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Neustadt Tempo 30: Leser dringen auf mehr Kontrollen
Umland Neustadt

Neustadt: Tempo 30: HAZ-Leser dringen auf mehr Kontrollen

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17:58 27.11.2019
Nördlich der Eilveser Haupstraße ist Tempo-30-Zone. Noch halten sich wenige Autofahrer an die Regel. Quelle: Benjamin Behrens
Neustädter Land

Der zuständige Ratsausschuss für Feuerschutz und allgemeine Ordnungsangelegenheiten hat dem Vorschlag der Verwaltung, weitere Tempo-30-Zonen in der Kernstadt und den Dörfern auszuweisen, am Dienstagabend mehrheitlich zugestimmt. Lediglich die AfD stimmte dagegen, die FDP-Vertreterin enthielt sich. Stimmt der Rat nächste Woche zu, können im nächsten Schritt die Ortsräte ihre Vorschläge erarbeiten und einreichen. Der Plan stößt auch bei unseren Lesern auf großes Interesse. Nicht jeder ist allerdings überzeugt, dass das wirklich eine Verkehrsberuhigung mit sich bringt.

Eilveser zweifelt am Nutzen der Schilder

Hartmut Neumann beispielsweise hat in der Hestergartenstraße in Eilvese eine Tempo-30-Zone vor der Tür. Allerdings halte sich kaum jemand an das Limit, sagt er – aus seiner Sicht sogar die Leute nicht, die die Einrichtung gefordert hatten. Das liege wohl auch daran, dass niemand dort kontrolliere. Und was die Innenstadt angeht, meint er: „Ich möchte mal wissen, wo ich in Neustadt schneller als 30 Stundenkilometer fahren kann.“ Sein Fazit: „Reine Geldverschwendung“.

Neustädter regt bauliche Maßnahmen an

Der Neustädter Detlev Zehm hat am Kuhlager ähnliche Erfahrungen gemacht. „Nur Schilder hinstellen reicht nicht“, findet er und schlägt vor, auch Straßenverengungen oder Bodenwellen einzubauen. „Das wird bei uns aber wohl schwierig, weil da auch Busse fahren.“ Facebook-Nutzer Nils Hartmann hingegen meint: „Absolut richtige Entscheidung.“ Die Sicherheit erhöhe sich. „Auch wenn sich nicht jeder dran hält, rast dann immerhin keiner mehr mit 70 oder 80 durch die Wohnstraßen, sondern nur mit 40.“ Suttorfs Ortsbürgermeister Wilhelm Wesemann hat im Dorf ähnliche Erfahrungen gemacht, wie er berichtet.

Mobiles Blitzgerät soll Kontrolldruck erhöhen

Die Kontrolldichte im Neustädter Land wird übrigens bald wieder ansteigen, wie der Ausschussvorsitzende Heinz-Günter Jaster (SPD) anmerkt. Denn die Stadt wird im nächsten Jahr einen mobilen Blitzer in Betrieb nehmen, der unauffällig und vandalismussicher in einem Anhänger untergebracht ist. Eigentlich war die Anschaffung schon für dieses Jahr geplant. Das Gerät arbeitet automatisch und kann daher praktisch rund um die Uhr eingesetzt werden – auch zu den Stoßzeiten im Berufsverkehr.

Leser machen weitere Vorschläge

Etliche Leser haben zudem Vorschläge, wo ein Tempolimit darüber hinaus noch gut täte: „Danziger Straße wäre toll“, meint etwa Facebook-Nutzerin Gemo Mende. Neben zahlreichen Schülern auf ihren Rädern werde die Straße westlich vom Bahnhof nämlich auch reichlich von Rasern genutzt. Für die Straße An der Eisenbahn wünscht sie sich überdies ein einseitiges Halteverbot, Aufgrund der Pendler erlebe sie dort als Radfahrerin täglich „Abenteuer, inklusive Schweißausbrüchen“.

Anwohner von Vorfahrtsstraßen wünschen Beruhigung

An der Siemensstraße gilt Tempo 30 bisher nur im östlichen Bereich zwischen den Gewerbebetrieben am Bahngleis. Quelle: Kathrin Götze

Anwohner Herbert Brandes meint, die Siemensstraße in Neustadt wäre „fällig“. Dort gilt bisher nur im östlichen Abschnitt nahe der Bahnschranke Tempo 30, auf Höhe der Wohnbebauung dann nicht mehr. „Hier ist es extrem eng. Eine Seite ist voll geparkt“, schildert Brandes die Lage. Bei der Ausfahrt aus der Garage oder vom Grundstück sei daher die Sicht eingeschränkt. Es sei Zeit, die gesamte Straße mit Tempo 30 zu beschildern.

Gefährliche Szenen auf der Leinstraße

Auch die Leinstraße bräuchte dringend eine weitere Verkehrsberuhigung, meinen gleich mehrere Leser. Im südlichen Teil mit den Geschäften, wo das Tempolimit bereits gilt, werde es zu wenig beachtet, sagt Ulrich Kollmeyer. Vor seiner Heimtextilienhandlung habe er schon eine Menge gefährliche Szenen beobachten müssen, berichtet der Geschäftsmann. „Und es fährt zuviel Schwerverkehr durch.“ Seine Bewertung: „Da müsste deutlich mehr kontrolliert werden.“ Weiter nördlich gilt Tempo 50 – „dabei ist doch hier die Wohnbebauung“, sagt Anwohnerin Sabine Ohler. Wo die Straße breiter wird, Ortsausgang und B-6-Auffahrt näher rücken, drückten viele Autofahrer richtig aufs Gas. Und für die Anwohner sei vielfach kein Durchkommen mehr, weil die Autoschlangen vor der Tür nicht abrissen.

„Es gibt da immer viel zu tun“, sagt der städtische Verkehrskoordinator Benjamin Gleue. Die Diskussion verlaufe teilweise zäh. „Vor der eigenen Tür will man am liebsten Tempo 30 haben. Aber wenn man selbst fahren will, sieht das anders aus.“

Kommentar: Her mit den Ideen!

Der Verkehr ist eines von Neustadts Kernproblemen, das zeigt sich auch an der Tempo-30-Debatte: Wie in so vielen Städten steht der Wunsch nach Ruhe und Sicherheit dem nach Erreichbarkeit entgegen. Und das schmale Straßensystem der Innenstadt, eingezwängt zwischen Leine und Bahnschranken, bietet nicht viel Platz für all den Verkehr, der hineindrängt. Gerade in der Innenstadt fühlen sich die Menschen von den Autos vielfach gestört – wohl auch, weil diese ihnen immer dichter auf die Pelle rücken.

Lebensqualität sieht anders aus. Vor der eigenen Tür möchten die meisten lieber keine Autos haben – und wenn, dann nur gebremst. Wenn sich diese Einsicht auch für die Innenstadt durchsetzt, findet sich vielleicht auch Akzeptanz für neue Lösungen, bei denen das Auto als Verkehrsmittel nicht mehr die Hauptrolle spielt. Neue Konzepte für nachhaltigeren Verkehr sind aktuell in Vorbereitung, die Bürger sollen daran mitwirken. Da sind gute Ideen gefragt.

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Von Kathrin Götze

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