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Neustadt Neuer Raum: Museum zeigt, wie die Schule vor 100 Jahren ausgesehen hat
Umland Neustadt

Neustadt: Neuer Raum - Museum zeigt, wie die Schule vor 100 Jahren ausgesehen hat

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11:28 12.09.2019
Hans-Erich Hergt zeigt das neue Schulzimmer im Museum zur Stadtgeschichte. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Schule in der Kaiserzeit – das war schon auch eine militärische Angelegenheit. Disziplin und Drill waren angesagt, die Militarisierung der Gesellschaft drang auch bis in die Kinderstuben vor. „Viele ehemalige Soldaten wurden später auch Lehrer“, sagt Hans-Erich Hergt vom Museumsverein.

Neuer Raum zeigt Exponate aus der Kaiserzeit

Auch Helme und Pickelhauben stehen in einer Vitrine des neuen Museumsraums. Quelle: Kathrin Götze

In einem neuen Raum im Museum sind jetzt zahlreiche Exponate aus dem 19. und beginnenden 20. Jahrhundert ausgestellt. Neben einem kleinen Schulzimmer findet sich auch ein Bereich mit Soldatenuniformen, Helmen und eine Reihe alter Waffen, die meisten aus dem Arsenal der Schützengesellschaft, die im Neustadt der Kaiserzeit eine wichtige gesellschaftliche Stellung einnahm.

Schulstube wie vor 100 und mehr Jahren

Auf den Schulbänken stehen alte Rechenschieber. Quelle: Kathrin Götze

Hauptschaustück ist jedoch die Schulstube – inklusive eines kleinen Kohleofens mit einer Schütte, in die die Kinder regelmäßig mitgebrachte Kohlen legen mussten. An der in Holz gerahmten Tafel sind Schriftproben in Sütterlin, Schreib- und Druckschrift zu finden, auf den Holzbänken Schiefertafeln und Griffel, daneben zwei gut erhaltene Rechenschieber mit hölzernen und tönernen Perlen, die den Kindern beim Addieren halfen.

Steinzeit-Werkzeuge für Heimatkunde

Eine Sammlung von Steinzeit-Werkzeugen diente auch für den Heimatkundeunterricht. Quelle: Kathrin Götze

„Über der Tafel hing natürlich ein Bild des Kaisers“, erläutert Hergt weiter. Der Druck an der Wand zeigt Wilhelm II. mit seinem Enkelsohn, Prinz Wilhelm von Preußen. Auch in den Vitrinen rund um die Tische ist allerhand Sehenswertes versammelt. Eine Schautafel mit kleinen Steinzeitwerkzeugen etwa diente für den Heimatkundeunterricht, und auch eine kleine Schmetterlingssammlung ist erhalten. Und die Fibeln mit den bunten Bildern drin waren schon fortschrittlich.

Die Fibeln waren schon früh mit bunten Bildern ausgestattet. Quelle: Kathrin Götze

Wahlurne stammt aus Empede

Hans-Erich Hergt freut sich über eine Wahlurne aus der Kaiserzeit, die Werner Herrmann aus Empede gespendet hat. Quelle: Kathrin Götze

„Alles aus dem Fundus, selbst gesammelt oder von Neustädtern gespendet“, sagt Hergt erfreut. Eine Wahlurne aus der Kaiserzeit hat etwa Werner Herrmann aus Empede ins Museum gebracht – Herrmann war letzter Bürgermeister und Gemeindedirektor des Dorfes vor 1974, hatte im Archiv in seinem Keller einige Perlen der Ortsgeschichte gehortet.

Bei aller Vielfalt ist es gelungen, dass der kleine Raum nicht überladen oder unsortiert wirkt, auch eine Schulklasse kann sich darin sicher versammeln. Zu einer kleinen Eröffnungsfeier am Dienstag kamen etliche Gäste, einige hatten schon weitere Geschenke für den Museumsverein mitgebracht. Hergts Dank ging auch an die Altrewa Bürgerstiftung und die Stadtverwaltung, die es ermöglicht haben, dass der Raum eingerichtet werden konnte.

Raum war lange für Veranstaltungen reserviert

Der Verein hatte sich den Raum gleich am Eingang zum Museum zurückerobert, nachdem der jahrelang für Veranstaltungen genutzt worden war. Zuletzt hatte das Freiwilligenzentrum dort Sprechstunden seines Formularlotsen angeboten. „Nur eine Veranstaltung in der Woche, und das auch nicht regelmäßig – das erschien uns ein bisschen wenig, um einen Raum extra frei zu halten“, sagte Hergt dazu.

Das Museum zur Stadtgeschichte, An der Liebfrauenkirche 7, ist immer dienstags, donnerstags und sonntags von 15 bis 17 Uhr geöffnet, freitags von 10 bis 12 Uhr. Die aktuelle Sonderausstellung „Miniaturwelten in Zinn gegossen“, ist noch bis zum 6. Oktober zu sehen.

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Von Kathrin Götze

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