Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Neustadt SPD will Harzwasser für Mardorf und Schneeren einkaufen
Umland Neustadt

Neustadt: SPD will Harzwasser für Mardorf und Schneeren einkaufen

Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 15.06.2019
Die Abteilungsvorsitzenden Axel Schlicker (von links), Ferdinand Lühring und Josef Ehlert mit SPD-Bürgermeisterkandidatin Christina Schlicker am Wasserwerk Schneeren. Quelle: privat
Neustadt

Zeichnet sich für die Trinkwasserversorgung in Neustadt eine Verbesserung ab? Ein neuer Antrag von den SPD-Abteilungen Eilvese und Mardorf-Schneeren könnte einen Beitrag dazu leisten. Sie wollen erwirken, dass die Region den Harzwasserwerken genehmigt, eine höhere Menge weiches und nitratarmes Wasser aus dem Wasserwerk Schneeren zu fördern als bisher. Dafür erhoffen sich die Sozialdemokraten, dass die Harzwasserwerke an den Wasserverband Garbsen Neustadt Trinkwasser liefern.

Denn das Wasser, das der Verband selbst in Hagen fördert und in die meisten Dörfer im Neustädter Land liefert, weist vergleichsweise hohe Nitratwerte auf. Eine Bürgerinitiative drängt seit Jahren darauf, die Qualität zu verbessern. Harzwasser bekommen hingegen die Kernstadt, Suttorf und Poggenhagen von den Stadtwerken geliefert, es enthält weniger Kalk und auch deutlich weniger Nitrat.

Hagener Wasser soll gemischt werden

Nach langen Diskussionen habe sich nun gezeigt, dass es technisch relativ leicht möglich ist, Wasser aus dem Schneerener Werk Richtung Schneeren und Mardorf zu leiten und mit dem Hagener Wasser zu vermischen, wie die Abteilungsvorsitzenden Josef Ehlert (Mardorf), Ferdinand Lühring (Schneeren) und Axel Schlicker (Eilvese) sowie die SPD-Bürgermeisterkandidatin Christina Schlicker berichten. So würde die Wasserqualität zumindest in diesen beiden Dörfern steigen.

Bedeutet das das Ende der Solidargemeinschaft im Wasserverband? Schlicker meint, nein: „Bestenfalls steigt die Qualität auch in den anderen Dörfern, denn wenn Schneerener und Mardorfer weniger abnehmen, könnte der Verband häufiger darauf verzichten, Wasser aus den besonders stark nitratbelasteten Brunnen des Hagener Wasserwerks einzuspeisen“, sagt sie.

Brunnen haben unterschiedliche Qualität

Im Wasserschutzgebiet Hagen liegen mehrere Brunnen, deren Wasser unterschiedliche Werte aufweist. Kürzlich ist eine neue Zapfstelle ans Netz gegangen, deren Werte vergleichsweise gut aussehen. Den am stärksten belasteten Brunnen nutzt der Wasserverband ohnehin nur noch zu Spitzenzeiten, wenn der Verbrauch besonders hoch ist.

Überdies arbeitet der Verband gemeinsam mit den Landwirten im Wasserschutzgebiet bereits seit 1994 daran, den Nitrateintrag zu senken. Die Landwirte bringen weniger Stickstoffdünger aus – dessen Rückstände werden im Boden zu Nitrat. Weil das Wasser aber von der Oberfläche bis zur Grundwasserschicht viele Jahre unterwegs ist, dauert es laut Wasserverband 30 bis 40 Jahre, bis die Bemühungen Ergebnisse zeigen – bisher schwanken die Nitratwerte zwischen 30 und 50 Milligramm pro Liter, der neueste Messwert eines unabhängigen Instituts lag bei 42 Milligramm pro Liter – der Grenzwert liegt laut EU-Verordnung bei 50 Milligramm pro Liter.

Ein Problem bei dem geplanten Handel: Die Region Hannover will die Fördermenge am Wasserwerk Schneeren lieber reduzieren. Sie befürchtet, dass eine zu hohe Entnahme die laufende Wiedervernässung im Toten Moor stört. „Die Stadt muss dann mit der Region verhandeln“, sagt Schlicker. Auch die Harzwasserwerke sind skeptisch: Man sei aktuell nicht auf Wachstum aus – ob der Standort Schneeren überhaupt in Frage komme, müsse umfangreich und langfristig geprüft werden, sagt Harzwasserwerkle-Sprecherin Marie Kleine.

Mehr zum Thema:

Landwirte wollen Nitratgehalt im Grundwasser senken

Schneeren und Eilvese: Wie viel Wasser darf das Moor verlieren?

Deshalb ist Nitrat im Grundwasser schädlich

Nitrat kann im menschlichen Verdauungstrakt zu giftigem Nitrit umgewandelt werden, das auch an der Bildung krebserregender Nitrosamine beteiligt ist. Laut Umweltbundesamt kann es bei Säuglingen auch die Sauerstoffaufnahme im Blut stören. Deutschlandweit gibt es aktuell Anstrengungen, den Nitrateintrag ins Grundwasser zu senken, vor allem den aus der Landwirtschaft. Dafür ist zum Beispiel das Düngemittelgesetz im Frühjahr 2017 novelliert worden.

Kritiker sehen das Ergebnis als nicht ausreichend an – und auch die EU-Kommission droht mit einer Klage, falls die Regeln für Landwirte nicht verschärft werden. In der Kritik steht insbesondere der so genannte Gülletourismus: Aus Landstrichen mit hohem Anteil an Viehhaltung wird die Gülle in Gebiete mit mehr Ackerbau gebracht. Manche Viehhalter zahlen inzwischen sogar für die Entsorgung der Gülle, die im gut funktionierenden landwirtschaftlichen Kreislaufsystem eigentlich als wertvoller Dünger gilt.

Von Kathrin Götze

Kommentare 0 Nutzungsbedingungen
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Das Tier der Woche, die Katze Lilly, ist ins Tierheim gekommen, weil ihre bisherigen Besitzer sich nicht mehr richtig um sie kümmern konnten. Jetzt sucht das Heim ein neues Zuhause.

12.06.2019

Die Stadt braucht dringend Betreuungsplätze – aber wie kann das Angebot mit der Nachfrage Schritt halten? Die Bürgermeisterkandidaten wollen Kitas ausbauen, Ganztagsschulen schaffen und ein Online-Anmeldungssystem installieren, das den Eltern Rückmeldung gibt.

15.06.2019

Etwa 460 Menschen nutzen in Neustadt die Lebensmittelausgabestelle der Nienburger Tafel. Deren Organisatoren freuen sich nun über eine 1000-Euro-Spende.

11.06.2019