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Neustadt Radwege: Schnelle Lösungen sind gefragt
Umland Neustadt Radwege: Schnelle Lösungen sind gefragt
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17:25 21.03.2019
Der schadhafte Radweg Poggenhagen-Bordenau soll bald ausgebaut werden. Quelle: Mirko Bartels
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Neustadt

Viel gibt es zu verbessern, an den Radwegen im Stadtgebiet. Ideen und Hinweise dafür haben die Grünen jetzt an einem Diskussionsabend gesammelt. „Das Thema ist vielschichtig“, sagte Bürgermeisterkandidat Dominic Herbst, verwies auf ganze Strecken, die wie die Herzog-Erich-Allee als Niemandsland für Radfahrer gelten können. „In der Kernstadt werden Radfahrern eine Menge Steine in den Weg gelegt“, sagte Herbst.  

Aktuell ist die Stadtverwaltung auf der Suche nach Ideen für kleine Veränderungen, die Verbesserungen bringen. Die werden das Mindeste sein, um die Wege durch Neustadt für Radfahrer interessanter zu gestalten. Wenn mehr Leute aufs Rad umstiegen, bedeute das auch für die Autofahrer weniger Stau, Stress und Wartezeiten, gab Herbst zu bedenken. Insgesamt steige die Lebensqualität in Städten, die Fahrrädern Vorrang vor Autos einräumten, fügte Wolf-Rüdiger Runge hinzu, Amsterdam, Kopenhagen oder Münster böten gute Beispiele.

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Wolf-Rüdiger Runge, Ostfalia Hochschule: „In unserer Straße sind wir der einzige Haushalt, der nur ein Auto hat. In anderen gibt es bis zu fünf davon.“ Quelle: Kathrin Götze

Der Verkehrswissenschaftler, der in Neustadt lebt, beschäftigt sich auch mit Gründen, die Menschen zur Entscheidung für bestimmte Verkehrsmittel bringen. Wer Leute aufs Rad bringen wolle, tue gut daran, den Autoverkehr konsequent zu reduzieren: „Tempo 30, Parkgebühren, den Straßenraum neu verteilen“, so etwas gehöre dazu, sagte Runge. Ob solche radikalen Veränderungen in Neustadt durchsetzbar wären, bezweifelt Herbst. Seine Fraktion im Rat ist allein zweimal mit dem Vorschlag gescheitert, die Stadt möge Lastenräder anschaffen, die die Bürger für Transporte ausleihen könnten. „Macht nichts, wir schlagen das wieder vor“, sagte er. Barrieren an Radwegen öffnen, Schutzstreifen verbreitern, vielleicht sogar eine weitere Brücke über die Leine nur für Radfahrer und Fußgänger bauen – auch die Zuhörer machten zahlreiche Vorschläge mit unterschiedlicher Aussicht auf Umsetzung.

Swantje Michaelsen, Grünen-Fraktion Region Hannover: „Das teuerste Verkehrsmittel für Gesellschaft und Kommune ist das Auto.“ Quelle: Kathrin Götze

Die Verkehrspolitik in Deutschland sei leider vollständig auf das Auto ausgerichtet, sagte Swantje Michaelsen, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen in der Regionsversammlung. Vergünstigungen für Radfahrer auf Kosten der Autofahrer durchzusetzen sei oft schwer, selbst wenn die Kommunen das wollten. „Es ist trotzdem wichtig, es immer wieder zu versuchen“, sagte Michaelsen. „Wenn sie gute Radwege bauen, kommen die Radfahrer. Bauen Sie Straßen für Autos, kriegen Sie mehr Autos.“ Radwege müssten am besten so sicher und komfortabel sein, dass man die eigenen Kinder darauf gerne fahren lasse.

Was den Ausbau von Radwegen an den Kreisstraßen angehe, sei die Region noch gut am Ball, sagte Michaelsen. Aktuell stehe der Ausbau des Radwegs zwischen Poggenhagen und Bordenau bevor, nächste Projekte sind der Radweg entlang der Moorstraße und dann der Landwehr sowie eine Verbindung zwischen Otternhagen und Frielingen. Auch die Verbindung Esperke-Niedernstöcken stehe auf dem Plan, deren Ausbau sei aber noch nicht terminiert. „Bis 2025 sollte das aber erledigt sein.“

Volker Kempf, ADFC Neustadt: „Im Stadtgebiet gibt es 60 Kilometer Landstraßen, 40 davon ohne Radweg. Das ist schlechter als der Landesdurchschnitt.“ Quelle: Kathrin Götze

So schnell geht es an den Landesstraßen nicht. Volker Kempf, Sprecher des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) in Neustadt sagte, in seinen 21 Jahren im Amt habe er drei Radweg-Neubauten an Landesstraßen erlebt. „Wenn alles gut geht, kommt bald der vierte dazu, nämlich zwischen Helstorf und Mandelsloh.“ Für diesen Radweg ist die Stadt mit einer Planung in Vorleistung gegangen. „Das war 2006“, bemerkte Bürgermeister Uwe Sternbeck.

Aus der Landesbehörde für Straßenbau hieß es am Donnerstag dazu, man sei auf gutem Weg, auch das nötige Geld für den 1,23 Kilometer langen Weg sei vorhanden. Über die Leine soll neben der Straßenbrücke ein weiteres Bauwerk nur für den Radweg gebaut werden. „Aber in diesem Jahr werden wir wohl nicht mehr beginnen“, sagt Friedhelm Fischer, Leiter des Fachbereichs Hannover.

Von Kathrin Götze

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