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Neustadt Neue Behindertenbeauftragte will Innenstadt barriereärmer gestalten
Umland Neustadt

Neustadt: Neue Behindertenbeauftragte Irene Siedow will Innenstadt barriereärmer gestalten

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18:00 28.10.2019
Gertrude Meyrhofer ist mit ihrem Elektromobil in Neustadt unterwegs. Sie kann auch absteigen und ist zufrieden mit dem barrierefreien Angebot der Innenstadt, wie sie sagt. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Offizielle Telefonnummer und E-Mail-Konto sind noch nicht eingerichtet – auch da spielt der Trojaner im städtischen Computersystem eine Rolle. Doch über ihre persönlichen Kontakte hat Neustadts neue Behindertenbeauftragte Irene Siedow schon eine ganze Reihe Themen gefunden, um die sie sich nun kümmern will. Ein erstes ist die Frage, wie der Einkauf an der Marktstraße und anderswo barriereärmer gestaltet werden kann.

Siedow wirbt für Gütesiegel „Generationenfreundliches Einkaufen“

Stufen am Eingang, zu eng gestellte Regale – das gehört auch 2019 noch zum Alltag im Einzelhandel. Siedow möchte Händler für die Probleme von Rollstuhlfahrern sensibilisieren. Das geht zum einen im persönlichen Gespräch, wenn es Probleme gibt. Zum anderen wirbt sie bei den Geschäftsleuten, sich mit dem Qualitätszeichen „Generationenfreundliches Einkaufen“ zu beschäftigen. Denn Rollstuhlfahrer und ältere Leute, denen das Gehen schwerer fällt, haben vielfach die gleichen Probleme beim Einkaufen, ebenso wie Eltern mit Kinderwagen. Wer das Zertifizierungsverfahren durchläuft und sein Geschäft entsprechend umgestaltet, hätte also für viele Kunden den Zugang erleichtert.

Kriterien geben Gedankenanstöße

Wer die Kosten für die Zertifizierung scheut, kann sich vielleicht auch anhand der Kriterien, die der Handelsverband Deutschland im Internet auf www.generationenfreundliches-einkaufen.de veröffentlicht, selbst Gedanken machen: In einem Fragebogen für Geschäftsleute wird nach Parkmöglichkeiten, sicheren Fußwegen, dem Eingang zum Geschäft und der Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter gefragt. Auch im Inneren des Geschäfts gibt es einiges zu beachten: Ist der Boden rutschfest, ist die Hintergrundmusik dezent? Reicht der Platz zwischen den Regalen, und sind auch die höheren Lagerplätze gut erreichbar? Gibt es Stufen oder andere Hindernisse?

Vieles ist bei Neubauten schon vorgeschrieben

Spezieller sind die Fragen nach Behindertentoiletten, eigens ausgewiesenen Rollstuhlfahrer-Umkleidekabinen und entsprechenden Spiegeln. Wer es besonders gut machen will, bietet Hol- und Bringservice für Kunden an, richtet Spielecken für Kinder und Wickeltische ein. In größeren und neueren Geschäften sind zumindest die barrierearmen Zugänge und Einrichtungen weit verbreitet, vieles ist schon beim Bau vorgeschrieben. Im Detail und bei den älteren Gebäuden wird es dann schwieriger.

Irene Siedow spricht mit Wirtschaftsförderer Uwe Hemens über ein neues Qualitätszeichen im Einzelhandel. Quelle: Mirko Bartels

Hemens will Gütesiegel bei Unternehmern vorstellen

Das sieht auch Wirtschaftsförderer Uwe Hemens so, mit dem sich Siedow zu einer ersten Besprechung getroffen hat. Er könne sich vorstellen, das Qualitätssiegel bei Treffen mit Unternehmern vorzustellen. „So lange so etwas freiwillig ist, kann man nur empfehlen, sich damit zu beschäftigen, um Kunden zu gewinnen“, sagt Hemens. Er warnt aber davor, kleine, inhabergeführte Geschäfte mit allzu großen Anforderungen zu bestürmen. „Das sind schließlich die Geschäfte, die wir alle in der Stadt haben wollen.“

Ist die Fußgängerzone sicher zum Gehen?

Und was den sicheren Fußweg angeht, gehen die Meinungen auseinander. So berichtet die Neustädterin Sigrun Lüpkemann (79), sie habe auf dem Pflaster der Marktstraße schon mehrere Stürze beobachtet. Insbesondere älteren Leuten machten die Entwässerungsrinnen mit den Kopfsteinen darin Probleme – und die roten Klinker sähen zwar hübsch aus, würden bei Nässe aber auch schnell glatt und führten zu Unsicherheit beim Gehen. „Es gibt Leute, die zum Einkaufen nach Nienburg oder Wunstorf fahren, weil sie dort besser gehen können“, sagt die Seniorin.

Barrierefreie Geschäftszugänge wären für alle Generationen hilfreich, meint die Behindertenbeauftragte. Quelle: Kathrin Götze

Menschen sind heute länger mobil

Das Pflaster ist in den vergangenen zehn Jahren Stück für Stück erneuert worden; es birgt jetzt weniger Stolperfallen und Farbwechsel, wie sie ältere Leute schon mal verunsichern können. Wie es noch besser werden könnte, wissen auch Hemens und Siedow nicht. „Ich denke, das Problem gibt es in allen Innenstädten“, meint Hemens. Und Siedow fügt hinzu: „Die Menschen sind heute einfach an Mobilität gewöhnt und vielfach auch darauf angewiesen, auch im höheren Alter.“ Und die Hilfsmittel würden immer besser: Inzwischen diskutierten Behindertenverbände darüber, wie man mit den schnellen Elektromobilen umgehen soll, die bis zu Tempo 30 fahren können. „Wenn die hier überall fahren dürfen, kann man auch keinem Radfahrer mehr erklären, warum er in der Fußgängerzone nicht fahren darf“, sagt Siedow.

Was die Erreichbarkeit angeht, müssen sich die Behindertenbeauftragte und ihre Klientel wohl noch gedulden, wie Siedow sagt. Ute Kemmer vom Fachdienst Soziale Arbeit verspricht, Telefon und E-Mail sollen möglichst zeitnah verfügbar sein.

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