutschland zu holen – nur so könne man die Pflegekräfte auf Dauer am Standort halten, sagt Langsdorf. Im Klinikum Neustadt sei die Willkommenskultur sehr ausgeprägt, sagt Klinikumssprecher Bernhard Koch. Die Kollegen nähmen die Neuen gut auf, hätten auch schon Fahrräder und Möbel gespendet, um ihnen den Start im neuen Land zu erleichtern. „Unsere neuen tunesischen Kräfte sind mit ihrer herzlichen Art als Kollegen sehr beliebt“, sagt Langsdorf.

Zehn weitere Kräfte kommen aus Tunesien

Zehn weitere Kollegen aus Tunesien sollen demnächst anfangen, wie Koch ankündigt. Auch aus Albanien, Kroatien, Rumänien und Italien habe man neues Pflegepersonal gewinnen können – eine Hebamme aus Albanien ist schon dabei, die Qualifikationen zu durchlaufen. Bisher ist das Klinikum dafür auf auswärtige Bildungsträger angewiesen. „Aber unsere Klinikums-Akademie in Hannover macht sich auf den Weg, da sind schon Konzepte in Arbeit“, sagt Langsdorf.

Ausbaufähiges Sprachtalent ist gefragt

Zeit für eine solche Offensive wird es: Bundesweit fehlen Zehntausende Pflegekräfte, in der Region Hannover sind aktuell 200 Stellen unbesetzt. Man müsse dennoch mit Augenmaß vorgehen, sagt Langsdorf. „Wir haben moralische Grenzen, würden zum Beispiel aus Indien niemanden anwerben, weil die Kräfte auch dort gebraucht werden.“ Und neben der Ausbildung müsse die Bewerber zumindest ein „ausbaufähiges Sprachvermögen“ gegeben sein –sie absolvieren bereits im Heimatland einen Deutschkurs der Stufe B2, der zur „selbstständigen Sprachverwendung“ qualifizieren soll. „Der Rest lässt sich dann am besten vor Ort lernen“, sagt Langsdorf.

Geriatrie kann wohl erst im nächsten Jahr wieder öffnen

Für ein Familienkrankenhaus, als das sich das Neustädter Klinikum selbst versteht, ist die Schließung der Geriatrie ein Verlust: Seit Juli werden wegen des Personalmangels Patienten mit altersbedingten Leiden in die benachbarten Städte verlegt. Ziel der geriatrischen Stationen ist, nach einem Eingriff die älteren Patienten soweit zu bringen, dass sie wieder nach Hause können. Das bedeutet, dass die Pflege recht viel Aufwand braucht. Statt also beispielsweise einfach den „Schieber“ zu benutzen, begleiten die Pflegekräfte die Patienten zur Toilette, um das möglichst schnell wieder einzuüben.

Auch wenn nun neue Pflegekräfte einsteigen: Es kostet einiges an Zeit und Mühe, die neuen Kräfte einzuarbeiten. Daher könnten nicht beliebig viele auf einmal starten, sagt der Neustädter Pflegedirektor Martin Langsdorf. Er gehe davon aus. dass die Geriatrie zum Anfang des nächsten Jahres wieder die Arbeit aufnehmen kann.

Mehr zum Thema lesen Sie hier:

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Werden Krankenstationen in Hannover bald geschlossen?

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Ein HAZ-Dossier zur Fachkräfte-Woche 2019 finden Sie hier.

Von Kathrin Götze

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