Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Neustadt Landwirte und Naturschützer stärken Artenvielfalt auf dem Acker
Umland Neustadt

Neustadt: Landwirte und Naturschützer stärken Artenvielfalt auf dem Acker

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:00 25.09.2019
Joachim Hasberg (von links), Thorsten Klingemann, Björn Rohloff und Günter Wendland begutachten ein Blühfeld von Klingemanns Nachbarn Henning Hanebuth. Quelle: Kathrin Götze
Neustädter Land

Die Sonnenblumen sind verblüht. Doch wer sich eine der vielen Blühflächen in der Region Hannover genauer ansieht, der findet immer noch zahlreiche Kräuter mit mehr oder weniger auffälligen Blüten – und sieht bei jedem Schritt ins Feld, wie Insekten auffliegen, die dort reichlich Nahrung finden. Malve, Ringelblume, Borretsch, Wilde Möhre: Wer seine Kenntnisse über heimische Kräuter testen will, findet hier eine Spielwiese. 37 heimische Blühpflanzen sind auf den Äckern zu finden, welche die Landwirte als Blühflächen dem Vertragsnaturschutz gewidmet haben. Manchmal sind es sogar mehr, denn auch die ortsüblichen Beikräuter mischen sich in das Getümmel.

Inkarnat-Klee Quelle: Kathrin Götze

Brachen und Vogelinseln gehören zum Programm

Die mehrjährigen Blühflächen, auch Honigbrachen genannt, sind die auffälligsten unter zahlreichen Projekten für Biodiversität (biologische Vielfalt), die Landwirte in der Region Hannover derzeit umsetzen. Auch sogenannte Selbstbegrünungsbrachen, Stoppelbrachen, ungeerntete Getreidestreifen, unbestellte Feldvogelinseln und Erbsenfenster in der Anbaufläche (größere Stellen mitten auf dem Getreidefeld, wo Erbsen angepflanzt werden, die als Rückzugsort und Futter für Vögel und andere Wildtiere dienen) gibt es auf den insgesamt 242,8 Hektar Fläche in 140 Betrieben. Diese fördert die Region in diesem Jahr mit 300.000 Euro. In Neustadt nehmen 24 Betriebe mit knapp 32,5 Hektar teil. Alle dienen dazu, in der agrarisch geprägten Landschaft möglichst vielen Insekten, Vögeln und anderen Kleintieren Nahrung und Deckung zu bieten.

Malve Quelle: Kathrin Götze

Korridore werden besonders gefördert

Dabei ist auch die Lage wichtig: Im Landschaftsrahmenplan haben die Naturschützer bestimmte Flächen hervorgehoben, die für sogenannte Korridore wichtig sind. Das sind Streifen, in denen sich die Tierwelt geschützt auch weitere Strecken durch die Landschaft bewegen kann. „Wer solche Flächen einbringt, bekommt einen Bonus ausgezahlt“, erläutert Günter Wendland von der Unteren Naturschutzbehörde bei der Region Hannover.

Ringelblume Quelle: Kathrin Götze

Projekt ist bisher einzigartig

Das Biodiversitätsprojekt, das die Region in Zusammenarbeit mit der Stiftung Kulturlandpflege und dem Landvolk ins Leben gerufen hat, sucht in Größe und Dauer seinesgleichen, wie Björn Rohloff von der Stiftung Kulturlandpflege erläutert. Nach dem Start mit 150.000 Euro für 2018 ist der Betrag nun noch einmal verdoppelt worden – und er ist für vier Jahre im Haushalt festgeschrieben. So bleibt den Organisatoren Zeit, die Auswirkungen zu beobachten – und den Teilnehmern, sich mit der neuen Materie vertraut zu machen. „Man muss erstmal sehen, wie man zum Beispiel die Blühmischung am besten aussät“, sagt etwa Thorsten Klingemann. „Die Samenkörner sind so unterschiedlich in Größe und Gewicht.“ Der Averhoyer ist Bezirkslandwirt für Mandelsloh, tauscht sich mit vielen Kollegen aus.

Wiese bleibt teils länger ungemäht

Außer Blühstreifen hat Klingemann auch rund 5,5 Hektar Wiese in Staffelmahd. Das heißt, er erntet seine Wiesen nicht unter der ersten Maisonne komplett ab, sondern lässt jeweils die Hälfte für weitere acht Tage ungemäht, damit die Tiere dort weiter Lebensraum und Nahrung finden. „Das macht sich auch im Energiegehalt von Heu und Silage bemerkbar – wer Rinder hält, der spürt das schon.“ Für die Ausfälle zahlt in diesem Jahr die Bingo-Umweltstiftung in einem Parallelprojekt.

Schilder wie diese weisen regionsweit auf Projekte für die Biodiversität in der Landwirtschaft hin. Quelle: Kathrin Götze

Beteiligte lernen gemeinsam

Auch wenn wirtschaftliche Vorteile etwa von Nützlingen nicht so leicht zu finden sind, sähen sich die Landwirte in der Verantwortung, am Erhalt der Artenvielfalt mitzuwirken, sagt Joachim Hasberg vom Landvolk. Die Leistung müsse aber eben auch bezahlt werden, und das klappt in dem Projekt. Die Zusammenarbeit und das gegenseitige Vertrauen der Kooperationspartner suchten übrigens in anderen Landkreisen ihresgleichen, sagt Hasberg noch.

Nicht jede Anbau-Empfehlung lasse sich sofort ganz leicht umsetzen, Fehler würden auch mal nachgesehen. „Ist doch besser, wir haben die Idee auf 250 Hektar fast perfekt umgesetzt als auf null Hektar perfekt“, sagt Kulturlandpfleger Rohloff. Wie sein Kollege Anton Sartisohn berichtet, hat die Stiftung auch etwa das Saatgut für die Blühstreifen weiterentwickelt, nachdem im ersten Jahr die Blühphase zu schnell beendet war.

Landwirt Heiner Kahle vergibt Blüh-Patenschaften

Bingo-Lotterie übernimmt Idee der blühenden Felder

Landwirte engagieren sich für den Artenschutz

Von Kathrin Götze

Der Herbst hat Einzug gehalten, nicht nur im Kalender. Traditionell gibt es in dieser Jahreszeit das Erntedankfest. Kirchengemeinden und Schützenvereine begehen das Fest jeder auf ihre Weise.

26.09.2019

Ein Lastwagenfahrer hatte beim Abbiegen in die Theodor-Heuss-Straße eine Radfahrerin übersehen und schwer verletzt. Nach einem Einspruch hat der Mann den Strafbefehl des Amtsgerichts Neustadt nun doch akzeptiert. Das Opfer leidet noch heute unter den Folgen.

25.09.2019

Er ist Komponist und Tonkünstler, lebt in Hannover: Mit seinem neuen Album „Liliths Lullabies“ gastiert Damian Marhulets im Schloss Landestrost

25.09.2019