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Neustadt Wasser fehlt im Moor – ist Torfabbau schuld?
Umland Neustadt Wasser fehlt im Moor – ist Torfabbau schuld?
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00:19 08.04.2019
Am Rand des Torfabbaugebiets werden die abgetorften und bewachsenen Flächen wieder vernässt. Quelle: Mario Moers
Schneeren

Sind die Torfproduzenten mitverantwortlich, dass im Wasserwerk Schneeren weniger Trinkwasser gefördert werden kann? Bei einer Diskussionsveranstaltung des Grünen-Bürgermeisterkandidaten Dominic Herbst zum Thema „Sauberes Wasser“ in Schneeren, zeigten sich Spitzenvertreter der Grünen am Mittwoch offen für einen Vorschlag der „Bürgerinitiative nitratfreies Trinkwasser für Mardorf und Schneeren“.

Besucher schlugen vor, die Rolle des Torfbau-Unternehmens ASB-Grünland in der Trinkwasser-Debatte zu hinterfragen und die Firma möglicherweise haftbar zu machen. „Wir sollten prüfen, welche rechtlichen Möglichkeiten es da gibt“, sagte Herbst. Auch bei dem ehemaligen niedersächsischen Landwirtschaftsminister Christian Meyer fand die Idee Anklang. „Ich finde es richtig, das Verursacherprinzip anzuwenden“, sagte er.

Bürgerinitiative will Wasser aus Schneeren

Die Bürgerinitiative bemängelt, dass das Trinkwasser des Wasserverbands Garbsen Neustadt deutlich höhere Nitratwerte aufweist als das der Harzwasserwerke. Die Stadtwerke liefern Wasser der Harzwasserwerke nach Neustadt, Poggenhagen und Suttorf, der Rest des Stadtgebiets bekommt das Wasser des Verbands. Eine Bürgerinitiative streitet für gleich hohe Wasserqualität in ganz Neustadt. Das könnte etwa durch die Erhöhung der Fördermengen im Wasserwerk Schneeren erreicht werden, hoffen die Mitglieder. Dort fördern die Harzwasserwerke, die Initiative hofft, dass sie Wasser ins Gebiet des Verbands abgeben könnten. Verbandsgeschäftsführer Stephan Schumüller hatte das im Dezember vor dem Rat ausgeschlossen, doch die Aktivisten lassen sich nicht entmutigen.

Region will Wasser im Moor behalten

Die Region Hannover sagt aber, das Grundwasser in diesem Gebiet werde auch für die Renaturierung des Toten Moores benötigt. Ein Absinken des Grundwasserstands könnte dessen Vernässung gefährden, heißt es aus dem Fachbereich Umwelt dort. Dieser Konflikt ist Anlass für eine neue Debatte. „Früher wurde der Torf an mehreren Stellen entgegen der Vorgaben bis auf Mineralschichten abgebaut. An diesen Stellen fehlt die wasserstauende Schwarztorf-Schicht.“, sagt der umweltpolitische Sprecher und Torfexperte der Regionsgrünen, Ulrich Schmersow.

Auch die Verwaltung habe in der Zeit vor dem Renaturierungskonzept der Region nicht ausreichend kontrolliert, kritisierten Naturschützer der Ökologischen Schutzstation Steinhuder Meer bereits 2001. Damals warfen sie ASB Grünland vor, massiv gegen Genehmigungsauflagen zu verstoßen. Mehrere Hundert Hektar Abbauflächen beiderseits der Moorstraße seien bis auf mineralischen Grund abgebaut worden, Rückzugsräume für Flora und Fauna damit zerstört. Das Unternehmen widersprach den Anschuldigungen damals.

„Wir wollen jetzt wissen, ob damals Verträge verletzt wurden und ob man Schadenersatzforderungen geltend machen kann“, fordert Rüdiger Arand, Sprecher der Trinkwasser-Initiative. „Eine spannende Frage, die sich lohnt zu prüfen“, sagte Herbst.

Von Mario Moers

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