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Neustadt Uwe Sternbeck im Interview: „Die Stadt braucht mehr Mut“
Umland Neustadt

Neustadt: Uwe Sternbeck im Interview: Die Stadt braucht mehr Mut

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19:09 24.10.2019
Uwe Sternbeck und Stadtsprecherin Nadine Schley schauen Bilder aus 15 Jahren Amtszeit des Bürgermeisters an. Quelle: Kathrin Götze
Neustadt

Wie weit sind Sie mit dem Abschied aus dem Amt?

Gedanklich ist der Abschied ja seit langer Zeit präsent. Jetzt gibt es lauter Dinge, die man zum letzten Mal tut – auch die letzte Ratssitzung, in der wir noch den Haushalt eingebracht haben. Ich hatte versprochen, bis zum Schluss voll dabei zu bleiben. Dass es wegen des Trojaners im Computersystem nun so ablaufen würde, hatte ich dabei nicht gedacht. Ich hätte meinem Nachfolger gerne ein aufgeräumtes Computerverzeichnis hinterlassen, dazu ist es nun nicht gekommen. Ich bin aber sehr froh, dass der Rat zugestimmt hat, den Wahltermin in den Mai zu legen, sodass wir jetzt Zeit für die Übergabe hatten.

Was werden Sie vermissen, was nicht?

Der Kontakt mit so vielen unterschiedlichen Menschen wird mir sicher fehlen. Man kann mit der ganzen Stadt in Kontakt sein, das gibt es so sonst nicht. Nicht vermissen werde ich die fremd gesteuerte Terminplanung. Es ist schon etwas wert, wenn man seine persönliche Zeit selbst einteilen kann.

Sie haben als erster hauptamtlicher Bürgermeister das Amt quasi selbst erfinden müssen. Was war Ihnen dabei wichtig?

Es war wichtig, die Fragestellung in die Köpfe zu kriegen, wie man zwei Funktionen in einer Person vereint. Ich konnte nicht das machen, was die Vorgänger gemacht hatten. Aber es geht auch nicht, für inzwischen mehr als 500 Kollegen als Teilzeit-Chef anzutreten, um genug Freizeit für die Repräsentation zu haben. Ich bin froh, dass hier auch die Ortsbürgermeister solche Aufgaben übernehmen. Nur so ist es möglich, auf so vielen Veranstaltungen, Jubiläen und Feierlichkeiten im Neustädter Land präsent zu sein.

Was waren die wichtigsten Aufgaben nach Ihrem Amtsantritt?

Die Kommunikation aus dem Rathaus nach außen musste verbessert werden – schließlich arbeiten wir für die Bürger. Der Haushalt war defizitär, mehr als heute. Und die Verwaltungsreform nach einem neuen Steuerungsmodell war nicht zu Ende geführt. Wir hatten damals sechs Fachbereiche, die ganz unterschiedlich zugeschnitten waren. Eine der Führungspositionen war gar nicht besetzt. Dazu notwendige Investitionen in die Infrastruktur nachzuholen, kamen wir im Wesentlichen erst in der zweiten Wahlperiode nach 2011.

Was von ihren Vorhaben aus der Anfangszeit haben Sie umsetzen können?

Eine Bilanz ist in Vorbereitung. Ich habe aber nie zu viel versprochen und einen Großteil meiner Ziele erreicht.

Viele werfen Ihnen vor, bei Planungen für die Stadt zu lange gezaudert und zu wenig umgesetzt zu haben.

Der Bürgermeister ist kein Alleinherrscher. Der Rat muss die politischen Vorhaben auch unterstützen. Ich war 13 von 15 Jahren ein Minderheitsbürgermeister. Und die Kommunikation im Rat war in Neustadt nie einfach, zumal der ländliche Raum in Deutschland schon länger nicht mehr so gefördert wurde, wie das nötig wäre. Mit unserem Leitbild haben wir kürzlich festgeschrieben, dass wir auf die gesamtstädtische Perspektive bauen. Neustadts Vielfalt ist ein Pfund. Die Stadt braucht mehr Mut und Selbstbewusstsein, das wünsche ich ihr für die Zukunft.

Trotzdem: Was hätten Sie gerne schneller geschafft?

Den Rathaus-Neubau, das ist ja kein Geheimnis. Ich bin nach wie vor der Überzeugung, dass es wichtig ist für die Stadt wie auch für die Arbeitsbedingungen der Verwaltung. Das waren hier über Jahrzehnte nur Provisorien, nie als Verwaltungsgebäude gedacht. Auch beim Feuerwehrzentrum gab es Verzögerungen, doch ich bin zufrieden, dass es nun im Bau ist. Es ist wichtig für die Pflege des ehrenamtlichen Engagements in der Stadt.

Wie sieht es mit dem viel beschworenen Verkehrskonzept aus?

Der Verkehr in der Kernstadt ist ein Thema, mit dem ich nicht zufrieden bin. Wir haben hier zwei Schlüsselprobleme: Zum einen wohnen wir im Westen der Stadt und arbeiten im Osten. Da nützen auch Umgehungsstraßen nichts. Unser zweites Problem sind die höhengleichen Bahnübergänge, die dringend ersetzt werden müssen. Wenn Bundesverkehrsminister den Bahnverkehr verdoppeln wollen, müssten sie eigentlich auch dafür sorgen, die Bedingungen herzustellen.

Daran arbeiten nun andere weiter. Oder denken Sie darüber nach, wieder Politik zu machen?

Ich will aktiv bleiben, so viel ist klar. Aber nicht im Neustädter Rat, das wäre eine schwierige Rolle.

Was tun Sie am 1. November?

Ich gebe Dominic Herbst den Schlüssel. Ich sollte ja auch am 31. Oktober noch einsatzbereit sein, falls etwas passiert.

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Von Kathrin Götze

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